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Der Musikmarkt: so unüberschaubar wie noch nie. „Dank” Internet und Social-Media-Kanälen ist es unheimlich schwer, aufgrund der Massen an weltweiten Veröffentlichungen, Produkt-Neuplatzierungen, DJ-Newcomern und upcoming Live-PA-Superstars noch irgendwie den Überblick zu behalten. Umso freudiger ist es doch, wenn sich ein paar Leute – Profis aus dem Business! – zusammenschließen und eine Art Musikmesse gründen. „Nicht noch ein Amsterdam Dance Event…”, denkt ihr? Falsch gedacht! Die MIXCON Munich hat wenig bis gar nichts mit dem Kongressriesen gemeinsam. Nicht wegen der Größe, sondern wegen Thematik, Zielgruppenausrichtung und Show-Portfolio. Wir von FAZE können euch also nur wärmstens empfehlen, a) auf der Messe in der BMW-Welt München vorbeizuschauen, und b) das folgende Interview mit den beiden Machern und Organisatoren zu lesen. Vorhang auf für Jens Witzig und Bernd Closmann.

Wenn ihr nicht gerade mit der Planung und Durchführung der Mixcon Munich beschäftigt seid – was ist euer Tagesgeschäft? Stellt euch den Lesern doch mal bitte kurz vor.
Jens: Mein Name ist Jens Witzig, ich lege seit fast 18 Jahren auf – und seit zehn Jahren
hauptberuflich, produziere sogar schon einige Jahre länger und habe im Münchner Nachtleben wohl schon jeden Club bespielt: als Gast-DJ, als Resident, als Veranstalter und neuerdings auch als Betreiber eines Ladens.
Bernd: Meine Name ist Bernd Closmann und ich trinke seit 24 Jahren. Ne, Moment das war die andere Gruppensitzung (lacht). Jetzt mal ernsthaft: Darf man DJs eigentlich nach dem Tagesgeschäft fragen? Wir arbeiten ja eher nachts. Zumindest reden mir die Leute das ein, seit ich 2012 mit dem Auflegen angefangen habe. Seitdem gehören meine Wochenenden den Clubs. Und wenn mal Zeit ist, auch der einen oder anderen Produktion. Wie ihr aber schon richtig vermutet habt, muss auch ich von Montag bis Freitag beschäftigt werden, deshalb tue ich in der Zeit so, als wäre ich Projektleiter in einer Eventagentur.

Mixcon München, Vol. 3. Welche Vision hattet ihr, eine Messe wie die Mixcon ins Leben zu rufen?
Jens: Wir waren mehrfach auf der Musikmesse in Frankfurt/Main und hatten irgendwie den Eindruck, dass das DJ-Thema zu kurz kommt. So kam die Idee, eine eigene DJ-Messe zu machen. Im Zuge der Planung für die erste Mixcon kam dann allerdings schnell die Erkenntnis, dass es doch etwas mehr ist, als nur eine Halle zu mieten, und alle kommen von alleine (lacht). So ist der Konferenz- und Networking Part entstanden.

Die Bilanz nach zwei Jahren Mixcon – wie fällt sie aus?
Bernd: Nachdem wir es schon wieder tun, denke ich, fällt unsere Bilanz positiv aus – was
in diesem Fall aber nicht für die Freizeit gilt. Für uns war und ist es wichtig, eine
Weiterentwicklung der Veranstaltung zu sehen. 2018 was das definitiv gegeben. Wir
etablieren die MIXCON Schritt für Schritt als Musik- und Szenetreff in Deutschland.

Das Motto 2019: Made for Music. Wie spiegelt sich dieser Leitfaden in der Mixcon 2019 wider?
Jens: Wir versuchen allen Gästen (vom Einsteiger bis zum Profi), ein Programm zu schaffen, das alle Aspekte des Musikmachens abdeckt: Technik, Instrumente, Songwriting, Rechtliches, Vertrieb, Promo, DJing, Social Media. Für jeden soll etwas dabei sein. Der Einsteiger kann Equipment testen, der Labelchef hat eine Plattform zum Austausch mit Branchenkollegen und kann in unseren Auditions gleich noch Nachwuchs casten.

