Es war – mal wieder – ein sehr gutes Jahr für den sympathischen und doch eher zurückhaltenden Künstler aus Schmölln. Er spielte unzählige Shows in großen sowie kleinen Clubs, auf Festivals und bei anderen Festivitäten. Tatsächlich könnte man sagen, Lars aka A.N.A.L. ist mittlerweile in einer Künstler-Riege angelangt, die einen festen Platz am elektronischen Himmel genießt. Auch durch seinen Output auf Plattformen wie SoundCloud konnte der Thüringer die Anzahl seiner Follower erheblich in die Höhe treiben. Es war also irgendwie überfällig, dass er auch für uns einen offiziellen Download-Mix anfertigt und darüber hinaus Rede und Antwort steht.

 

A.N.A.L-053-Bearbeitet_by_Julian Wolf5

Frohes Neues! Wie war das vergangene Jahr für dich?

Es war ein sehr schönes Jahr. Ich durfte sehr viele schräge Dinge mit Kollegen erleben, einige von ihnen sind dadurch auch zu Freunden geworden. Ich durfte wieder viele neue und liebe Menschen kennenlernen, und das ist auch ein Punkt, den ich an dieser Tätigkeit als DJ sehr mag und schätze, denn hieran erkenne ich immer wieder, dass Musik Menschen verbindet. Mir wurden von Fans viele positive Dinge mitgeteilt, so zum Beispiel, dass ihnen meine Musik über nicht so gute Zeiten hinweg geholfen hat oder meine Sets bei so mancher Afterhour wieder einmal für Gesprächsstoff gesorgt haben. (lacht)

Schräge Dinge? Kannst du uns hier ein Beispiel nennen?

Definitiv nicht. Was auf dem Ikarus Festival passiert, bleibt auf dem Ikarus. (lacht)

Du bist nun schon einige Jahre sehr erfolgreich mit deiner Musik. Wie blickst du auf diese Zeit zurück?

Ich denke nach wie vor, dass ich wirklich mit vielen Dingen Glück gehabt habe – das gehört wohl eben auch dazu. Glück zu haben und zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Vor allem habe ich aus heutiger Sicht sehr viel Glück gehabt mit meiner Booking-Agentur, die seit der Anfangszeit hinter mir steht und hinter dem, was ich tue. Aus menschlicher Sicht hätte mir nichts Besseres passieren können, da es mittlerweile – nach nun doch schon neun Jahren – ein sehr enges, freundschaftliches Miteinander ist. Was mir aber in den letzten Jahren immer mal Probleme gemacht hat, war ich selbst und mein Anspruch an mich. Es wird aus meiner Sicht bei dem überfluteten Musikmarkt immer schwieriger, gute Tracks herauszufiltern. Dadurch hatte ich in der Vergangenheit schon mal die ein oder andere persönliche Krise mit extrem schlechter Laune, weil die qualitativ guten Tracks einfach manchmal in der Masse untergehen – und für einen DJ kann das sehr frustrierend sein.

Wie gehst du dann mit so etwas um?

An den Wochenenden, an denen ich die Crowd mit Musik glücklich machen kann, erfreue ich mich nach wie vor, daran hat sich bis heute nichts geändert. Und wenn die Leute nach meinem Gig glücklich nach Hause gehen, bin ich es auch! Sicherlich gab es in der Vergangenheit mal die ein oder andere Location, in der es nicht so schön war, sei es, weil die Anlage schlecht abgestimmt, die Lichtanlage nicht gut oder gar kein VJ anwesend war. So etwas frustriert mich dann immer erst einmal, aber man sollte da dennoch das Beste draus machen. Sobald ich dann anfange zu spielen, schlägt die Frustration in gute Laune um. Aber die besten Partys sind und waren noch immer in Clubs mit vernünftigem Soundsystem und geiler Lichtanlage!

Wie hat sich deine Musik deiner Meinung nach in dieser Zeit stilistisch verändert?

Ich denke, heute ist mehr Bass und weniger Ton in meiner Track-Auswahl zu finden. Oder anders gesagt: Das ursprüngliche, extrem verspielte Minimale ist härter geworden.
Irgendwie ist der Anspruch an komplexe minimalistische Lieder mit der Zeit verloren gegangen. Weil sie nicht mehr so häufig zu finden sind und sie noch dazu auf den meisten Events irgendwie einfach nicht mehr so gut funktionieren. Ein fettes Bumbum reicht heute den meisten aus, was ich manchmal sehr schade finde, aber irgendwie auch wieder gut. Es hat alles Vor- sowie Nachteile. Denn nicht immer hat Minimal die Energie, den kompletten Club zum Ausrasten zu bringen. Ich versuche meist, einen Kompromiss zu finden, was nicht so leicht ist in dem Genre. Aber ich denke, dass ich da einen guten Mittelweg gefunden habe, der sich in meinem Stil niederschlägt. Der Künstler entwickelt sich eben weiter und die Fans entwickeln sich natürlich mit.

Wie hat sich die Szene durch Social Media in deinen Augen entwickelt?

