anna tur by jordi cervera

Der Name Anna Tur ist aktuell nicht selten in Verbindung mit den renommiertesten Clubs, Veranstaltungen oder szenerelevanten Brands zu lesen. Die Ibizenkerin begann ihre Karriere im Jahr 2007 und ist neben ihrer Tätigkeit als DJ und Produzentin auch General Managerin von Ibiza Global Radio – einer der erfolgreichsten Radio-Stationen auf diesem Planeten. In den vergangenen Jahren machte die Spanierin, die mit Illusion Music Records auch ihr eigenes Label führt, ebenfalls als Resident bei Marco Carolas Nacht „Music On“ auf sich aufmerksam. Ihre musikalische Bandbreite reicht von House über groovige Elemente bis hin zu Techno und trägt dabei dennoch stets Annas persönliche Handschrift. 2016 debütierte sie mit ihrer ersten EP, „A New Illusion“.

Anna, wie war das Jahr 2017 für dich – sowohl beruflich als auch privat?

Beruflich war es ein tolles Jahr, es gab großartige Partys und gute Gigs mit grandiosen Erinnerungen. Privat war es hingegen ein eher negatives Jahr. Mein Hund, der zeitgleich so etwas wie mein bester Freund war, ist vor zwei Monaten gestorben. Die Zeit danach war beziehungsweise ist noch immer schwer, aber durch die Musik und die tollen Menschen, die ich um mich herum habe, wird es von Tag zu Tag besser.

Mein Beileid, Anna. Lass uns über etwas Erfreulicheres sprechen wie deine Anfänge in der Szene.

Die Verbindung zur Musik hatte ich bereits als kleines Kind in der Familie. Ich stamme aus einer wahren Radio-Familie. Ich habe quasi mein ganzes Leben darauf hingearbeitet, eines Tages Radio zu machen beziehungsweise zu managen. Die ersten fünf Jahre bei Ibiza Global Radio verbrachte ich abseits der Musik im Hintergrund. Mit der Musik selbst habe ich vor rund elf Jahren begonnen. Das hat sich zu einer wahren Passion entwickelt, die mich immer wieder packt und vorantreibt. Und natürlich bin sehr stolz darauf, dass IGR mittlerweile zu einem der meistgehörten Radio-Sender weltweit gehört – mit über zwölf Millionen Zuhörern im Monat.

Wie hast du dich als Künstlerin deiner Meinung nach in diesen elf Jahren entwickelt?

Am Anfang war ich noch sehr von anderen Künstlern beeinflusst – in positiver Form. Auch hier hat das Radio, aber ebenfalls meine Tätigkeit als Promoterin natürlich eine große Rolle gespielt. Die ersten drei bis vier Jahre waren im Prinzip vom Lernen bestimmt; Musik, technische Skills, aber auch davon, mich selbst besser kennenzulernen und dadurch meinen eigenen Sound zu schaffen. In den letzten Jahren haben sich diese Parameter immer weiter entwickelt und gefestigt. Im Studio versuche ich, sämtliche Eindrücke zu verarbeiten, sei es aus spanischer Volksmusik, Classic, Pop, Rock, Ambient oder Techno. Wobei Techno für mich sowieso die Fusion aus allen möglichen Genres darstellt und genau deshalb so divers ist.

Was sind deine favorisierten Tools in Sachen Soft- und Hardware?

Ich arbeite mit Ableton und habe den Anspruch, Musik vollkommen autark ohne Hilfe zu produzieren, daher beschäftige ich mich gerade intensiv mit dieser Materie. Aktuell steht das Connecten von Instrumenten, Rhythm-Boxen und sonstigen Gerätschaften auf dem Tagesplan. (lacht)

Erzähl uns mehr über dein eigenes Label und die Philosophie, die ihm zugrunde liegt!

Das Label ist meine persönliche Spielwiese, auf der ich mich ausdrücken und verwirklichen kann. Auch dient es als Plattform für neue und unbekannte Künstler. Die anstehende Katalognummer #003 kommt von meinem guten Freund Toni Moreno und heißt „MOON“.

Mit „All About The Music“ hast du ebenfalls deine eigene Show, die auch Events konzipiert.

Es ist unglaublich, wie das Brand in den letzten Monaten gewachsen ist. Wir laufen jeden Tag für zwei Stunden und die damit verbundene Arbeit ist unglaublich intensiv, dennoch lohnt sich jede Sekunde. Wir können uns mittlerweile kaum retten vor Input, Anfragen und Kollaborations-Wünschen. Aber alle Personen, die in dieses Projekt involviert sind, gehen mit einer gehörigen Portion Leidenschaft an die ganze Sache, sodass es so etwas wie unser kleines Baby ist, das rasant erwachsen wird. Sehr professionell und ambitioniert.

Wie verbindest du Radio mit deiner Karriere als Künstlerin und wie siehst du das Thema Radio generell im digitalen Zeitalter von SoundCloud, YouTube und Co?

Um ehrlich zu sein erdet mich genau diese Kombination und führt zu einer hervorragenden Body-Mind-Balance. Vorwiegend administrative Tätigkeiten beim Radio paaren sich mit purer Kreativität für meine Karriere als Künstlerin. Es ist toll, jedoch habe ich einige Freunde, denen das gar nicht gefällt. Sie sind der Meinung, dass ich kein Privatleben mehr habe – was bei einem 14-Stunden-Tag auch tatsächlich so aussehen kann. Und am Wochenende kann es sogar noch länger gehen, aber ich empfinde meine Passion nicht als Arbeit.

Was sind deine Vorsätze für dieses Jahr?

In erster Linie, gesund zu sein. Das hoffe ich natürlich nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie und meine Freunde. Darüber hinaus: Happiness und Liebe. Und daraus wird einiges resultieren, davon bin ich fest überzeugt. Die harte Arbeit wird’s schon richten. (lacht)

Aus dem FAZEmag 071/01.2018
Text: Triple P
www.facebook.com/annaturdj

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