Nach beinahe 20 Jahren der Musikproduktion ist es nun endlich so weit: Der Berliner Musiker, Produzent und Labelbetreiber Benno Blome veröffentlicht sein erstes Album. Es heißt „Night Shots“ und transportiert den Sound lauer Sommernächte, die man in einer der zahlreichen Berliner Locations oder am Spreeufer genießen kann. Wir haben uns mit dem Mann hinter Sender Records unterhalten und mehr über sein Albumdebüt erfahren.

bennoblome

Wie würdest du die Idee oder den Gedanken hinter „Night Shots“ selbst beschreiben?

Da ich neben der Musik auch leidenschaftlich gerne fotografiere, hatte ich eines Tages die Assoziation, dass Clubtracks nichts anderes als nächtliche Momentaufnahmen, sprich „Night Shots“, sind. Basierend auf dieser Idee, wollte ich meine ganz persönlichen „Night Shots“ produzieren und als Album veröffentlichen. Die Parallelen zur Fotografie zeigen sich auch in einigen Titeln wie „Spherical Aberration“ oder „High Grain“. Und auch das Cover des Albums ist ein Nachtschuss, mit meiner Silhouette vor dem Sternenhimmel. So weit das Grundkonzept und die äußere Form.

Worauf hast du inhaltlich Wert gelegt?

Die ersten Platten, die ich mir in den Neunzigern gekauft habe, waren von Robert Hood, Green Velvets Relief Records, Daniel Bell oder Jeff Mills. Dieser radikale Sound war für mich damals die Initialzündung und der Einstieg ins Auflegen, Produzieren und die Labelarbeit. 909-Drum-Sounds, „Jack“-Vocals oder analoge Strings prägen den Sound von „Night Shots“. Ich wollte also zum einen meine Chicago- und Detroit-Wurzeln zelebrieren und einfließen lassen und zum anderen war es mir wichtig, im manchmal so aggressiven Trubel unserer Zeit die weiße Flagge zu hissen – mit Tracks, die im Club zwar knallen, aber gleichzeitig eine vereinende, Frieden stiftende Atmosphäre kreieren. Den Kampf zwischen den Gegensätzen aufzulösen und Schwarz mit Weiß, House mit Techno zu versöhnen, ohne in Schubladen zu denken, war das Ziel. Einige der Titel beginnen oder enden sehr ambientmäßig und sphärisch, entwickeln sich in unvorhersehbare Richtungen. Diese Vielschichtigkeit war mir sehr wichtig bei „Night Shots“.

Wieso hast du dir 20 Jahre für dein erstes Album Zeit gelassen und welchen Stellenwert hat dieses Format heute noch für dich?

Mein Anspruch an ein Album ist sehr hoch. Ich hatte schon mehrmals geplant, eines zu machen, aber es ist immer an diesem Anspruch gescheitert. Jetzt hat alles gepasst und es hat sich fast wie von selbst entwickelt. Ein Album entsteht ja über einen längeren Zeitraum und viele Leute sind daran beteiligt, es durchläuft verschiedene Prozesse. Daher muss man schon zu 100 Prozent dahinterstehen können. Das ist bei „Night Shots“ zum Glück der Fall. Ich bin sehr zufrieden mit dem Endergebnis.

Kurz nach dem Jahreswechsel kam mit der „White Flag“-EP bereits der erste Vorbote des Albums, der außerdem einige Remixe bereithielt. Auch auf „Night Shots“ bist du nicht allein – Kotelett & Zadak, Daniel Dreier und Hopperider sind mit an Bord. Wieso wolltest du gerade diese Acts dabei haben?

Auf der Vorab-EP befinden sich zwei Album-Tracks und vier Remixe von Artists, die ich sehr respektiere. Mit Tigerskin habe ich auf Sender schon diverse EPs gemacht und Dachshund kenne ich auch schon seit vielen Jahren. Jiggler hat letztes Jahr eine großartige EP auf Sender gemacht und der Ambient-Remix von Kenneth James Gibson ist auch fantastisch, genau wie seine Alben auf Kompakt. Daniel Dreier, Martin und Heiko von Kotelett & Zadak sowie Dominik alias Hopperider sind allesamt gute Freunde, mit denen ich mich im Laufe der letzten Jahre immer wieder im Studio getroffen habe, um gemeinsam an Beats und Konzepten zu basteln. Da lag es nahe, sie in das Album zu integrieren.

Und dieses erscheint, wie zuvor bereits die EP, auf Bar25 Music, einem Label mit einer beinahe unwirklichen Geschichte. Auch du warst Resident-DJ der legendären „Bar“ an der Spree. Wie haben diese Jahre deinen Sound geprägt und Einfluss auf dich sowie auf deinen Werdegang genommen?

Die Bar25 hat als Lebensgefühl über mehrere Jahre einen großen Einfluss auf mich gehabt. Aber auch das WMF, der CDV, das Watergate oder die Panorama Bar waren Eckpfeiler dieser Phase. Es war eine ganz besondere Zeit, mitten in den Nullerjahren. Es gab viele Freiräume, in denen man sich und seine Visionen ausleben konnte. Alles schien möglich, alle Türen waren offen. Das Bar25-Label steht immer noch für diesen Geist, auch wenn die Strukturen professioneller geworden sind. Was ich auf jeden Fall aus dieser Zeit mitgenommen habe, ist eine „Anything goes“-Mentalität. Aus Ideen und Träumen können Tatsachen werden, wenn man zunächst die Samen richtig streut und dann die Pflanzen liebevoll pflegt – dann ist alles möglich. Mein Techno-Hörspiel-Projekt „Eramina“ von 2008 ist ganz direkt inspiriert von diesem utopischen DIY-Spirit.

2017 konntest du das 18-jährige Bestehen deines Labels Sender Records feiern. Welche Pläne hast du für das neue Jahr geschmiedet? Und wieso sollte dein erstes Album eigentlich nicht auch auf dem eigenen Label erscheinen?

Mein Album auf Bar25 zu veröffentlichen, hat für mich mehr Sinn gemacht, da ich mich ganz auf die Musik konzentrieren wollte. Auf Sender wird es allerdings im laufenden Jahr eine neue „Re:Sender“ geben und die „Flashback #4“ kommt auch ganz bald. Außerdem habe ich kürzlich ein neues Projekt gestartet, es nennt sich Fish Eye Collective und lotet musikalisch das Spektrum zwischen Techno und Ambient aus. Es soll ein Kooperations-Projekt mit Musikern, Produzenten und visuellen Künstlern werden, das auch auf die Bühne gehen soll – mit Beats und interaktiven Visuals. Auch auf „Night Shots“ gibt es ein Edit von Fish Eye Collective.

Dein Album macht auf jeden Fall Lust auf warme Temperaturen und entspannte Stimmung. Wo können wir den Sound von „Night Shots“ im Sommer live erleben?

Es wird eine „Night Shots“-Tour geben, an der noch fleißig gestrickt wird. Am besten mal online auf meiner Facebook-Seite nach den aktuellen Dates schauen!

Aus dem FAZEmag 073/03.218

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