AKA AKA feat. Thalstroem by Michael Lange 015 

Ein weiteres Jahr in der mittlerweile achtjährigen AKA AKA-Karriere mit eurem zweiten Album „Connected“ – wie fällt euer Fazit von 2015 aus?

Das Jahr war für uns schon ein Umbruch – wir sind mit dem Studio umgezogen, haben die neuen Räumlichkeiten selbst komplett neu ausgebaut und dabei weiter von zu Hause aus an unserem Album gearbeitet, das wir dann ja Ende Oktober herausgebracht haben. Dabei haben wir den Tourplan doch recht stramm durchgezogen und waren viel unterwegs, haben gerade im Sommer ganz tolle Festivals erlebt und viele glückliche Gesichter gesehen. Ein vollgepacktes, gutes Jahr!

Wir haben euch in einem Artikel über Dinge, die wir auf Festivals nicht mehr sehen wollen, scherzhaft erwähnt. Der Hintergrund war, dass ihr auf nahezu jedem relevanten Festival im deutschsprachigen Raum vertreten wart. Wie erklärt ihr euch eure Live-Popularität? Wie beschreibt man einem Musik-Fan, der euch noch nicht live erlebt hat, das Happening AKA AKA & Thalstroem?

Uns war von Anfang an sehr wichtig, dass wir mit den Leuten kommunizieren und sie zu einem Teil der Show werden lassen. Dass wir uns also nicht hinter dem DJ-Pult verstecken, sondern versuchen, die Leute mit unserer Energie und Stimmung anzustecken. Dazu trägt natürlich David, der den Live-Act mit seiner Trompete und diversen Synthesizern unterstützt, enorm bei. Hat man ein richtiges Live-Element, dann können die Leute sehen, dass da mehr passiert als auf Play drücken und man mit Herz und Seele dabei ist.

Viele andere Acts, die in eurer Liga spielen, sind so gut wie gar nicht mehr in kleineren Clubs anzutreffen. Ihr jedoch seid regelmäßig in intimeren Locations unterwegs. Warum ist euch das wichtig?

Als DJs sind wir in Bars und kleinen Clubs groß geworden. Als es mit AKA AKA losging, waren wir beide ja schon ein paar gute Jährchen in der Clubgeschichte unterwegs. Das hat uns sehr geprägt und das wollen wir auch nicht missen. Natürlich kann es auch sehr berauschend sein, vor tausenden Menschen auf einer großen Bühne zu stehen, aber den direkten Kontakt zu den Leuten bekommt man am einfachsten hin, wenn das DJ-Pult auf einer Höhe mit der Crowd steht. Auf Augenhöhe sozusagen.

Die AKA AKA-Thalstroem-Konstellation – ein Raver, ein Zufallsmusiker und ein Jazzer – ist eine besondere und bietet viele verschiedene Möglichkeiten, eure unterschiedlichen Herangehensweisen an Musik kreativ umzusetzen. Inwiefern sind diese drei individuellen Vorstellungen auch ein Problem, wenn es darum geht, auf einen Nenner zu kommen? Wer setzt sich im Endeffekt durch?

Da mussten wir tatsächlich erst mal zusammenfinden, gerade im Studio. Am Ende hat sich dann entweder einer durchgesetzt, es wurde demokratisch abgestimmt oder man hat einen Kompromiss gefunden, mit dem alle leben konnten. Bei unserem zweiten Album „Connected“ sind wir notgedrungen (Stichwort Studioeinbruch) anders herangegangen: Hier haben wir viel mehr von zu Hause aus gearbeitet und uns die Projekte via Dropbox geteilt. So konnten wir parallel an verschiedenen Tracks arbeiten und hatten auch mehr Freiheit für unsere Ideen. Am Ende müssen aber natürlich alle happy sein mit einer Nummer – wir sind ja schließlich kein Soloprojekt.

Euer zweites Album „Connected“ vereint nicht nur eure drei Ideen und Talente, sondern auch noch die von befreundeten Künstlern wie beispielsweise Umami, Chasing Kurt oder Northern Lite. Gab es Momente, in denen ihr euch gewünscht hättet, das Album lieber doch alleine zu produzieren? Welche Künstler wünscht ihr euch für Features auf dem dritten Album?

Ja, solche Momente gibt es eigentlich fast immer bei Kooperationen, gerade wenn es zeitkritisch wird oder jemand den USB-Stick mit dem neuen Arrangement zu Hause auf dem Küchentisch hat liegen lassen. Gerade wenn man mit Sängern arbeitet, kann es auch nervenaufreibend werden. Aber mit den Konstellationen, die dann schließlich auf dem Album gelandet sind, sind wir mehr als glücklich. Da waren viele tolle Momente im Studio und wir haben Ideen zum Leben erweckt, die ohne Kollaboration vielleicht nicht umgesetzt worden wären.

An unser drittes Album wollen wir aber aktuell trotzdem noch nicht denken. Jetzt konzentrieren wir uns erst mal wieder auf unsere Ursprünge – es steht eine Kollaboration mit Thomas Schumacher an, mit dem wir ein Medley seines Krachers „When I Rock“ und unserem „Woody Woodpecker“ gemacht haben. Die Nummer ist schon ganz schön auf die Mütze und auch allgemein wird es wieder clubbiger bei uns. Wir haben noch sehr viel Material aus der Albumproduktion, das thematisch nicht aufs Album gepasst hat – da kommen also erst mal einige EPs von uns.

