denon dj sc5000

Denn bevor die japanische Traditionsmarke zu Akai, Alesis und Numark unter das Dach von inMusic gewandert ist, war durchaus zu befürchten, dass es gar nicht mehr weitergeht. Diese Gefahr scheint erst einmal gebannt. Einiges spricht sogar dafür, dass es dank der Prime-Flotte steil bergauf geht.

An der Produktqualität hat es, ähnlich wie bei Vestax, ohnehin nie gehapert. Wie die HiFi-Mutter war auch Denon DJ war immer Premium definiert, schaffte es aber dennoch nie, aus dem übermächtigen Schatten von Pioneer DJ heraustreten. Zumindest in Europa gelang es den Japanern über die ganzen Jahre weder, namhafte DJ-Endorser auf ihre Seite zu ziehen noch sich in bekannten Clubs exklusiv einzunisten. So splitteten sich die Käufer hauptsächlich in zwei Gruppen: Zum einen gesetzte Mobile DJs mit hohem Anspruch an die Gerätequalität, aber ohne musikalische Spezialisierung. Und zum anderen technische Überzeugungstäter wie den Breakcoristen Venatian Sares, der auf Live-Gigs immer wieder radikal unter Beweis stellt, zu welchen Höchstleistungen die Denon-Player fähig sind.

Mit der neuen Prime-Serie scheint sich das Blatt nun erstmals wirklich zu wenden. Superstars wie Laidback Luke, Paul Oakenfold oder jüngst Tiësto sind auf Denon DJ umgeschwenkt. Und ist ein solcher Endorser-Kern erst einmal geformt, könnte er sich wie ein Schnellball ganz schnell zur riesigen Kugel aufrollen. Warum die neuen Denon-DJ-Tools von manchem sogar schon als Game-Changer gewertet werden, stellen wird anhand des SC5000 Media Players und X1800 Vierkanalmixers heraus.

SC5000 DJ Media Player
Auf den ersten Blick ist der SC5000 ein DJ-Mediaplayer, wie man Ihn von Denon DJ gewohnt ist: modern im Design, makellos verarbeitet und unmissverständlich im Layout. Da kein CD/DVD-Laufwerk vorhanden ist, bleibt die mit einem Vierfußsockel hochgebockte Bedienoberfläche eine angenehm flache Platte. Drei Besonderheiten fallen sofort ins Auge: das große, angewinkelte 7-Zoll HD-Display, das fette 8-Zoll Aluminium-Jogwheel sowie die unten angesetzte Bank mit acht Trigger-Pads.

Doch zäumen wir das Pferd zunächst von hinten auf. Ein Blick auf das Hinterteil sorgt ein weiteres Mal für Erstaunen. Hier sind statt einem gleich zwei Cinch-Out-Pärchen vorhanden. Tatsächlich verbergen sich im SC5000 zwei 24-bit/96kHz Soundkarten, sodass zwei Tracks parallel, aber unabhängig voneinander abgespielt und bearbeitet werden können. Denon DJ spricht hier von Layern – entsprechend sind auch die Cinch-Ausgänge mit Layer 1 und 2 benannt. Die Dual-Track-Option ist gewissermaßen die Weiterentwicklung des Alpha-Track-Prinzips, das Denon DJ bereits vor mehr als zehn Jahren mit den CD-Units DN-D9000 und DN-S5000 einführte. Alternativ zu den Cinch-Ausgängen können die Layer-Tracks auch über zwei Digital-Outs abgeführt werden.

Weiterhin auf der Player-Rückseite vorhanden sind zwei USB-A-Ports für den Anschluss von Speichermedien sowie eine USB-B-Buchse für die Verknüpfung mit einem Computersystem. Über einen Netzwerkanschluss lassen sich schließlich noch bis zu vier Player verkoppeln, synchronisieren und Tracks über Kreuz abrufen – aber das zählt 2017 ja schon fast zum Standard. Ein dritter USB- Anschluss für den flinken Stick-Einsatz wurde nicht etwa abbruchanfällig auf der Oberseite, sondern gut geschützt frontal im Fußsockel untergebracht. Gleich daneben sitzt ergänzend ein SD-Card-Slot, um auch auf diesem Wege – ganz nach Pioneer CDJ-Manier – individuelle Player- und Track-Voreinstellungen einlesen zu können. Very nice: der Sockelbereich ist beleuchtet, so dass man seinen USB- Stick oder die SD-Card nicht blind einführen muss.

Nun aber zu den Besonderheiten bei der Bedienung. Diese stellen in großen Teilen Weltneuheiten dar. So ist Denon der erste Hersteller, der auf einem Media-Player Performance-Pads unterbringt. Den acht RGB-beleuchteten Kissen sind schmale Funktionsbuttons zugordnet, um Hotcues, Loops sowie Slices einzurichten und Rolls auszulösen – ganz so, wie man es von DJ-Controller kennt. Die Punkte und Schleifen lassen sich nicht nur im laufenden Spielbetrieb anlegen und verändern, sie werden auch mit auf den Stick geschrieben. Also bitte den Daten- träger nicht einfach so abziehen, sondern o ziell auswer- fen – erst dann werden die Informationen gespeichert.

