Bild von Harry Getty

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Goa ist zuallererst der kleinste indische Bundesstaat an der Westküste Indiens und eine ehemals portugiesische Kolonie. Goa ist aber auch als Musikrichtung bekannt, der heutzutage oftmals von dem Begriff Psytrance oder Psychedelic Trance verdrängt wurde, aber letztendlich dasselbe meint. Goa ist ein Subgenre von Trance, hat sich aber dem Weg in den kommerziellen Overground verweigert und führt deshalb ein kleines aber feines Nischendasein inmitten der elektronischen Musik.

Der Name stammt von Open-Air-Partys in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren in Indien. Nicht nur Sven Väth war von der Energie dieser Musik schwer beeindruckt – sein Album „The Harlequin – The Robot & The Ballet-Dancer“ zeugt von dieser Periode. Goa wird immer mit der Droge LSD in Verbindung gebracht, was unter anderem mit den knallig bunten Visuals zu erklären ist. Von der musikalischen Gesamtkomposition her, sind Didgeridoo-Sounds, Stakkato-Drumrolls und hypnotische Melodien aus keinem Goa-Track wegzudenken. Das Grundgerüst setzt sich aus Four-To-The-Floor-Beats zwischen 130 und 160 bpm, TB-303-Acidrolls und Schamanen-ähnlichen Vocals zusammen. Indische Sound-Fragmente sind ebenfalls oft zu hören.

Populäre Interpreten wie Raja Ram und Dominic Sangeet bedienten sich neben dem Techno-Instrumentarium auch bei Blas- und Streichinstrumenten, oder sie arbeiten mit genrefremden Musikern zusammen, was mitunter zu Ausflügen in Ambient- und Trip-Hop-Welten führte.

Goa hat – im Gegensatz zu Techno – keine wirklichen Superstars hervorgebracht und auch keine Evergreens. Dennoch zählen einige Veröffentlichungen auf Dragonfly, Spiritzone, XL Recordings, Blueroom Released, Transient oder Flying Rhino zu absoluten Klassikern der elektronischen Musik und Acts wie Infected Mushroom, Astrix, Astral Projection oder Juno Reactor sind auch heute noch aktiv.

Goa-Liebhaber gibt es vor allem in Israel, aber auch in den Niederlanden, UK, Skandinavien, der Schweiz und Südamerika gibt es eine aktive Goa-Szene. Goa- oder Psy-Trance-Fans haben keine Berührungsängste in Bezug auf kommerzielle Festivals oder andere Genres, auch wenn die Szene weitestgehend undergroundig auftritt. Im Gegensatz hierzu ist die aus der Goa-Musik entstandene Freetekno-Bewegung strikt gegen Kommerzialisierung und agiert vorwiegend im Geheimen.

Goa-Partys erstrecken sich häufig über mehrere Tage. Kaum zu glauben, aber ein Kreativzentrum der europäischen Goa-Club-Szene befand sich Mitte der 1990er Jahre im Sauerland. In der Arnsberger Diskothek „Cult“ und in der „Grube“ in Winterberg fanden exzessive Goa-Events statt. Zur Hochzeit des Genres zogen die größten Veranstaltungen dieser Art in Nord- und Ostdeutschland bis zu 35.000 Gäste an. Viele dieser Festivals finden nicht mehr statt. Immer noch sehr populär ist das Waldfrieden Wonderland Festival, über das wir hier berichteten.

International relevante Events sind das Boom Festival in Portugal oder das Summer Never Ends Festival in den Schweizer Alpen. Im Butan Club in Wuppertal finden regelmäßig Goa-Partys wie den aktuellen Stars der Szene wie Neelix statt.

Keine Goa-Party ohne Drogen. Das klingt nach Klischee, ist aber so. Da Goa-Partys unter anderem von trance- und meditationsähnlichen Zuständen der Tänzer und psychedelischen Sinneseindrücken durch Musik und Kunstinstallationen geprägt sind, nehmen halluzinogene Drogen ihren Platz ein. Überwiegend Cannabis und halluzinogene Drogen wie LSD und halluzinogene Pilze, die die Wirkstoffe Psilocin oder Psilocybin enthalten, aber auch Drogen wie Ecstasy, Amphetamine, Kokain oder Ketamin werden hier konsumiert.

Wer sich ein Bild von der aktuellen Szene machen möchte, kann am 14. November nach Zürich reisen. Hier findet im X-tra die zehnte Ausgabe des Psychedelic Carnival statt.

 

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