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andhim – Super.


Besonders im Musikjournalismus sind Superlative eine gängige Form des Ausdrucks. Bei Simon Haehnel und Tobias Müller aka andhim sind diese allerdings schlichtweg angebracht. Nicht nur einige – alle. Warum? Das Köln-Berlin-Duo erfüllt nicht nur Wochenende für Wochenende sämtliche Erwartungen ihrer treuen Fans und Anhänger, sie übertreffen diese um Längen. Nicht nur manchmal – immer. Mit ihrem Super-House haben die beiden binnen ihres sechsjährigen Bestehens einen derartigen Hype kreiert, dass sie dieser Tage wohl auch in der Wüste einen Einlassstopp verursachen würden. Kreischende Boys und Girls inkludiert. Nicht nur die Tatsache, dass die beiden eine ungemein sympathische Art und Weise an den Tag legen, wenn sie sich über die gängigsten sozialen Netzwerke mit ihren Superfans austauschen, auch ihre musikalischen Ergüsse treffen quasi unter Garantie den Zeitgeist. Unvergessen und in die Annalen des elektronischen Genres eingegangen sind Hymnen wie „Boy Boy Boy“, „Walkmen“, „Bermudachords“, „Melte“ und natürlich ihr Remix für Theophilus London. Diese Liste könnte man noch eine Weile fortführen – und während diese Zeilen hier geschrieben werden, verzeichnet der offizielle andhim-YouTube-Channel weitere hundert, nein, tausende Klicks. andhim sind Superstars mit Kultstatus, der in absehbarer Zeit mitnichten abzuflachen droht. Einen weiteren äußerst triftigen Grund dafür liefert das Duo kurz vor Jahresende, denn mit Superfriends Records gehen andhim nun mit ihrem eigenen Label an den Start. Was als Gerücht bereits im World Wide Web kursierte, wandelt sich nun in pure Gewissheit. Die erste Katalognummer trägt den Titel „Tosch-EP“ und liefert ganze vier Originale. Während auf der A-Seite die beiden Stücke „Tosch feat. Piper Davis“ sowie „German Winter“ zu hören sind, kulminieren auf der Flipside die beiden Werke „Mond“ und „Horse Society“. Gründe über Gründe, warum die beiden „German Sausages“ in diesem Monat unser Cover zieren und obendrauf noch für den letzten offiziellen FAZEmag Download-Mix des Jahres verantwortlich sind. Ein Interview.

Simon, vor dem Projekt andhim kannte man dich als Simon2 aus den Kölner Clubs Bootshaus und Triple A. Dich, Tobi, als Mitglied von Noisy Stylus. Wie seid ihr zur Musik gekommen?

Simon: Als ich 13 Jahre alt war, habe ich zufällig ein paar DMC-Videos in die Hände bekommen. Ich hatte zu der Zeit, bedingt durch meinen älteren Bruder, schon Hip-Hop gehört, aber das war einfach von einem anderen Planeten. Als ich Cutmaster Swift sah, wie er auf einer riesigen Bühne in Form eines Plattenspielers hinter den Turntables umherwirbelte, war es um mich geschehen. Einen Monat später kaufte ich mir meine ersten (riemenbetriebenen) Plattenspieler und begann, all diesen Legenden wie Roc Raida, Q-Bert oder Rectangle nachzueifern. Durch sie habe ich gelernt, mit Leidenschaft und Hingabe ein DJ zu sein.

Tobi: Mit ca. 16 Jahren bekam ich von meiner Mutter einen DJ-Kurs in Köln geschenkt. Damals unter der Leitung von DJ Lifeforce, einer DJ-Legende im frühen deutschen Hip-Hop. Vom ersten Tag an war ich von Turntablism begeistert. Kurz darauf haben ein paar andere Teilnehmer und ich uns zu einer „DJ Band“ zusammengetan und es bis zum Vizeweltmeister gebracht. Mit „Noisy Stylus“ haben wir dann auch einige Platten und sogar ein reines Scratch-Album veröffentlicht. Zeitgleich habe ich angefangen, sehr viel Musik zu samplen und eigene Beats zu bauen. Von Hip-Hop bis Drum & Bass war da alles dabei.