Eng mit dem Performace-Pad-Spaß verbunden ist ein weiteres Novum. Denn um die Tracks zu analysieren
und zu rastern, müssen sie nicht länger ein externes Computersystem mit der Management-Software Engine passieren. Diese bringt der Player intern mit, weshalb frisch heruntergeladene Titel sofort und ohne Einschränkungen eingesetzt werden können. Positiv hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang, dass der SC5000 auch unkomprimierte FLAC-, WAV- und ALAC-Formate verputzt. Dass eine Hardware-interne Titelanalyse absehbar möglich sein würde, war zwar zu erwarten. Dass ausgerechnet Denon vorprescht, eher nicht. Obwohl: Was die verbauten Prozessoren betrifft, lag der Hersteller schon immer vorn. So rudert im SC5000 dann auch ein Multicore-Prozessor, um die enorme Rechenleistung zu stemmen.

Diese wird beispielsweise auch für das hervorragende 7-Zoll-Display benötigt. Denon DJ ist es gelungen, einen Touchscreen zu implementieren, mit dem sich völlig intuitiv arbeiten lässt. Der Bildschirm lässt sich durch Anschubsen scrollen, die Tracks können durch einen einfachen Rechts-Slide in den Player geladen oder Links-Kick in die Playlist geschoben werden. Ebenso lassen sich die Wellenform durch die gewohnte Daumen/Zeigefinger-Geste zoomen, ja sogar eine ordentliche Tastatur wird bei der Tracksuche eingeblendet – alles wie beim Smartphone. Da gibt es auch kein Zittern oder Haken, die Vorgänge laufen absolut flüssig in hoch- aufgelöster Darstellung. Alternativ zur Touch-Bedienung können die Funktionen auch über den Push-Encoder rechts des Displays ausgeführt werden. Die meisten Anwender werden erfahrungsgemäß mit einer persönlichen Mischung aus Touchscreen- und Encoder-Einsatz zu Werke gehen.

Wesentliches Element zur Tracksteuerung bleibt natürlich das Jogwheel. Auch hier war Denon DJ in der Vergangenheit immer bestens aufgestellt, unter anderem mit den ersten, aktiv angetriebenen Scheiben. Damit kann der SC5000 zwar nicht dienen (wo sollte man die notwendige Mechanik auch unterbringen), dafür erfüllt der Player einen anderen, lang gehegten DJ-Traum: die Darstellung von Artworks im Zentrum des Jogwheel. Damit kehrt die seit den Vinyl-Tagen vermisste, visuelle Hilfestellung bei der Songwahl in die Kanzel zurück. Natürlich vorausgesetzt, die virtuellen Bilder sind Teil des Trackdatensatzes. Dass sich das gut gewichtete, hochaufragende Aluminium-Jogwheel erstklassig führen lässt, ist bei Denon-Playern eine Selbstverständlichkeit.

So legen schicken die fast schon abgehängt geglaubten Japaner mit dem SC5000 einen durchweg überzeugenden Media-Player ins Rennen, der vor Innovationen nur so strotzt. Daran wird sich gesamte Konkurrenz messen lassen müssen. Diese werden mit den nächsten Gerätege- nerationen sicher nachziehen und vielleicht sogar wieder vorauseilen – bis dahin aber hat Denon DJ in einigen Details die Nase vorn.

denon dj x1800

X1800 Vierkanalmixer
Natürlich lassen sich die SC-Player mit jedem handelsüblichen DJ-Mixer verkoppeln. Wer allerdings die kreativen Möglichkeiten voll ausschöpfen möchte, sollte den neuen Denon-Vierkanalmixer mit einbeziehen. Das metallgefasste Digital-Tool bildet die Kommandozentrale im Prime-Setup und ist in punkto Stabilität und Verarbeitungsqualität ebenfalls über jeden Zweifel erhaben. Dazu zählen beispielsweise der hauseigene, sowohl im Blendverhalten als auch im Widerstand einstellbare FlexFader Crossfader, das glasklare OLED-Display oder auch die duale 24-bit/96 kHz-Soundkarte, um bei Bedarf zwei Laptop-Systeme betreiben zu können. Dvs-ready für Serato DJ ist das schmucke Tool obendrein.

Richtig cool wird die Sache jedoch, wenn man den Mixer im Digital-Verbund mit SC5000-Zuspielern nutzt. Vier Digitaleingänge stellt der X1800 bereit: Pro Player und die jeweiligen zwei Layer einen. Das interne Denon Engine Connect-Protokoll sorgt nun dafür, dass die Tempo- und Beatgrid-Informationen der gespielten Tracks getauscht werden und so taktgenaue E ekte abgefeuert werden können. Über einen gesonderten MIDI-Ausgang lassen sich die Tempo-Informationen sogar an externe Instrumente wie Drumboxen oder Effektgeräte weiterleiten. Intern bringt der X1800 a bereits ein dickes Arsenal an 12 studiotauglichen E ekten mit, die sich über einen Touchstrip im Rhythmusverhalten verändern lassen. Für jeden Kanal gesondert eingerichtet wurden zudem die regelbaren Sweep-Effekte Dub, Echo, Distortion, Noise und Reverb sowie eine kombinierte LP/HP-Effekteinheit.

Die Kosten sowohl für den X1800 Prime Digitalmixer als auch den SC5000 Prime Media-Player liegen bei 2.141 EUR UVP (ca. 1800 EUR Straße).

Aus dem FAZEmag 066/08.2017
www.denondj.com

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