Ausgabe 1 fand im Postpalast statt. Nummer 2 im Lovelace Hotel und die dritte Issue nun in der BMW-Welt. Gibt es einen Grund für die jährlichen Locationwechsel?
Bernd: Wo wir einmal zu Gast waren, wächst halt kein Gras mehr. Der Postpalast war gut für den Start, steht so aber nicht mehr zur Verfügung, und das Lovelace steht überhaupt nicht mehr. Wir hoffen, aber in der BMW-Welt eine längerfristige Heimat gefunden zu haben.

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Warum fiel die Wahl auf dem BMW-Welt München?
Jens: Hier passt Vieles zusammen: gut erreichbar, tolle Räume, professionelle Zusammenarbeit, die Möglichkeit, „reinzuwachsen“. Und ganz nebenbei ist es die größte Touristenattraktion Bayerns mit mehr Besuchern als Schloss Neuschwanstein. Glaubt man kaum, ist aber tatsächlich so. An zwei Tagen MIXCON kann man sich auch dann noch ein paar schicke Autos anschauen, das macht schon echt Spaß da drinnen.

München hat eine Szene, in die es für Nicht-Münchner recht schwer ist, reinzukommen. Wie seht ihr den Musik-, Produzenten- und Veranstaltungsmarkt in München?
Bernd: Schwierige Sache das Münchner zu fragen, wir kennen es ja nicht anders. Grundsätzlich denke ich, dass die Szene etwa so ist wie die Bevölkerung der Stadt. Es dauert, bis man jemanden ins Herz schließt, aber dann ist es für immer. Was wir aber immer wieder mitbekommen, wenn wir woanders unterwegs sind, ist, dass der Zusammenhalt innerhalb Münchens enorm ist. Da sind Nicht-Münchner oft überrascht. Wir erhalten zum Beispiel für unser Event auch wahnsinnig viel Support aus der Branche. An dieser Stelle Danke an die Münchner Musik- und Club-Szene. Ihr seid super! Die MIXCON hat euch lieb.

Cuebrick, Steffen Harning (Milk & Sugar) und Mikio Gruschinske (früher Plastik Funk) sind nur drei Namen in der langen Liste der Speaker. Erzählt doch mal, wer im Allgemeinen so da ist und was die Besucher bei den Keynotes und Panels erwartet.
Jens: Wir versuchen, das Feedback unserer Gäste umzusetzen und setzen dieses Jahr vermehrt auf „Inhalt ist wichtiger als Name“. Es kommt eine bunte Mischung, hier ein paar davon: Flamingo-Records-Macher Dick de Groot, K.I.Z.-Producer Tai Jason, Artist Coach Joey Suki, Kontor-A&R Markus Gardeweg, KlingKlong-Chef Rainer Weichhold, Mashup Germany, Riva Starr, aus der Hardstyle Ecke: Da Tweekaz. Dann allerlei Leute aus Vertrieben, Labels, GEMA, Social-Media-Coaches und viele weitere Produzenten und DJs, die eine Menge zu erzählen haben. Inhaltlich wird auf über 30 Panels diskutiert und erklärt. Ein paar Themen gefällig? „From Bedroom to Big Room – developing a successful DJ Career“, „How a modern Label works“, „Girls in Music Business“, „Behind big Stages – Festival Management“ und vieles mehr. Dazu Live-Workshops und Label Auditions, bei denen sich Labels und Producer die Tracks der Gäste anhören und live Feedback geben.

Stichwort „Aussteller“. Wer ist so mit von der Partie, wer ist neu und wer bereits zum wiederholten Male dabei? Plaudert gerne ein bisschen aus dem Nähkästchen.
Bernd: Die Big Player wie Pioneer und inMusic sind natürlich wieder mit dabei. Wir haben aber auch ein paar „neue“ Brands mit dabei. Wir wollen noch nicht zu viel verraten, aber wer neugierig ist kann auf unserer Website sehen, wer schon alles an Bord ist.