Somit habt ihr beide eine vernünftige Scratch- und Hip-Hop-Vergangenheit. Wie habt ihr euch kennengelernt?

Simon: Lustigerweise haben wir uns dort kennengelernt, wo für uns musikalisch auch alles begonnen hat: bei einem DMC-Contest. Das war damals im Studio 672 in Köln zur deutschen DMC-Meisterschaft. Wo Jahre zuvor Turntablism noch ganze Hallen gefüllt hat, kamen jetzt nur noch ca. 50 Leute. Ich kannte Tobi durch Noisy Stylus und hatte einige ihrer Sample/Scratch-Platten. Außerdem hatten wir gemeinsame Bekannte, sodass von vornherein eine gemeinsame Basis da war. Ich habe ihn dann einfach angesprochen und mich mit ihm zum Scratchen verabredet.

Wie romantisch …

Simon: In der Tat. Damals noch in seinem Kinderzimmer bei ihm in Bensberg. Nach ein paar Sessions haben wir uns dann ziemlich schnell angefreundet und immer öfter zusammen abgehangen. Ich hatte zu der Zeit schon ein paar Tracks als Simon2 rausgebracht und war recht viel als DJ in Deutschland unterwegs. Tobias hat zeitgleich unter dem Pseudonym „Drnkn Mnky“ eine Platte gemacht, die stark vom damaligen New-Rave-Sound beeinflusst war, und zusammen mit Freunden die regelmäßige Kölner Partyreihe „Banana Split“ veranstaltet.

Tobi: Wir haben dann irgendwann begonnen, Lieder zusammen zu machen. Aber gar nicht zielgerichtet, sondern einfach nur zum Spaß. Eine wilde Mischung irgendwo zwischen Synthie-Pop und Electro, bei der Simon auch gerne mal zum Mikrofon gegriffen hat. Irgendwann werden wir mal eines dieser Lieder aus der Zeit als Hidden Track veröffentlichen – wir haben ja jetzt ein eigenes Label (lacht).

Simon: Mit der Zeit wurden die Tracks dann aber doch immer housiger bis zu dem Tag, an dem wir das Lied „Quetschkommode“ fertig hatten. Das war ganz anders als die Sachen zuvor und hat uns irgendwie klar gemacht, dass man vielleicht doch etwas versierter an die Sache rangehen könnte. Ich habe das dann zu Andreas Henneberg geschickt, auf dessen Label ich zu der Zeit schon eigene Sachen releast hatte. Ihm hat es auf Anhieb gefallen und er wollte die Nummer unbedingt rausbringen – wir sollten nur noch einen weiteren Track fertig machen. Kurzerhand haben wir dann noch zwei weitere Titel produziert und fertig war unsere erste Platte. Zu dem Zeitpunkt hatten wir aber weder einen Namen noch hatten wir jemals zusammen gespielt. Nach großem Drängeln des Labels, das ja schließlich irgendwas auf die Platte schreiben musste, und unzähligen idiotischen Namensideen haben wir uns andhim genannt und waren geboren.

Ein großartiger Moment für die Menschheit. Wann habt ihr gemerkt, dass das Projekt Potenzial bzw. Zukunft hat?

Simon: Wir haben eigentlich nie so richtig auf eine Karriere hingearbeitet oder uns auf den großen Bühnen gesehen. Das alles hat sich ganz natürlich ergeben. Wir haben unserer Kreativität einfach freien Lauf gelassen und wussten gar nicht, was passieren könnte. Als Super Flu dann unsere „Patty Sue“ releasen wollten und ihr Remix dafür ein kleiner Hit wurde, dämmerte es uns aber langsam. Ich meine, das war alles noch in unserem ersten Jahr, 2010, und wir waren riesige Fans von den Jungs. Das hat uns schon umgehauen. Ich werde nie vergessen, wie ich in der Uni saß und auf einmal einen Anruf von Mathias bekommen habe. Ein wahnsinnig toller Moment. Man muss ja dazu sagen, dass wir keinerlei Kontakt zu den Jungs hatten und ihnen einfach eine E-Mail an ihre Homepage-Adresse geschickt hatten.

