Es gibt ohne Zweifel eine feine, aber durchaus interessante Linie, die Genie von Wahnsinn trennt – und auf der balanciert Basti Grub seit über zehn Jahren in der Welt der elektronischen Musik. Eine Zeit des unvoreingenommenen sowie leidenschaftlichen Experimentierens mit unterschiedlichen musikalischen Einflüssen und stilistischen Ausbrüchen. Ein facettenreicher Alterungsprozess, der ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist: ein kreativer Verrückter, dessen mentales Orchester nie aufhört zu spielen. Egal, ob es sich um verschiedene Instrumente, modulare Systeme oder um Synthesizer handelt – der in Frankfurt geborene Basti Grub liebt das Unvorhersehbare und beschränkt sich niemals auf konventionelles Denken. Stattdessen kollaboriert er sehr gerne mit anderen Künstlern, aktuell vermehrt mit Timo Maas, mit dem er in diesem Jahr einige Projekte gestartet hat. Seine Diskografie ist gespickt mit Veröffentlichungen auf diversen Labels – darunter Mobilee, Flying Circus, This And That, Rockets & Ponies, Moon Harbour, Bar 25, Toolroom, Aprapta und viele, viele mehr. Momentan sitzt Grub an seinem vierten Studioalbum sowie an zahlreichen EPs. In diesem Monat mixt der Hesse den offiziellen FAZEmag Download-Mix. Ein Interview.

 

Basti Grub by Björn Dippel

 

Der Kalender zeigt den letzten Monat des Jahres an. Wie war das Jahr 2018 für dich?

Es war sehr intensiv und vor allem ein Jahr schlafloser Nächte. Ich kann mich rückblickend über viele Releases auf erstklassigen Labels, eine super Saison auf Ibiza und eine tolle Tour durch Südamerika freuen. Außerdem habe ich das erste Lebensjahr meines Sohns Lior miterleben dürfen. Und obwohl ich unfreiwillig die Lyrics von gefühlt 100 Kinderliedern auswendig kann, konnte ich, denke ich, meinen Musikgeschmack bewahren und meinen Fokus auf die Musik, die mich wirklich begeistert, schärfen. 2018 habe ich beruflich und privat einen Reifeprozess durchlaufen, der mich mit Spannung auf das nächste Jahr blicken lässt.

Im kommenden Jahr soll dein neues und insgesamt viertes Album erscheinen. In welcher Phase befindest du dich aktuell und wo geht es musikalisch hin?

Ich arbeite seit etwa vier bis fünf Monaten daran und ich muss zugeben, dass ich dabei maßgeblich von DJ Kozes letztem Album inspiriert wurde. Stilistisch ist es sehr vielseitig, irgendwie trippy und verspult, aber trotzdem melodisch mit Listening-Tracks sowie Club-Nummern. Eben für jede Stimmungslage geeignet.

Wie würdest du jetzt, mitten im Produktionsprozess, die Entwicklung zu deinen drei letzten Alben beschreiben?

Jedes meiner Alben ist eine Geschichte für sich. Eine Geschichte, die die darauffolgenden beeinflusst oder prägt, aber dennoch für sich steht. Letztendlich ein Spiegel meines Lebens zum Zeitpunkt des Entstehungsprozesses; was mich bewegt, interessiert und inspiriert, alles fließt ein und lässt mich musikalisch wachsen. Rückblickend sehe ich meine Alben also wie Momentaufnahmen aus einer Zeit, die ich hinter mir gelassen habe, um dahin zu gelangen, wo ich jetzt musikalisch stehe. Ich bin noch nicht am Zenit meines Schaffens angelangt, aber ich kann ihn schon fühlen.

Es stehen EPs in den Startlöchern für renommierte Labels wie Hot Creations, This & That, Stil vor Talent und andere.

Ich stehe zu allen dreien in langem und gutem Kontakt und schätze, dass auch in der Zukunft weiter Musik von mir oder Kollaborationen mit anderen Künstlern auf den Labels erscheinen werden. Die Nummer, die euch im Februar auf Hot Creations erwarten wird, liegt mir besonders am Herzen und ich bin gespannt, wie sie von den Hörern aufgenommen wird. Der Track ist sehr eigen und lässt sich, wie ich finde, nur schwer einem bestimmten Genre zuordnen. Anders als die anderen Tracks ist er sehr zufällig beim gemeinsamen Herumprobieren im Studio entstanden und plötzlich war da diese groovige Bombe mit Ohrwurmcharakter. Die EP bei This & That ist im Stil des üblichen Wahnsinns, den man vom Label kennt. Hier habe ich drei sehr verschiedene Tracks produziert, die alle in unterschiedliche Genres fallen und dennoch eine gute Komposition ergeben. Im Dezember erscheint mein drittes Stil-vor-Talent-Release in diesem Jahr. Nachdem „Momentum“, eine meiner Lieblingsnummern, zu Beginn des Jahres veröffentlicht wurde, beende ich 2018 mit einem Afro-House-Titel, der sich meiner Anfänge mit percussionlastiger Musik bedient, aber eine ganz neue, zeitgemäße Interpretation der alten Sounds bietet.

Du hast die Kollaborationen gerade schon angesprochen. Unter anderem arbeitest du aktuell mit Davide Squillace, George Morel und Timo Maas. Was können wir da erwarten?