Nach der Mixcon ist vor der Party. Eure Feier-Empfehlungen?
Jens: Das Beste vorweg: Das MIXCON-Bändchen ist auch ein Club Pass für beide Mixcon-Tage! Mit eurem Bändchen kommt ihr am Freitag und / oder am Samstag umsonst in folgende Clubs: Neuraum, Harry Klein, Pacha, Milchundbar, Crowns Club, Call me Drella, Bob Beaman, P1 und 8Below … Und hier spielen dann unter anderem Anna Tur, Da Tweekaz, Mashup Germany, Riva Starr, Township Rebellion.

Wenn ihr andere Messen näher betrachtet, wie den Amsterdam Dance Event, Eurosonic Noorderslag im holländischen Groningen oder die Checkpoint DJ in Bielefeld – worin unterscheidet sich die Mixcon und generell: Wie wichtig sind heutzutage solche Musikkonferenzen mit Podiumsdiskussionen etc.?
Bernd: Niemand bietet so leckere Leberkässemmeln an wie wir (lacht). Die Frage würde ich gern individuell beantworten: Ich würde sagen, das ADE ist einfach 20 Jahre älter als die MIXCON. Er ist so ein bisschen der große Bruder mit Holzschuhen, zu dem man aufschaut. Die Leute in Amsterdam haben einiges richtig gemacht. Wir versuchen aber nicht, ADE zu kopieren. Wir möchten zum Beispiel auch das Thema Hip-Hop und Urban abbilden. Zudem ist der holländische Markt ja eher dancelastig, in Deutschland ist hingegen Techno stark. Dem versuchen wir auch Rechnung zu tragen. Leider hatten wir bisher kein Möglichkeit, ESNS zu besuchen. Soweit ich das sehe, ist hier der Unterschied, dass es sich dort um Bands und Live-Musiker dreht. Wir kommen ja aus der anderen Ecke. Die MIXCON ist eine DJ- und Produzenten-Konferenz. Bei der letzten Checkpoint habe ich meinen Flieger verpennt, weil es die Münchner Clubnächte durchaus in sich haben, deshalb konnte ich nicht dort sein. Wenn ich aber einen Vergleich vom ersten Event zur MIXCON ziehen müsste, würde ich sagen, dass wir unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und andere Schwerpunkte setzen. Die Checkpoint ist eher techniklastig und bietet viel Equipment und Know-How für Mobile-DJs an. Wir sehen uns eher als Konferenz und Convention. Für uns ist wichtig, alle Beteiligten aus der Musikindustrie zusammenzubringen. Bei uns sind die Vorträge und Master-Classes sehr interessant für die Besucher. Das ergänzt den Technikpartner hervorragend. Zudem sehen wir uns schon auch als Plattform zum Netzwerken, und um neue Kontakte zu knüpfen. Ein weiterer Unterschied ist, dass wir seit letztem Jahr auch ein großes Rahmenprogramm mit den Münchner Clubs rund um die MIXCON aufziehen. Und wir sind natürlich weiter im Süden.


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Speaker-Line-up – alphabetisch: Arian Amedie (Averro), Prof. Dr. Christian Baierle (Verleger, Managing Director/ROBA), Bebo (DJ), Chris Montana (DJ, Producer / S2G-Productions), Cuebrick (DJ, Producer/bigFMnitroX), Dick de Groot (CEO Be Yourself Music), Ferdinand Weber (DJ, Producher), GEMA, IKE (Music Manager, Booker), Julia Bomsdorfn (DJ, Veranstalterin), Magnus Textor (A&R Universal Music), Marc Grittke (GEMA), Markus Hägele (CEO Housesession/Tiger Records), Mashup-Germany (DJ, Producer), Matthias Dengg (GEMA), Max Lean (DJ, Producer/Ultra Music) Mikio Gruschinske (Plastik Funk/A&R, WEPLAY Music / Tonspiel), Philipp Meyer (Anwalt für Urheber- und Medienrecht), Sandy Dae (DJ, Producer, Singer), Ralph Boege (Co-Founder & CEO Paradise Distribution), Robin Jagielski (House Fans/CEO TheJagency), Steffen Harning (DJ, Producer/Milk & Sugar), Stephan Amount (DJ Producer, Steuerfachmann), Sven Schäfer (CEO FAZE Magazin)

www.mixcon-munich.de

MIXCON Munich // 01.+02.03.2019 // BMW-Welt, München

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