Tobi: Ein halbes Jahr später haben wir dann unsere Platte „Like A Wirsing“ bei Monika Kruse auf Terminal M rausgebracht.

Ein Label, das in der Szene sonst für straighten Techno stand bzw. noch immer steht.

Simon; Ja, das war zu der Zeit, musikalisch betrachtet, völliger Wahnsinn. Der Titel, die Musik und auch das Cover strahlten nämlich genau das Gegenteil von Techno aus. Aber sie hat die Platte geliebt und mir damals sogar verraten, dass unsere Promo an sie und das daraus resultierende Release sie wieder dazu motiviert hatten, an ihr Label und ihre Arbeit an dem Label zu glauben. Auch Monika hatten wir einfach blind eine E-Mail geschickt, nachdem ich ihre Mail-Adresse an einem Sonntagnachmittag in der Bar 25 abgestaubt hatte. Sie hat uns dann auch ihrem damaligen Booker vorgestellt, mit dem wir seither zusammenarbeiten.

Mit eurem Remix für „Wine & Chocolate“ wurdet ihr quasi zu Popstars. Eure Gage ist nach diesem Titel wahrscheinlich weit in die Höhe geschossen, erste Fans ließen sich eure Köpfe bzw. euer Logo tätowieren. Wie rekapituliert ihr diese Veröffentlichung?

Tobi: Das war wieder so ein absoluter Zufallstreffer. Wir hatten damals das Album von Theophilus hoch und runter gehört und liebten besonders diesen einen Track. Wir haben dann einfach aus einer Laune heraus einen Edit gemacht und bei SoundCloud als „Free Download“ hochgeladen. Dass dieser Edit dann solch eine Aufmerksamkeit bekommen sollte, war einfach unglaublich. Nachdem wir den Track dann offiziell releast hatten, sind wir auch zweimal auf ihn persönlich getroffen und wurden heftig enttäuscht.

Warum?

Simon: Vielleicht hängt er ja zu viel mit Kanye ab, aber in puncto Arroganz und Überheblichkeit war er kaum zu überbieten. Wir haben dann Anfragen für weitere Zusammenarbeiten mit ihm abgelehnt. So viele Platten wie mit uns sollte er – trotz Kanye West als Produzenten – danach nie wieder verkaufen.

Im gleichen Jahr ist auch „All That Matters“ erschienen und der Titel „Remix-Götter“ war euch sicher. Wie geht andhim generell an Remixe heran? Was ist euch wichtig und wie unterscheidet sich dieser Prozess von einer Eigenproduktion?

Simon: Das ist immer unterschiedlich. Zunächst mal muss uns das Original gefallen und natürlich auch Elemente aufweisen, die uns dazu inspirieren, eine andere Version zu machen. Wir haben schon viele Remixe von wirklich sehr großen Namen abgesagt, weil wir mit dem Original einfach nichts anfangen konnten. Uns geht es nicht darum, für den nächsten Superstar einen Remix zu machen, sondern einzig und allein darum, unseren musikalischen Ansprüchen gerecht zu werden. Man hat ja auch eine Verantwortung dem Auftraggeber gegenüber. Oft fragen uns Leute, ob es überhaupt noch möglich sei, von uns einen Remix zu bekommen, aber wir entscheiden da immer nach Gefühl. Als wir die Anfrage von Elderbrook bekamen, hatte dieser gerade mal 300 Likes auf Facebook und noch kein einziges Lied veröffentlicht. Aber wir fanden seinen Song so schön, dass wir sofort zugesagt haben. Und genau darum geht es beim Remixen, sich gegenseitig zu beflügeln. So findet ein kreativer Austausch statt, der auch immer ein Stück weit die eigenen musikalischen Grenzen erweitert.

