Chris Colt

Der Österreicher Chris Colt ist das, was man im Volksmund einen „Pfundskerl“ bezeichnen würde: Produzent, DJ, Veranstalter aber auch Lyriker. Wie man als einzelne Person die ganze Bandbreite des Musikbusiness erfolgreich bestreiten kann, erzählt uns Chris Colt im ausführlichen Gespräch:

Chris, dein mittlerweile drittes Album „The Great World of Techno“ scheint ein konsequenter Schritt in deiner Diskographie zu sein: vom sehr fröhlich klingenden Debütalbum zum etwas darken Nachfolger zum jetzigen experimentierfreudigen, noch darkeren Sound. Wie ist es zu dieser Soundentwicklung gekommen?

Ich hatte einfach Lust, Techno zu produzieren und das durchgehend, durch das gesamte Album. Momentan ist Techno noch voll angesagt. Denn fast alles ist heute Techno. Was ich aber gar nicht so schlecht finde, denn Enge und starres Denken wollen wir alle nicht. Eher weite Akzeptanz und fröhliches Feiern …

Eine Albumproduktion braucht normalerweise eine Menge Zeit: von der Grundidee, in welche Richtung es gehen soll, zum eigentlichen Musikmachen und nicht zu vergessen zum Mastering und Vertrieb. Wie viel Zeit hast du dir für dein neues Album genommen und wie kann man sich einen typischen Tagesablauf beim Produzieren vorstellen? Ab welchem Punkt weißt du das ein Track fertig ist und keine weitere Bearbeitung mehr braucht?

Ich wollte ein reines Technoalbum machen. Im Großen und Ganzen habe ich es auch geschafft und auch so umgesetzt, wie ich es wollte. Härter, schneller und ja, manchmal etwas dunkler. Am liebsten arbeite ich an den Wochenenden, wenn ich nicht irgendwo spiele. Vormittags ist meine beste Zeit, kreativ zu sein. Da entstehen dann auch die meisten Ideen für einen neuen Track. Alles noch zu arrangieren und der letzte Schliff, das mache ich auch unter der Woche und abends. Immer wieder den Track ruhen lassen und am nächsten Tag oder nach längerer Zeit wieder daran zu arbeiten, das ist auch so eine Art von mir zu produzieren. Dann fallen wieder Sachen auf, die einen stören. Gedauert hat es ein Jahr, bis das Album fertig war. Ab wann man weiß, wann ein Track fertig ist? Das weiß man einfach, nur die Fragen kommen immer: ist zu viel drin, zu wenig, etc. Man kann da nur nach seinem Gefühl gehen und  die Erfahrung hilft einem dabei auch.

Gibt es ein besonderes Tool oder einen besonderen Trick, den du zur Zeit gerne beim Produzieren benutzt?

Ich produziere mit Cubase und verwende gerne Battery 4, Arturia Spark, Kontakt 5 etc. Auch den Rmx 1000 von Pioneer verwende ich in letzter Zeit vermehrt für Effekte.

Dein Output ist ja bekanntlich sehr vielseitig und vor allem sehr hoch, in sehr regelmäßigen Abständen erscheinen neue Releases. Woher kommt die Inspiration für viele neue Tracks und auf was können wir uns dieses Jahr bei dir freuen, wenn es um neue Produktionen geht? Wie schaffst du es, dich im Studio ständig neu zu erfinden?

Meine Inspiration kommt vom bei mir sein, fokussiert sein und der Freude an der Sache. Dann kommt alles andere von selbst – hofft man zumindest (lacht). Nach dem Album, das gerade veröffentlicht wurde, wird dieses Jahr noch eine EP von mir erscheinen, mit drei bis vier TechHouse-Tracks. Ich arbeite aber auch noch an einem anderen Projekt. Mehr dazu aber erst, wenn das Ganze spruchreif ist.

Auch als DJ bist du ja sehr umtriebig, vor allem mit deiner Beat2Beat-Reihe, mit der du sehr erfolgreich bist. Auf welche illustren Highlights freust du dich in diesem Jahr?

Ja, wir wachsen zusammen, mein Partner Dominik Berndt und ich. Unsere gemeinsame Veranstaltungsreihe Beat2Beat entwickelt sich. Das nächste Highlight steht uns in meiner Heimatstadt Linz bevor, im Club Spielplatz. Das wird etwas Besonderes, wir starten dort unser erstes Event mit einem Riesenaufgebot an heimischen DJs.

Beschreib uns bitte die elektronische Musikszene in Österreich.

Über die Szene in Österreich etwas zu sagen, das ist schwierig, wenn man involviert ist. Nur eins: Es erfreut mich absolut, dass es die tanzwütige Meute noch gibt, die ihre Augen schließen und abtauchen, wenn die Musik den Takt vorgibt. Der Raver, der voll abgeht oder die Schreie der Leute nach dem Break, wenn der Beat voll einsetzt. Da hebt es einen weg als DJ, da bekommst du die volle Ladung Energie vom Publikum. Da kommt dann der Gedanke, das ist das, für was der ganze Aufwand gemacht wird. Einfach herrlich, das ist es wert.

Im Februar ist ein ganz besonderes Projekt von dir veröffentlicht worden: Die Rede ist von deinem Gedichtband „Gedichte, Wahrheiten und Geschriebenes“, der auf Amazon erhältlich ist. Wie spannst du den Bogen von elektronischer Musik zur Lyrik? Beeinflussen sich diese Bereiche gegenseitig? Seit wann bist du als Autor aktiv und was erwartet den Leser bei deinem Gedichtband?

Das ist sehr tief in mir drin, was ich damit ausleben kann. Ich schreibe schon seit geraumer Zeit, doch jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um es zu veröffentlichen. In diesem Gedichtband geht es um spirituelle Dinge, aber auch um Politik und Alltagsthemen. Da in meiner Sparte Techno die Texte etwas kürzer angelegt sind (lacht), bin ich ja auch froh, so ein Ventil zu haben, um diesen Drang in mir zu schreiben auch ausleben zu können. Und wer weiß, vielleicht verbindet sich das ja, Text und Musik. Wer weiß das schon.

Wo siehst du dich in zehn Jahren? Als Lyriker oder als Musiker?

Ganz klar beides. Beides ist mir wichtig, beides bereitet mir Freude. Aus beiden schöpfe ich Kraft. Und die Sparten Musik und Dichtkunst sind ja zum Glück Sachen, die man lange machen kann. Es sieht so aus, als dass mir nicht langweilig wird. Es gibt genug zu tun.

Am 10.03.2017 erschien das dritte Album von Chris Colt: „The Great World of Techno“. Hier findet ihr es bei Beatport:
www.beatport.com/release/the-great-world-of-techno/1957073
www.chris-colt.at

Das könnte dir auch gefallen:
Chris Colt – Kreative Freiheit