Album Cover - Âme - Dream House

 

Man könnte wirklich glauben, dass man träumt. Das Berliner Duo Âme hat eigentlich nie einen ernsthaften Versuch unternommen, ein Artistalbum zu veröffentlichen. Das ging fast 20 Jahre lang gut nun ist des doch passiert. Und das freut uns sehr, haben uns Frank Wiedemann und Kristian Beyer über die Jahre doch konstant großartige und unverkennbare Clubtracks geliefert. Lange blieb ihnen der Schlüssel zum Longplayer verborgen, nun konnten sie ihre Schatztruhe öffnen – und bieten uns funkelnde Edelsteine. „Dream House“ ist natürlich kein Clubalbum, sondern macht es sich abseits des Dancefloors im elektronischen Dschungel bequem. Wobei man sich auf „bequem“ nicht ausruhen sollte, denn Âme fordern und packen uns. Mit ihren Albumgästen nehmen sie uns mit auf einen Grenztrip, der auch die Ursprünge der elektronischen Musik, Minimal und Krautrock, verarbeitet. Das Intro bestreiten sie mit Matthew Herbert und schuften sich choral-schnaufend durch die ersten Takte hinein ins Albumformat. Willkommen. Jetzt, wo wir drin sind, da entdecken wir EBM-Elemente, Gudrun Gut bewegt sich mit „Gerne“ irgendwo zwischen einer stoischen Anne Clark und der Monotonie von DAF, mit Kraut-Legende Roedelius (Harmonia & Cluster) wird ebendieses Kraut auf „Dead-locked“ zerlegt, „Positivland“ wandelt im gleichen Fahrwasser und Planningtorock packt auf „Blind Eye“ den Autotune aus, um zeitgenössische Popmusik zu sezieren. „Helliconia“ transportiert noch am ehesten den Âme’schen Dance-Spirit, nimmt aber auch in diesem Kontext etwas Wucht raus und fügt sich hier perfekt in eine weitere Lücke ein. Das finale „Oldorado“ schließlich schaut mit seinem Electronics-Gewusel auch noch schnell bei Aphex Twin rein und entlässt uns Frage- und Ausrufezeichen. Krasses Album, auf dem man immer wieder was Neues entdeckt und das für mich wie ein Rohdiamant wirkt, der sich mit jedem Hören etwas schleifen lässt – aber nie glatt wird. 10/10 Dieter Horny