Tobi: Im Gegensatz zum Remix, der einem bereits viele Elemente vorgibt, stehst du bei der Eigenproduktion wie ein Schriftsteller erst mal vor einem leeren Blatt Papier, das es zu füllen gilt. Dabei kann es ganz unterschiedliche Ansätze geben. Manchmal hat man eine Melodie im Kopf und versucht stundenlang, diese in echte Klänge zu verwandeln. Das Finden und Modellieren des passenden Sounds ist ja mitunter das Schwierigste. Manchmal fängt man mit einem Beat an, ein anderes Mal beginnt man mit dem Break. Es gibt da bei uns keine Formel. Was wir aber noch nie gemacht oder geschafft haben, ist, etwas mit Vorsatz zu produzieren. Das macht aber wiederum auch die Magie des Produzierens aus. Du setzt dich ins Studio und die Sounds und der Rhythmus suchen dich aus. Du weißt nie, was vorher passiert. So lässt man sich oftmals vom Moment entführen.

Das klingt ja schon fast poetisch. Kommen wir zum sich dem Ende neigenden Jahr 2016 – u. a. stark geprägt von Simons Verletzung. Wie hat sich diese auf euch ausgewirkt und wie war das Jahr sonst für euch?

Simon: Die Verletzung war wirklich ein Paradebeispiel an Dämlichkeit. Ich weiß bis heute nicht, wie man es schaffen kann, sich auf einer geraden Strecke bei 3 km/h das Schien-und Wadenbein zu brechen. Allerdings habe ich schon am ersten Tag im Krankenhaus wieder angefangen, zu arbeiten. Viele sagen ja, ich sei der Steve Jobs der Housemusik.

Tobi musste dann das erste Mal nach sechs Jahren allein touren und auflegen. Das Ganze ist ja einen Tag vor unserer Amerika-Tour passiert, mitten im Sommer, während der Festivalsaison. Dabei geht es ja nicht darum, allein auflegen zu können, sondern um eine völlig veränderte Situation. Zu zweit teilt man sich Freud wie Leid. Auch Druck und Verantwortlichkeiten kann man als Duo schön auf den Partner abwälzen. Aber auch als Justhim haben wir für zwei Monate eine gute Figur abgegeben, denke ich. Dabei hat uns die Anteilnahme aus der Szene, von Fans, Promotern und DJ-Kollegen, besonders gerührt. Meine komplette Wohnung bestand nur noch aus Blumen, Schokolade und „Gute Besserung“-Karten. Es hat uns noch mal unseren Platz innerhalb dieser kleinen Parallelwelt verdeutlicht und uns sehr glücklich gemacht. Abgesehen von diesem Unfall war und ist das Jahr ein einziges Highlight.

Ein riesengroßes ist nun der Start eures Labels Superfriends Records. Überfällig, wie viele finden. Welcher Philosophie folgt das neue Brand?

Tobi: In erster Linie haben wir das Label gegründet, damit Simon endlich sein erotisches Hörbuch rausbringen kann, an dem er schon seit einiger Zeit arbeitet. Auch sein musikalisches Alter Ego „Rex Dildo“ wird hier sicherlich ein Zuhause finden!

Simon: Aber mal im Ernst, wir befinden uns glücklicherweise in der luxuriösen Situation, das Label nur aus kreativen und künstlerischen Gründen führen zu können. Mit der Musik, die wir machen, verdient man so gut wie nichts. Trotz millionenfacher Klickzahlen auf YouTube oder der Existenz immer größerer Festivals bleibt elektronische Musik im vermeintlichen „Underground“ und, was die Verkäufe angeht, ein Nischen-Genre. Da wir uns zunächst nur auf uns und unsere Musik konzentrieren, kann man eigentlich nichts falsch machen, da wir ja jeden Cent, den wir in das Label investieren, in uns selbst und unsere Kunst investieren. Wir machen somit nichts anderes als schon die letzten sechs Jahre zuvor.

