Von den zahlreichen DJs und Produzenten, die sich in der Hauptstadt tummeln, ist Andreas Henneberg zweifelsohne einer der Studio-Wizards, ein Pionier an seinen Geräten, der seine Werke nicht nur solo veröffentlicht, sondern auch im Rahmen verschiedenster Projekte wie zum Beispiel The Glitz mit Daniel Nitsch, Hennon und Cascandy. Auf seinem Label SNOE, dem zweiten neben Voltage Musique Records, veröffentlichte Henneberg nun nach seinem Debütalbum „Mountain“ aus dem Jahr 2013 seinen zweiten Langspieler. Auf „Seventeen“ finden sich 15 energiegeladene Titel, die ohne Umwege auf den Dancefloor gelangen sollen und das mit großer Wahrscheinlichkeit auch tun werden.

 

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Dass er auch abseits des elektronischen Kosmos stattfindet, bewies er unter anderem im gerade abgeschlossenen Jahr beim gemeinsamen Auftritt mit einem Orchester. „Für mich war es ein tolles Jahr. Ich durfte fünf Kontinente beschallen, mein zweites Solo-Album veröffentlichen und im Nationaltheater in Mannheim mit einem riesigen Orchester meine eigenen Titel aufführen. Es ist für mich schon ein ziemlich großes Privileg, all solche Sachen machen zu dürfen. Darüber hinaus habe ich eine wundervolle Freundin, die mich mit aller Kraft unterstützt und mir mein Leben versüßt.“ Dinge, die ihn im Studio wohl umso mehr beflügeln, sich kreativ auf hohem Level zu entfalten. „Eigentlich will ich nur Musik machen – ins Studio gehen, die Technik anwerfen und los. Die Ideen kommen dann von ganz allein. Irgendwie mag ich diesen Album-Kontext sehr, weil man so ziemlich alles machen kann, wonach einem musikalisch gerade ist.“ Und so vereint er 15 tanzbare Peaktime-Stücke auf „Seventeen“. „In erster Linie sehe ich mich als DJ und da liegt es nahe, Tracks zu machen, die ich auch gut spielen kann. Es ist wirklich kein Album, das man an einem entspannten Abend auf der Couch hören möchte. Es ist nützliches Material für den Dancefloor und weniger geeignet, um Spotify-Playlists zu füllen. Vielleicht wird mein nächstes Album wieder ein bisschen ruhiger, das kommt immer ein wenig darauf an, wie man sich gerade so fühlt.“ Und so sieht er in jedem Album eine Art Spiegel, der ihn als Künstler wie eine Momentaufnahme genau so abbildet, wie er zu jenem Zeitpunkt agiert und ist. „,Mountain‘ ist tatsächlich schon vier Jahre alt und repräsentiert genau das, was ich zu diesem Zeitpunkt machen wollte. Und genau so verhält es sich jetzt mit ,Seventeen’.“ Der Prozess verlief ohne jeglichen Druck und auch ohne Deadlines – es ist also ein großer Vorteil, wenn man das Album auf dem eigenen Label veröffentlicht. „Man kennt das ja, wenn Musiker sich monatelang im Studio einschließen, um ihr neues Album zu produzieren. Aber so war es in diesem Fall nicht. Ich bin ins Studio gefahren, wenn ich Lust dazu hatte, und habe einfach die Musik gemacht, auf die ich Lust hatte. Irgendwann hat man dann eine Menge fertiger Titel, die man schon ein paarmal auf dem Dancefloor ausprobieren konnte, und ohne viel Hokuspokus landen dann die besten Sachen auf dem Album. In Sachen Technik und Software benutze ich im Studio eigentlich alles, was mir zur Verfügung steht. Vor allem aber meine Moogs sind in so ziemlich jedem Titel zu hören.“

Und so entspannt er dieses Projekt auch angegangen ist, empfand er dennoch den berühmt-berüchtigten Druck nach dem ersten Album, an dem schon so mancher Musiker verzweifelte. „Das Tolle daran, gleichzeitig Produzent und DJ zu sein, ist, dass man die Titel direkt am Wochenende im Club ausprobieren kann. Dabei merkt man sehr schnell, ob sie funktionieren oder eben nicht. Bei einem eher ruhigen Album ist es viel, viel schwieriger, weil man sich einfach auf seine Intuition und Kreativität verlassen muss. Beides macht aber tierisch Spaß und der Anspruch ist natürlich immer sehr hoch.“ Diesen hat er auch bei den eingangs erwähnten Projekten, die er neben seiner Solo-Karriere verwirklicht. „Ich bin wirklich sehr froh, Musiker sein zu dürfen. Alles, was ich möchte, ist, Musik zu machen, ohne mich dabei auf Genres festlegen zu müssen. Wenn mir nach Pop-Balladen ist, mache ich halt Pop-Balladen – und wenn ich in Techno-Laune bin, wird es Techno. Vergleicht das mal mit einem Maler. Der malt ja auch nicht nur Stillleben mit Blumenvasen und Obst. Da die Musikindustrie nun mal so funktioniert, gibt es für verschiedene Genres bei mir einfach andere Projektnamen. Cascandy, Hennon und natürlich zusammen mit meinem langjährigen Freund Daniel Nitsch The Glitz. Der rote Faden ist dabei immer allgegenwärtig. Den werde ich auch nicht so einfach los.“

Auf zwei der 15 Stücke kollaborierte Henneberg mit Adrian Hour beziehungsweise Victor Ruiz – quasi seine Südamerika-Connection. Beide kennt er bereits seit einigen Jahren. „Wir sind gute Freunde geworden und rein zufällig liegen wir musikalisch auch gar nicht so weit auseinander. Als Victor Ruiz mal in Berlin war, haben wir uns einfach im Studio eingeschlossen und drauflos produziert. Dass der Song auf meinem Album gelandet ist, war eher Zufall. Adrian Hour ist vor einiger Zeit nach Berlin gezogen und ich habe ihn direkt gefragt, ob er Lust auf ein Feature auf meinem Album hätte. Ich stehe total auf seine Produktionen und ich habe mich unglaublich gefreut, dass wir hier zusammenkamen.“ Remixe weiterer Album-Titel sind für dieses Jahr nicht geplant. „Da wären wir wieder bei dem Beispiel des Malers. Der gibt seine Bilder auch nicht zu anderen Malern mit der Bitte, sie nachzuzeichnen. Ich mag es viel lieber, wenn die Titel für sich stehen. Lange Zeit habe auch ich aus ,Gründen der Label-Strategie’ immer wieder Remixe eingekauft. Ich war mit den Ergebnissen meist nie so richtig happy und am Ende hat es von den eigentlichen Titeln auch nur abgelenkt. Mittlerweile bin ich kein großer Freund mehr von Re-Interpretationen.“ Auf dem Label SNOE, das bereits Katalognummer 30 erreicht hat, ist neben weiterem musikalischem Output auch in Sachen Fashion einiges geplant. „Wir gehen bald mit einer riesigen Klamotten-Kollektion an den Start, haben einige wirklich großartige Newcomer gesignt und veröffentlichen mein ,Klassik meets Techno’-Projekt ,Synth Happens’.“

Aus dem FAZEmag 071/01.2018
Text: Triple P
Foto: JENSONSART Photography

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