leadthefield24
Hallo im März!
Auch wenn Beatport in Zeiten von iTunes, Spotify etc. in Bezug auf Musikverkäufe für viele nicht immer eine prioritäre Messlatte zu sein scheint, gab es letzten Monat dennoch ein besonderes Ereignis, das in dieser Form schon sehr lange nicht eingetreten ist. Wer die Plattform regelmäßig beobachtet und dort stöbert, dem wird sicherlich aufgefallen sein, dass ein reines Trance-Release tatsächlich für einige Tage Nummer eins der Beatport-Overall-Verkaufscharts gewesen ist. Eine Nummer eins in den genrespezifischen Trance-Charts ist für viele Produzenten ein starkes Ding. Mit einer beliebigen Platzierung in die Top 100 der Overall-Charts zu kommen und sich gegen Produktionen allgemein beliebter Genres wie Techno, Tech-House und Future House sowie Labels mit hohen Downloadzahlen wie Spinnin‘, Defected oder Drumcode durchzusetzen, ist eine stolze Leistung. Eine Erstplatzierung hätte selbst ich in diesem Zusammenhang und als großer Fan des Genres für unwahrscheinlich gehalten. Mitverantwortlich für diesen Erfolg ist das kanadische Imprint Monstercat, das ähnlich wie Ultra Music als Massenoutput querbeet verschiedene Styles veröffentlicht, die auf ihre jeweils individuelle Weise erfolgreich sein könnten. Das ist gegenüber einem typischen Trance-Label aus dem Indie-Bereich ein Bonus, aber kein Garant. Wenn ein Release nicht genug Anklang und Anspruch findet, wird es in der Masse untergehen. Im Klartext bekommt es im schlimmsten Fall niemand mit bis auf die wenigen, die sich explizit dafür interessieren oder das Label intensiv verfolgen. Für den Produzenten ist es allerdings in Sachen Verkaufserlös und potenzieller Profilsteigerung – z. B. für eine größere Booking-Nachfrage bei Clubs und Festivals – nur wenig relevant. So viel als Exkurs.

„Saving Light“ heißt die Erfolgssingle, von der wir sprechen und die in Kollaboration von keinem Geringeren als Gareth Emery mit Ian Standerwick entstanden ist. Die beiden Briten haben eine tolle Ballade aus dem Hut gezaubert und für die gefühlvollen Vocals Haliene engagiert, die schon mit Seven Lions oder Breathe Carolina zusammengearbeitet hat. Besonders ist auch, dass die Single einerseits als eigenständiges Release nicht mehr zu Gareth Emerys tollem Album „100 Reasons To Live“ vom letzten Jahr gehört und andererseits unabhängig von Standerwicks Beteiligung, der normalerweise schnelleren Uplifting Trance produziert, vom Stil wie Gareth Emerys typischer Progressive Sound klingt.

Zeitgleich ist auch ein cooler Remix von ihm auf Ferry Corstens Flashover Recordings erschienen, als Teil eines neuen Remix-Packages zu Corstens Single „Live Forever“ mit Aruna von 2012. Der zweite Ableger kommt von dem genialen Elias Barouche alias Solid Stone aus dem kanadischen Montreal, der letztes Jahr bereits auf Markus Schulz‘ Label Coldharbour Recordings sein Album „Introspection“ veröffentlicht hat und für eine sehr deepe Progressive-Variante des Trance steht. Solid Stone ist immer für einen groovigen Remix im Bereich von 122 bis 126 bpm zu haben, der im Kontrast zu allen anderen Versionen steht und eher in Richtung Techno und coolen House geht, aber dennoch ins Konzept passt. So wie auch aktuell auf Solis‘ – von Solis & Sean Truby – Infrasonic Recordings und der Trio-Kollab von Andy Tau, Sean Matthews und Max Millian mit dem Titel „Shadow & Light“ oder Paul Thomas‘ „La Bombo“ auf Ultraviolet.

Ein ähnlicher Vertreter dieser Art ist der Brite Max Graham. Mitte 2015 hat er sein aktuelles Label Cycles gegründet, das nach der gleichnamigen Compilation-Reihe benannt ist, die einmal im Jahr erscheint. Vor Kurzem kam die bereits achte Ausgabe des Mix-Werks, die letzte Veröffentlichung auf dem Label lag bis dahin stolze neun Monate zurück. Für „Generation“ hat er sich mit dem Holländer Steven Baan alias Estiva im Studio zusammengeschlossen, woraus mit einem Breakbeat- und einem Club-Mix gleich zwei äußerst rockige Versionen entstanden sind, die die Leerlaufzeit verzeihen.
Auch Above & Beyond sind gerade mit ihrer 13. Anjunabeats-Compilation am Start, zu der es separat – wie üblich – einen kleinen Sampler in – wie meist – zwei Teilen gibt, der die wichtigsten Tracks der Mix-CD hervorhebt. Im ersten Teil finden sich unter anderem zwei neue Remixe: Einerseits von Gabriel & Dresden zu der Single „No One On Earth“ aus dem Jahr 2004, andererseits eine Deep-House-Interpretation der Italiener Thomas Schwartz & Fausto Fanizza von „Save Me“ aus dem letzten Album „We Are All We Need“ von 2015 – beide jeweils mit den Vocals von Zoë Johnston. Unabhängig davon darf man sich auch auf jeden Fall über ihre neue Clubproduktion „Balearic Balls“ freuen.

Die Kollaboration von Andrew Bayer und iLan Bluestone, die für mich solo sowieso zu den Vorzeigeproduzenten von Anjunabeats zählen, kann man mit „Destiny“ völlig treffend betiteln. Traumhaftes Ergebnis einer Zusammenarbeit mit einem langen Intro-Mix neben dem Original-Mix, das einen Platz in der Riege der schönsten Progressive-Nummern des bisherigen Jahres findet.
Last, but not least erinnert mich „Cloudsurfing“ von Mike Saint-Jules auf Langes Create Music schon sehr stark an das prägnante Titelthema von Hans Zimmer aus dem Film Interstellar, für das er ohnehin vor zwei Jahren ein inoffizielles, aber sehr starkes Bootleg produziert hat, das auf seiner SoundCloud-Seite als Free Download verfügbar ist. Das Release ist trotz seiner kreativen Anspielungen aber auch sehr geil!

Viel Spaß auch wie immer mit meinen Mixen auf SoundCloud und bis nächsten Monat!
Euer Damian