Tobi: Wir haben immer alles selbst gemacht und vor allem selbst bezahlt. Vom Cover-Design über die Video-Konzeption bis hin zur Promotion. Alles von uns. Nur dass uns jetzt die Musik auch tatsächlich gehört. Wir hatten nie ein Problem damit, für unsere Karriere Geld auszugeben. Was für uns aber in den letzten Jahren immer unerträglicher wurde, ist die Abgabe der Rechte an unserer eigenen Kunst. Da kannst du irgendwann nicht mal mehr dein eigenes Lied verwenden, weil es dir einfach nicht mehr gehört. Das wird mit dem eigenen Label natürlich nicht mehr passieren.

Katalognummer 001 ist eine 4-Track-EP. Wie schwer habt ihr euch mit diesem Release getan, zumal es das erste Produkt auf dem eigenen Label ist?

Simon: Eigentlich haben wir die Lieder nach einer etwas längeren kreativen Blockade einfach so gemacht, ohne groß darüber nachzudenken. Ohne Release-Idee oder Druck von außen. Als die vier Lieder dann fertig waren, hat es irgendwie klick gemacht und wir haben beschlossen, die Platte recht schnell selbst rauszubringen. Die Idee eines eigenen Labels wächst schon seit Jahren in uns. Wir haben sie nur immer wieder vor uns hergeschoben. Der Entschluss, erst mal nur unsere eigene Musik rauszubringen, hat uns dabei viel Druck genommen. Darüber hinaus fiel es uns nie leicht, den richtigen Ort für unsere Musik zu finden. Irgendwie waren unsere Lieder dann doch immer zu eigenwillig, um in die oftmals sehr engen Schubladen der Labels zu passen. Irgendwann fängt man dann an, zu überlegen, wie man Musik machen müsste, um bei Label XY veröffentlichen zu können, oder, noch schlimmer, welches Label sinnvoll wäre für eine gute Ibiza-Saison oder um auf potenzielle Label-Showcases gebucht zu werden. Dieser karrieregetriebene Optimierungs-Gedanke ist wie eine Krankheit in der Szene und führt früher oder später zum Untergang der eigenen musikalischen Integrität und Glaubwürdigkeit.

Wie sieht der Release-Plan für die nächsten Wochen und Monate aus?

Tobi: Zunächst konzentrieren wir uns voll und ganz auf die aktuelle „Tosch-EP“. Wir haben sehr viel Arbeit und Leidenschaft in die vier Lieder gesteckt und wir wollen ihnen allen den nötigen Raum geben. Wir können wohl aber schon mal verraten, dass es zu der EP auch eine Remix-Platte geben wird, die irgendwann im Frühjahr erscheinen soll. Was danach passiert, ist noch nicht spruchreif. Wir wollen uns da aber auch nicht hetzen.

Platte ist ein gutes Stichwort. Wie steht ihr nun als Label-Chefs zum Thema „Vinyl oder digital“ und wie wird das grafische Konzept des Labels aussehen? Bleibt ihr auch hier ein DIY-Duo?

Simon: Im Übermut eines Label-Neugründers schöpfen wir die Möglichkeiten natürlich voll aus. Bei der „Tosch-EP“ wird es ein farblich individuell marmoriertes Vinyl geben. Wir werden für jedes Release immer ein anderes individuelles Vinyl herstellen lassen.

Das grafische Konzept des Covers ist bei unserem Label jedoch etwas Besonderes. Wir werden jedes Cover von jemand anderem entwerfen lassen und auf der Vorderseite gänzlich auf Namen und Titel verzichten. So sollen das Design und der Künstler im Fokus stehen. Wir lassen dem jeweiligen Künstler absolute Freiheit, was das Design angeht, wodurch die Musik um eine weitere künstlerische Ebene erweitert wird. Dabei versuchen wir, im Laufe der Zeit die verschiedensten Menschen in diesen Prozess einzubeziehen: Von befreundeten Künstlern, Familienangehörigen, DJ-Kollegen bis hin zum Fan kann hier alles passieren – somit können wir unsere „Superfriends“ in unseren künstlerischen Prozess miteinbeziehen, sodass sich der Kreis wieder schließt. Das aktuelle Cover wurde von deedeekid gestaltet, einem guten Freund und fantastischen Künstler aus Berlin, der schon bei vielen visuellen Projekten von uns mitgearbeitet hat.