Um ehrlich zu sein, Social Media sind nicht gerade mein Lieblingsthema. Für mich ist das Ganze irgendwie Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite hat man durch die Socials – vor allem als Newbie in diesem Bereich – die Möglichkeit, ein extrem breites und großes Publikum anzusprechen. Aber auf der anderen Seite tragen die Socials auch dazu bei, dass die Nutzer einfach mit Infos überflutet werden. Man hat als User so wirklich gar keine Zeit mehr, sich mit bestimmten Dingen wie beispielsweise Musikern oder DJs auseinanderzusetzen. Durch bezahlte Kampagnen und riesige Werbebudgets gehen leider viele neue Impulse verloren. Ich unterstütze immer gerne neue Talente und supporte sie auch, wenn mir ihre Kunst bzw. das, was sie tun, gefällt. Aber man bekommt aufgrund dieser riesigen Informationsflut leider nicht mehr so viel auf den Schirm. Ich will Instagram oder Facebook nicht verteufeln, um Himmels willen. Auch ich habe – damals durch Myspace und heute durch Facebook und Co. – den Social Media einen großen Teil meiner Bekanntheit zu verdanken. Aber davor ging es auch irgendwie ohne, ich wusste, wer wo spielt in meiner Umgebung, einfach weil ich mich dafür interessiert habe und mich damit auseinandersetzen musste. Heute muss man als Artist überall, in allen möglichen Socials vertreten sein und es wird oftmals nur noch an Klicks und Likes gemessen, wie erfolgreich man ist. Früher war alles besser – Ironie aus.

Worauf kommt es für dich bei dem Thema an?

Es ist für mich wichtig, dass der Fan informiert bleibt. Zum Beispiel darüber, wo der Künstler, den er mag, als Nächstes spielt. Und was für neue Musik ansteht. Unwichtig für mich ist beispielsweise, wie das Hotelzimmer oder das Essen beim Dinner gerade aussieht. Ab und zu ein kurzes, persönliches Video ist cool, aber hier habe ich leider das Problem, dass ich mich selbst nicht gerne reden höre, sonst würde in dieser Hinsicht wahrscheinlich mehr von mir kommen. (lacht)

Ich habe das Gefühl, eine normale „Clubnacht“ hatte vor einigen Jahren noch einen komplett anderen Stellenwert. Wie siehst du das?

Das kann ich so nicht sagen. Ich glaube einfach, dass die Ausgehkultur eine andere geworden ist.

Wie meinst du das?

Das Thema ist für mich recht schwer zu analysieren, weil ich selbst ja auch älter geworden bin und sich dadurch natürlich die Ansichten geändert haben. Früher war ich als Partygänger in den Clubs, heute eigentlich nur noch als DJ – klar, denn am Wochenende bleibt nicht mehr viel Zeit für private Clubbesuche. Das Publikum wird natürlich immer jünger im Vergleich zu mir. Aber wir waren früher alle jung. Mir fällt allerdings immer wieder auf, dass die Leute heute weniger rücksichtsvoll im Miteinander sind, was ich in dem Maß aus jungen Jahren nicht in Erinnerung habe. Zum Beispiel fällt vielen ein einfaches „Entschuldigung“ schon schwer, wenn man jemanden mit einem Getränk in der Hand übersehen hat und es aus Versehen verschüttet wird. Das familiäre Flair der Anfangszeit des Techno ist irgendwie nicht mehr so spürbar wie noch vor ein paar Jahren. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Partys, bei denen der Altersdurchschnitt höher ist, meist entspannter sind. Warum das so ist, konnte ich bis jetzt noch nicht rausfinden. Aber ich denke mal, es liegt ein wenig an der Gelassenheit, die man mit zunehmendem Alter entwickelt.

Kommen wir wieder zurück zur Künstlerseite. Was sollte ein junger Musiker heute aus deiner Sicht mitbringen, um erfolgreich zu sein?

Das ist für mich ganz klar: in erster Linie Menschlichkeit und Ehrlichkeit. Vor allem zu sich selbst. Man sollte also in der Lage sein, sich selbst zu reflektieren. Man sollte natürlich auch ein gewisses Maß an Talent und Können mitbringen. Und ich denke, dass es wichtig ist, sich nicht mit anderen zu messen und zu vergleichen. Natürlich kann man seine Vorbilder haben und sich an ihnen orientieren. Aber wenn man anfängt, sich zu vergleichen, kann das schnell in Neid umschlagen, und das ist Gift für alles und jeden.

Erzähl uns etwas über deinen Alltag unter der Woche hinter den Kulissen!