Richtig, ich war dieses Jahr ziemlich umtriebig, was Kollaborationen angeht. Alle drei Künstler sind auf ihre eigene Weise inspirierend und haben jeweils einen ganz anderen, eigenen Sound – gerade das macht die Zusammenarbeit so spannend. Mit Davide Squillace und George Morel ist das Arbeiten natürlich etwas anders, da ich mit ihnen nicht im Studio sitze, sondern eine räumliche Distanz zu überwinden habe. Man schickt sich Ideen, Vorschläge und Ausarbeitungen hin und her und wartet auf Feedback. Der Prozess ist also etwas langwieriger. Da ich nicht nur mit, sondern auch für Timo produziere, ist das schon eine ganz andere Nummer. Wir kommen regelmäßig zu Studiosessions zusammen. Timo hat immer eine To-do-Liste und dann geht’s los. Timo liebt Listen. Davide und ich arbeiten aktuell an drei Tracks, über die ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht allzu viel sagen kann, bis auf die Tatsache, dass sie melodisch und trippy sein werden. In der Kollaboration mit George steckt außerdem eine Sängerin aus Berlin mit drin. Diese EP geht stark in Richtung Melodic-House-Music. Die Nummer mit Timo hingegen wird deutlich technoider.

Du hast schon häufig mit Leuten im Studio gearbeitet. Worin liegt der Unterschied, wenn du einen Vergleich zum Produzieren im Alleingang ziehst?

Es dauert in der Regel etwas länger, da die Geschmäcker verschieden sind und man nicht immer gleich auf einen Nenner kommt. Gleichzeitig ist eine Zusammenarbeit aber auch sehr inspirierend und ergibt ganz neue, schöne Synergien.

Generell bist du als absoluter Studio-Wizard bekannt. Kann man sagen, dass du lieber produzierst als auflegst?

Die Bezeichnung gefällt mir. (lacht) Ich produziere wirklich sehr gerne, weil ich mich im Studio wunderbar dem Flow hingeben kann und ich an manchen Tagen vom Output selbst überrascht oder begeistert bin. Außerdem inspirieren mich die nächtlichen Begegnungen mit dem betrunkenen Onkel meiner Freundin, in dessen Haus mein Studio ist und der sich vornehmlich in Feinripp-Unterhosen kleidet. (lacht) Obwohl ich viel und gerne produziere, stehe ich aber mindestens genauso gerne auf der Bühne und plane, das im nächsten Jahr auch noch häufiger zu tun. Das Auflegen habe ich schon seit einiger Zeit etwas zurückgestellt. Über die Jahre sind einfach so viele Tracks zusammen gekommen, dass ich mühelos ein vier- bis fünfstündiges Live-Set spielen könnte, was aber in der Länge bisher nur in Japan oder Berlin vorkam. Für 2019 stehen auch wieder mehr Festivals auf dem Plan, unter anderem das Burning Man.

Wie beschreibst du im Allgemeinen deinen Workflow im Studio und wie arbeitest du traditionell?

Mein Mantra heißt „KPRB“. Es steht für Kippen, Pizza und Red Bull. Die Triebfedern meines Schaffens. (lacht) Grundsätzlich arbeite ich immer an mehreren Projekten parallel. Es kommt sehr, sehr selten vor, dass ich mich hinsetze und ein Projekt allein und in einem Rutsch bearbeite, so funktioniert mein Hirn einfach nicht. Meine Gedanken sind sprunghaft und durch die Wechsel kann ich meine Ideen besser zur Geltung bringen. Trotz der vielen Sprünge schaffe ich es aber immer, dass alle Tracks irgendwie parallel in meinem Kopf umherschweifen und ich Geistesblitze meistens gedanklich schon zuordnen kann.

Wie hat sich deine Art zu produzieren in den letzten Monaten und Jahren entwickelt beziehungsweise verändert?

Ich habe mir in den letzten Jahren ein Know-how angeeignet, das ich zu Beginn einfach nicht hatte und das die Qualität meiner Musik stark beeinflusst. Kreatives Arbeiten, finde ich, ist immer ein Entwicklungsprozess und man wächst immer ein Stück weit über sich hinaus, wenn man sich einem gewissen Maß an Selbstkritik stellt. Seit einiger Zeit bin ich mein Handwerk betreffend an dem Punkt, dass ich alles, was mir durch den Kopf schwebt, genau so umsetzen kann. So zu arbeiten, macht zum einen mehr Spaß und bringt zum anderen auch effektiver ein besseres Ergebnis hervor, zumal ich mir meine sprunghafte und experimentelle Herangehensweise bewahrt habe.

Was sind deine Favoriten in Sachen Soft- sowie Hardware?

Definitiv die Plugins von U-Audio und in Sachen Hardware gefallen mir besonders die Modularsysteme von Buchla, die ich auch in Zukunft immer weiter ausbauen werde. Natürlich gibt es noch viel mehr, aber dafür reicht der Platz hier bei Weitem nicht aus.

Welche Pläne hast du für 2019? Vorsätze, ja oder nein?

Wie zuvor schon erwähnt, erscheint mein viertes Album und ich plane, wieder mehr Festivals zu spielen. Darüber hinaus plane ich noch weitere Kollaborationen neben den oben genannten. Es bleibt also spannend. Ich bin kein Mensch von Vorsätzen, vielleicht weniger KPRB?!

Wie feiert ein Basti Grub Weihnachten beziehungsweise Silvester?

Mit Schnitzel, Würstchen und Kartoffelsalat! Weihnachten verbringe ich mit meiner Familie. Im Gegensatz zu Silvester, da bin ich in New York, ohne sie.

 

FAZEmag DJ-Set #82: Basti Grub – ab sofort und exklusiv bei iTunes & Apple Music
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Aus dem FAZEmag 082/12.2018
Text: Triple P
Foto: Björn Dippel
www.facebook.com/bastigrub