Am 11. Mai erscheint auf Marc Romboys Label Systematic Records das vierte Album des kalifornischen DJ, Produzenten, Sänger und Songwriter Chelonis Ridgeway Jones – besser bekannt als Chelonis R. Jones. „The Prison Buffet“ folgt auf dem 2008 bereits auf Systematic erschienenen Longplayer „Chatterton“.

Mit seinen Vocals zu Royksopps „49 Percent“ oder seinen eigenen Releases auf Labels wie Get Physical sorgte er auf den Dancefloors dieser Welt bereits für Aufsehen. Seinen Durchbruch gelang ihm sicherlich 2003 mit der Single „I don’t know“. Auf dem neuen Album rücken seine Fähigkeiten als Singer-Songwriter wieder stärker in den Fokus des Geschehens.

Chelonis, deine musikalischen Einflüsse scheinen unendlich zu sein. Welche war deine größte Inspiration für das Album?

„Sunrise Avenue, The Smiths, Joy Division, Stevie Nicks, Cerrone, Popols Vuh und Billie Holida. Und Kunst. Und antike italienische Innen-Ausstattungen. Verrückt? Du hast gefragt. Wenn man genau hin hört, scheint ein gewisser Melange durch und es macht alles vollkommen Sinn… (lacht)“

Ok, das klingt in der Tat sehr breit gefächert. Kann man sich deine Arbeit im Studio genau so wirr vorstellen?

„Wirr ist relativ (lacht). Für dieses Album habe ich wieder mit dem brillanten Alex Dandi gearbeitet, mit dem ich schon einige Projekte realisiert habe und sehr gut befreundet bin. Ich bin was Kooperationen angeht sehr sehr wählerisch. Ich empfinde den Akt des Produzierens an sich nämlich als sehr intim. Bei ‚Dislocated Genius‘ z.B. habe ich alleine in einem sehr gut isolierten deutschen Kleiderschrank gesungen. Eine wahlweise volle und leere Badewanne war ebenfalls dabei. Ich habe versucht durch solch dramatischen Mittel zu einem genau so dramatischen Sound und einer besonderen Atmosphere zu gelangen. Ich mache mir keinen Kopf um Regeln oder Traditionen, dafür ist mein Geist zu durchgedreht.“

Ist eine solche Art zu Produzieren nicht gleich auch äußerst Zeitaufwendig?

„Du wirst staunen, aber dies war eine meiner schnellsten Recordings. Ich habe nur einen Abend gebraucht, um sämtliche Vocals aufzunehmen – inklusive Overdubs. Das selbe für die Lyrics. Ich würde dieses Album als modernen Elektropop bezeichnen. Die drei Vorgänger waren zu speziell. ‚Chatterton‘ war meine persönliche Antwort auf ‚Unknown Pleasures‘ von Joy Division, welches die Welt zum Glück nicht gehört hat. Und ich lebe immer noch – eben weil sie es nicht gehört hat.“

Also würdest du ohne Zweifel sagen dass dein Sound sich mit dem Verlauf der Alben verändert hat?

„Oh ja – definitiv. Ich hatte es satt übersehen zu werden. Ich wollte endlich in den Top 3 irgendeines ‚Newcomer‘ Polls landen. Du weißt schon, endlich den selben Respekt wie die kredibilsten unserer Szene… David Guetta und Co. Irgendwann Nachts wurde mir aber bewusst, dass ich gar kein Newcomer mehr bin und so schlecht in eine Schublade passe. Das fand ich so widerlich dass ich mich schnell an ein neues Album machte. Ekelhaft – ich weiß“.

Oder verrückt, wie viele dich und deinen Sound nennen. Wie würdest du ihn selbst beschreiben?

„Ehrlich? ‚Psycho Audio Couture‘ – seit meinem ersten Beat. Für ein Jahrzehnt wurde ich als verrückt betitelt. Jetzt wo aber auch Sunrise Avenue behaupten, sie würden vom Saturn kommen, möchte ich damit abschließen. Manche nennen es verrückt, ich nenne es ehrlich. Und glaub mir, davon gibt es meiner Meinung nach zu wenige in dieser Szene. Ich hoffe nur, dass ich mich an diesen Kram erinnere wenn mein benebelter Rausch sich dem Ende zuneigt.“

Ich drücke dir die Daumen. Wird es inmitten dieses Rausches noch eine Album-Tour geben?

„Ich würde mich wundern, wenn meine Fans und die ganzen Clubs mich nach all den Jahren der Abstinenz noch in Erinnerung haben. Man gerät in dieser Szene schnell in Vergessenheit. Manchmal habe ich das Gefühl nur ein antiker Circus-Act zu sein. Denn wenn ich mich umschaue, sehe ich so viele freakige Electro-Acts. 2001 gab es jedenfalls noch nicht so viele davon. Ich muss es wissen, denn ich saß mit meiner Capri Sonne hinterm Busch und hab gespickt“.

Haha, zu guter Letzt musst du noch ein paar Worte zu deinem großartigen Cover los werden.

„Das ist ganz einfach. Ich wollte ein Cover dass mit dem gesamten Electro- und Dancebusiness nichts zu tun hat. Vollkommen abgewandt. Und was passt da besser als ein A-Sexsueller Freak, der gepaart mit einem Da Vinci-Pinsel vor einem modernen Frankenstein kniet? Ich werde dafür in UK und in den USA sicher einige spannende Reaktionen ernten. Aber nach vier Jahren medialer Gehirnwäsche freue ich mich sehr drauf. Achso… ruft mich einer an sollte ich mit dem Ding doch noch für ‚Best Newcomer‘ nominiert werden?“

Interview & Text: Rafael Da Cruz

www.chelonis.com