Mein Alltag beschränkt sich in der Regel auf die Zeit von Dienstag bis Donnerstag. Freitag bis Sonntag bin ich als DJ unterwegs und der Montag ist ja bekanntlich der Sonntag des Musikers. Alles in allem ist mein Alltag recht abwechslungsreich. Klar, auf der einen Seite beschäftige ich mich viel mit Musik. Das heißt für mich, dass ich immer auf der Suche nach neuen Tracks und Inspirationen bin. Dann bin ich natürlich immer auf der Suche nach neuen Samples für meine Sets, die ich einbauen kann. Dadurch schaue ich viele Serien und höre Hörbücher. Zu meinem Lifestyle zähle ich mein Hobby und meine zweite große Leidenschaft: Autos und alles, was damit zu tun hat. Schön klassisch für einen Kerl. Ich schraube selbst sehr gerne an Autos herum und habe mittlerweile insgesamt drei davon. Mit dem einen bin ich am Wochenende unterwegs, das ist sozusagen meine „Daily Bitch“. Dann gibt es noch einen Audi RS4 B5 und meinen gelben Audi TT 8N. Ja, ich mag Audi und ich wurde für diese Aussage nicht bezahlt. (lacht) Dann habe ich kürzlich angefangen, „Forza 4“ auf der Xbox zu zocken. Aber ich denke mal, das ist dem Wetter geschuldet, weil draußen so kalt und so. Darüber hinaus stehen natürlich immer mal wieder Meetings mit der Agentur an, in denen anstehende Projekte durchgesprochen und geplant werden. Und natürlich schaue ich, dass ich möglichst viel Zeit mit meiner Familie und mit Freunden verbringe.

Familie ist ein gutes Stichwort. Wie sieht es da bei dir aus, gibt es einen A.N.A.L. Junior?

(lacht) Nein, einen kleinen A.N.A.L. gibt es nicht. Ich bin vor Kurzem aber Patenonkel geworden. So sehe ich gerade bei meinem besten Freund Patrick und seiner Frau Sarah, was da so los ist und sein kann, das reicht mir schon als Onkel. Ich glaube, für ein Kind bin ich selbst zu viel Kind. Mal sehen, wie es in ein paar Jahren aussieht.

Dann kommen wir nun zu deinem Kinderspielzeug. Wie sieht aktuell dein Setup aus?

Also, zu Hause habe ich einen Denon AVR Receiver mit Teufel Ultima 40 Surround-Boxen 5.1. Ihr könnt gerne mal zum Probehören vorbeikommen. Spaß beiseite, mein Setup ist eigentlich recht umfangreich, finde ich. Ich spiele nach wie vor mit Laptop bzw. MacBook, dazu kommen eine externe Soundkarte, ein Controller, ein Kaos Pad 3, ein Pioneer RMX 500, ein bis zwei CD-Player – je nachdem – und natürlich ein DJ-Mixer.

Deine Mixe schlagen online hohe Wellen. In diesem Monat mixt du den offiziellen FAZEmag Download-Mix. Was dürfen die Hörer erwarten?

Natürlich den gewohnten, aber nicht gewöhnlichen A.N.A.L.-Style. Es wird eine Mischung aus älteren und neuen Tracks werden, ich mische gerne Altes und Bekanntes. Und es wird abwechslungsreich mit Ups und Downs beziehungsweise Höhen und Tiefen. Aber am besten nichts erwarten, dann wird man auch nicht enttäuscht. (lacht)

Welche Projekte hast du für 2019 geplant?

Es stehen so einige neue Projekte an, darüber kann ich aber noch nicht sprechen. Was allerdings schon offiziell ist: Unsere Agentur feiert dieses Jahr ihr zehnjähriges Bestehen und in diesem Zuge ist eine Deutschlandtour mit dem Namen „New Stylez – Mission 10“ durch viele Clubs geplant. Auch schön daran ist, dass wir wieder öfter im Osten Deutschlands unterwegs sein werden. Und das kann ich als alter Ossi natürlich nur befürworten. Auf die ganze Tour freue ich mich schon sehr – und darauf, wieder einmal mit den Jungs durch die Lande ziehen zu können! Das hat immer etwas sehr Familiäres.

Bist du ein Mensch, der gute Vorsätze fürs neue Jahr hat? 

Vorsätze dieser Art zum neuen Jahr gab es bei mir noch nie. Wenn ich mir etwas vornehme, brauche ich kein bestimmtes Datum oder den Beginn eines neuen Jahres dazu – dann mache ich es direkt. Meiner Meinung nach ist das etwas für Leute, die das, was sie sich vornehmen, nicht wirklich durchziehen wollen, oder?

 

FAZEmag DJ-Set #84: A.N.A.L. – ab sofort und exklusiv bei iTunes & Apple Music
Listen_on_Fuse_Layered_File_052715Get_it_on_iTunes_Badge_DE_1114

Aus dem FAZEmag 083/01.2019
Text: Triple P
Foto: Julian Wolf
www.facebook.com/A.N.A.L.AllesNurAusLiebe

Noch mehr Interviews:
Robert Hood – Mit höherer Kraft
Neelix – der riesige Baum

Solomun – Lange Nächte und schmutzige Geheimnisse
Giorgia Angiuli – Talent und Stil und Talent
Dominik Eulberg – 41 Kiebitze im Nebel

Paul Kalkbrenner – Schnell ist geil
Emmanuel Top – Inspiration durch Evolution