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Boris Brejcha macht Techno! Oder doch High Tech Minimal? Oh Gott, ich und Minimal, sorry, High Tech Minimal. Als ich so ca. 2011 in die Szene wieder eintauchte sollte Minimal plötzlich der Hot Shit sein. Ich war dann in Kassel in einem Club und meinte zu meiner Begleitung: „Was, wollt ihr mich verarschen? Gut, dass ich 10 Jahre pausiert habe.“ Damals war das noch weitgehend emotionsloser, überflüssiger Schwachsinn. Die hiesige Einordnung als High Tech Minimal gefällt mir persönlich bereits sehr gut. „It starts“ braucht von der Titelwahl keine große Erklärung. Der Track plockert gemächlich los bis zum Break, wo uns das Vocal mit Fläche erwartet. Das eignet sich sehr schön zum Eingrooven. Wenn ich den ersten Track „Moondancer“ höre, kommt sofort Begeisterung auf. Der hat alles, was Minimal eigentlich nicht hat: Bauchgefühl, Seele, Melodie. Also für mich ist das Techhouse bis Techno. Ein sehr schöner Startertrack. Ganze 22 Tracks erwarten uns hier, darum wohl auch der Titel 22. „Schattenmönch“ beginnt etwas zackiger. Im Laufe des Tracks wird es dann ein wenig verträumter. „White Rainbow“ macht nicht minder besser weiter. Ein sehr schöner Groove löst leicht housige Startsequenzen ab und rundet dies mit einer schönen Melodie ab. „Streets of Gold feat. Anne Clue“ entpuppt sich als Upbuilding-Track, wird dann etwas flächig, bleibt aber energetisch und leicht. Im Big-Break kommt dann auch Ann Clue zum Einsatz mit „Rushing into Paradise“ als Vocalpart. Auch das ist eher Techhouse als Minimal und mein Favorit nebst „Moondancer“. „Applepaw“ ist im ähnlichen Stil gehalten, hat allerdings nicht das überragende Niveau wie „Moondancer“. Bei „Mont Blanc“ trifft das allerdings wieder zu. Hier passen wieder Groove, Niveau und Melodie hervorragend verzahnt ineinander. „One Day“ hat mir leider ein wenig zuviel Plockerelemente, die ich am Minimal nicht so wirklich mag. Das ist aber reine Geschmackssache, der Track hat trotzdem seinen eigenen Charme. „Maikäfer“ zieht Dich sofort wieder mit in seinen Bann. Flächen, Groove, Melodie, hier ist wieder alles dabei. „Mr. Hendrix“ wirkt ein wenig gestresst und abgehackt. Und da ist wieder das leichte Geplocker. Eine Gitarre, von Jimmy Hendrix wohl, wird noch im Sample präsentiert und ein Vocal. „Don’t Stop“ geht in die verträumte Richtung, bleibt ruhig und beständig. „Bounce It“ geht wieder in die energetische Richtung. „Turn Over“ ist m.E. wieder ein Technotrack, der auch durchaus zu Drumcodeproduktionen der neueren Zeit gut passt. Gas, Energie und Druck mit Bauchgefühl. „Sometimes things get complicated“ ist wieder ein energiereicher Track, der mich sofort in seinen Bann zieht. „Night Owl“ geht ebenfalls in die energetische Richtung und reiht sich, verglichen mit den restlichen Produktionen, ebenfalls im überdurchschnittlichen Bereich ein. „Killing Me“ beginnt leicht zackig und zielstrebig. Die hinzukommenden Flächen beruhigen ein wenig. Der erste Break ist wieder sehr schön verträumt. Das leicht aggressive Vocal passt allerdings sehr gut ins Gesamtkonzept. „The Superblast“ geht schon eher in die Minimalrichtung, wobei im Break eine schöne Melodie hineinkommt. „Sandmann“ ist eher ein aufgewühlter Track, der in einigen Bereichen in seinen Sounds an die Andeutung eines Sandsturms erinnert. „The Sky is the Limit“ ist ein wenig verträumter als der Rest, gibt aber mindestens genauso gut Gas. „Pillenkäfer“ entlockt mir sofort nach den ersten Beats wieder die Neigung, hier volle Punktzahl so geben. Für mich ist das ein energetischer Technotrack. „The meaning of life“ schließt diese Produktion ab. Hier erwarten uns wieder Flächen und eine schön verträumte Melodie. „You will never live, if you will leak for the meaning of life.“ 10/10 – Manuel Lauro