Das Cover von ihm wird es auch als limitierten Sticker beim Kauf der Platte dazu geben.

Ihr erweist euch – mal wieder – als wahre Marketing- und Merchandise-Profis. In einem Interview mit uns vor einem Jahr habt ihr auf die Frage, wie sich andhim in den letzten Monaten und Jahren entwickelt hat, geantwortet: „Die Bank ruft ständig an, weil die Konten voll sind. Das ist natürlich sehr ärgerlich und zeitaufwendig. So muss fast wöchentlich ein neues Konto eingerichtet werden. Die Airlines werden zudem gezwungen, neue Vielfliegerkarten zu entwerfen. Eigens für uns. Die gängigen HONs oder Emeralds werden unserer Fliegerei nicht mehr gerecht. Kurzerhand wurde deshalb der ANDHIM eingeführt.“ Wie betrachtet ihr die Entwicklung von andhim bis heute?

Simon: Wir sind noch wesentlich reicher geworden!

Sehr gut. Inwieweit wird sich das Label auf das Duo andhim und dessen Künstler-Dasein musikalisch und stilistisch auswirken?

Tobi: Ich denke, wir werden noch experimentierfreudiger und kompromissloser werden. Wir betrachten das eigene Label als eine Art musikalische Spielwiese, auf der wir uns – ungeachtet irgendwelcher Trends oder Verkaufserwartungen – austoben können. Letztendlich soll es ein Zuhause sein für unsere Vision von elektronischer Musik, in welcher Form auch immer diese dann zu Tage tritt. Ich könnte mir beispielsweise auch vorstellen, einmal eine Ambient-Platte zu machen.
Simon: Es geht uns darum, noch stärker unseren eigenen Ansprüchen gerecht zu werden und uns künstlerisch auszudrücken. Dass wir dabei – als einziger Act des Labels – nur uns selbst Rechenschaft schuldig sind, motiviert ungemein und bringt wieder eine Leichtigkeit ins Musikmachen, die mit steigendem Erfolg und der damit einhergehenden Erwartungshaltung in den letzten Jahren immer mehr verloren gegangen ist. Wir haben ja schon immer sehr facettenreich produziert. Ob verspielt, deep, housig oder auch hittig – man wird in unserer Musik immer die gewisse andhim-DNA wiederfinden. Diese Freiheit wollen wir mit dem eigenen Label auf das nächste Level bringen. Ich denke, es ist eine tolle Möglichkeit für uns, den Leuten unser volles Spektrum zu präsentieren.

Ebenfalls von großem Erfolg gekrönt und voller eurer DNA sind eure Superfriends-Partys, die ihr bereits in den verschiedensten Ländern veranstaltet habt. Welche Momente sind euch davon besonders in Erinnerung geblieben?

Simon: Diese Nächte oder auch Tage bereiten uns wirklich große Freude, da wir auch hier wieder die volle Kontrolle über die künstlerische und musikalische Gestaltung haben. Wir laden uns befreundete Künstler ein und haben eine Menge Spaß zusammen. Der Gedanke des gemeinsamen Erlebens spielt hier eine große Rolle. Wir wollen einfach mit allen Beteiligten eine gute Zeit erleben und diese gemeinsam gestalten. Da folgt die Party ganz dem Prinzip des Labels: Es geht nicht um uns allein, sondern um das Kollektiv. Das klingt jetzt alles sehr pathetisch, aber das ist es, worum es bei Housemusik geht. Man muss es sich nur wieder klarmachen. Dieser „Wir sind alle eine Familie“-Gedanke geht durch die Schnelllebigkeit und Kommerzialisierung der Musik ja völlig verloren. Dieser Gedanke aber macht den großen Unterschied zu anderen Szenen und Genres aus.