Welche Instrumente wird David 2016 noch zusätzlich in die Live-Shows integrieren?

Ich habe mir tatsächlich gerade „neue“ – mittlerweile aber leider nicht mehr neu erhältliche – Midi Wind Controller besorgt, die eine Vielzahl neuer Möglichkeiten bieten, also noch etwas expressiver sind. Das ist zum einen eine Morrison Digital Trumpet. Das ist ein trompetenähnlicher Controller, der wie eine getunte Trompete aussieht, über die ein Laster gefahren ist. Die wurde bis vor ein paar Jahren in Australien in Handarbeit hergestellt. Und zum anderen ein Midi Steiner EVI (Electronic Valve Instrument). Das ist ebenfalls ein trompetenähnlicher Controller, der zwar nicht ganz so funky wie die Morrison Digital Trumpet aussieht, dafür aber noch mehr expressive Midi-Steuerungsmöglichkeiten bietet. Sein Entwickler, der Midi-Controller-Pionier Nyle Steiner, hat mit seinen Wind Controllern auch Filmgeschichte geschrieben und diese beispielsweise bei dem Soundtrack zu „Apocalypse Now“ benutzt. Da ich beide Instrumente gerade erst erhalten habe und noch übe, kann ich noch nicht genau sagen, welcher Controller als erstes Verwendung finden wird.

Wenn man ständig unterwegs ist, so wie AKA AKA, nimmt man unweigerlich andere Performancemöglichkeiten, interessante Strömungen, neue Acts mit neuer Musik und komische Attitüden wahr. Was hat euch 2015 an anderen Acts fasziniert und was abgestoßen?

Wir haben wirklich viele neue Acts gesehen. Von vielen hatten wir vorher gar nichts mitbekommen, sondern erst auf der Bühne, wenn man auf derselben Stage auftritt. Da ist man schon mal baff, wie schnell sich ein Hype aufbauen kann, wenn das völlig an einem vorbei geht … Speziell haben wir da aber jetzt niemanden im Kopf.

2015 hat im Bereich erfolgreicher Dance-Musik aus Deutschland einige Phänomene hervorgebracht: Gestört aber Geil oder Felix Jaehn zum Beispiel – und Robin Schulz ist endgültig zum Superstar aufgestiegen. Wie empfindet man so etwas als Band, die seit acht Jahren zusammenarbeitet und hart für den Erfolg schuften musste? Denkt man sich, dass man den Hospitality Rider mal anpassen sollte, gönnt man jedem anderen Act den Erfolg, auch wenn man ihn vielleicht nicht nachvollziehen kann, oder wie ist eure Art der Verarbeitung?

Wir gönnen jedem seinen Erfolg, der kommt bei den meisten ja auch nicht von ungefähr. Wo du Robin Schulz sagst z. B. – der hat ja auch mal ganz klein angefangen und wusste sicher von Zeit zu Zeit nicht, wie er seinen Kühlschrank voll kriegen soll. Wenn man ihn heute hinter der Bühne trifft, ist er jedenfalls so, wie man sich ihn auch vor seinem Erfolg vorstellt: auf dem Boden geblieben und lustig. Auch wenn man so nach links oder rechts schaut – die meisten Acts in unserem Metier sind doch eher solche, mit denen man gerne nach der Show noch zusammen einen trinkt und sich auch mehr zu sagen hat als „bis zum nächsten Mal“. Wenn man mal mehr in Richtung Mainstream schaut, sind da sicher auch ein paar Acts, die das Ganze eher als Job ansehen – auch okay, solange sie sich selbst und ihren Fans treu bleiben, respektvoll mit anderen umgehen und sonst halt einfach ihr Ding durchziehen. Was aber gar nicht geht, ist sich auf seinen Erfolg ein Ei zu braten und sich mit Ellbogen breit zu machen. Das hat in unserer Szene nichts verloren!

Was machen AKA AKA & Thalstroem 2016 anders als 2015 und worauf freut ihr euch schon jetzt?

Die Akustik im neuen Studio genießen, 2015 über den Haufen werfen und sich hier und da ein bisschen neu erfinden. Hauptsache nicht stehen bleiben.

Bitte vollendet die Sätze:

2015 war für AKA AKA & Thalstroem – neu und aufregend.

Auch wenn es so wirkt, AKA AKA & Thalstroem waren nie – eine Boyband.

AKA AKA & Thalstroem stehen für – drei Männer mit Spaß an der Musik.

Ey, Veranstalter vom „Festival auf der dunklen Seite des Mondes“ – bucht uns endlich mal.

2016 werden AKA AKA & Thalstroem – feststellen, dass 2016 auch nur eine Zahl ist.

Bei der Fußballeuropameisterschaft in Frankreich werden AKA AKA & Thalstroem – „es ist Europameisterschaft?“ fragen.

 

FAZEmag DJ-Set #48: AKA AKA – ab sofort und exklusiv bei iTunes: 
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Aus dem FAZEmag 048/02.2016