Tobi: Allein in den letzten zwölf Monaten haben wir fantastische Superfriends-Partys in Städten wie New York, Los Angeles, London, Barcelona oder Playa veranstaltet. Besonders frisch in Erinnerung ist natürlich unsere Party beim ADE in Amsterdam dieses Jahr. Wir hatten mit &Me, Gabriel Ananda, Super Flu und Rodriguez Jr. die verschiedensten Gäste dabei, die alle so unfassbar gute Künstler sind, dass die Nacht zu einem wunderbaren Erlebnis wurde.

Auch in Köln gab es in diesem Jahr ein Tages-Open-Air im Waldbad Dünnwald …

Simon: Die Superfriends-„Swimming Pool Edition“ war eines unserer absoluten Highlights dieses Jahr. Wir stecken mitten in den Planungen für 2017 und hoffen, dass wir wieder einen genauso schönen Tag erleben werden wie in diesem Sommer.

Tobi: Das Jahr ist ja nun bald zu Ende, aber wir werden noch zwei weitere Superfriends-Partys machen. An Silvester hosten wir einen neuen Floor im Ritter Butzke in Berlin und einen Tag darauf in London in den Tobacco Docks. Die Planung für 2017 geht gerade erst los, aber es wird hoffentlich einige schöne Veranstaltungen geben. Sicherlich auch mehrere in Deutschland.

Nach der fulminanten Label-Release-Party, die am 1. Dezember im Kölner Gewölbe stattfinden wird – wie feiern andhim Weihnachten?

Simon: Weihnachten feiern wir ganz brav zu Hause bei der Familie. Tobias muss immer noch die Blockflöte spielen, sonst gibt es nichts zu essen.

Pläne, Ziele, Absichten und gute Vorsätze für 2017?

Simon: Wir wollen versuchen, uns im nächsten Jahr ein bisschen zurückzunehmen. Das ist ein Vorsatz, den wir jedes Jahr haben, aber leider schaffen wir es nie, ihn auch umzusetzen. Nach vier Jahren intensiven um die Welt Reisens ohne wirkliche Pause muss man einfach mal einen Gang zurückschalten. Damit meine ich jetzt nicht, dass wir uns eine Auszeit nehmen, sondern dass wir uns bewusst Pausen schaffen wollen.

Also quasi auch Zeit, um das ganze Geld auszugeben?

Tobi: Richtig. Man muss nicht in einer Woche in Sydney, London und auf Ibiza auflegen. Da wird man irgendwann verrückt. Es geht darum, sich Wochenenden frei zu nehmen, Bookings abzulehnen und sich wieder mehr seinem Privatleben zu widmen. Das bleibt bei alledem nämlich zumeist auf der Strecke. Wir haben gemerkt, dass dieses intensive Touren, so gigantisch und traumhaft das alles auch ist, dir auf Dauer das Feuer und die Energie nehmen kann. Man sollte zwischendurch auch mal durchatmen. Das wirkt sich dann wiederum positiv auf unsere Kreativität aus. Gerade was den musikalischen Output angeht. Und musikalisch wollen wir im kommenden Jahr mit dem eigenen Label natürlich überzeugen.

Ihr seid in diesem Monat auch für den offiziellen FAZEmag Download-Mix verantwortlich. Was gibt es zu hören?

Simon: Yes. Der Mix ist eine Art Status quo. Nicht nur dessen, was wir im Club spielen, sondern auch dessen, was wir musikalisch in diesem Jahr veröffentlicht haben. Neben einigen neuen Remixen stellen wir vor dem offiziellen Release-Termin exklusiv alle Lieder unserer „Tosch-EP“ vor. Insgesamt bewegt sich der Mix irgendwo zwischen tanzen gehen und zuhören. Oder um es mit SSIOs Worten zu sagen: „Eine Mischung aus nachdenklich und Schlägerei.“ / Rafael Da Cruz

Ab sofort und exklusiv bei iTunes: FAZEmag DJ-Set #58 – andhim
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