Moin Blue Frog5

Rückblick: Am 26. April 1977 eröffnet der bis dato völlig unbekannte New Yorker Steve Rubell eine Discothek. So weit nichts Spektakuläres. Dass Rubell mit seinem durchgeknallten Licht-, Sound- und Showkonzept jedoch die Clubwelt völlig auf den Kopf stellt – damit hätte er wohl selbst nicht gerechnet. Wilde Partys, ausufernde Drogenexzesse, hemmungslose Orgien mitten auf der Tanzfläche, Fummeln und Grabschen ausdrücklich erwünscht – spätestens jetzt müsste klar sein: Die Rede ist vom legendären Studio 54. Stars wie John Travolta, Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone feiern hier zum Discosound der 70er – bis der Laden durch die Steuerbehörde keine drei Jahre später geschlossen wird. Nach frühzeitiger Haftentlassung gibt es zwar 1981 ein Re-Opening, aber die Legende besagt: Die Partys kamen nicht annähernd an die früheren heran. 1986 dann: das endgültige Aus.

Noch nie dagewesene Partykonzepte in die Clubszene exportieren: Auf diesen Studio-54-Zug springen weltweite Event-Veranstalter auf. Sie nutzen die Gunst der Stunde, eröffnen Discotempel und feiern riesige Erfolge. Ab Ende der 1980er bis zu den Anfängen der Nullerjahre erlebt die Clubkultur ihren Höhepunkt. In Deutschland prägen Namen wie das Omen, Dorian Gray, Stammheim, Tribehouse, Tresor, Poison, Warehouse und Ultraschall die Szene. Seit dem neuen Millennium haben es Clubbetreiber allerdings schwer(er). Die Masse an Partylocations ist so enorm – ja, fast unüberschaubar – und als dann auch noch die große Welle der riesigen Festivals über unser Land rollt, müssen immer mehr Clubs ihr Ende verkünden.

Wer heute erfolgreich auf dem hart umkämpften Markt erfolgreich sein will, braucht in der Tat ein ausgefeiltes Konzept, eine möglichst abgefahrene Location und große Namen im Line-up. Das Potential zu einer künftigen Legende hat zweifelsfrei der Moin Club in Hamburg. Am 9. und 10. Februar 2018 feierte man im Herzen von St. Pauli mit Matthias Tanzmann und Franky Rizardo das große Opening – und auch die künftigen Veranstaltungen lassen hoffen, dass vor kurzem ein Stern am Clubfirmament geboren wurde, der Woche für Woche ein bisschen stärker leuchtet. Wir wollten mehr über den Moin Club wissen und haben die zwei Drahtzieher und Gründer – Tom Steinert und Florian Jürgs – um ein paar Antworten gebeten.

Tom Steinert und Florian Jürgs – zwei Namen, ein Club. Gebt den FAZEmag-Lesern doch mal einen kleinen Steckbrief von euch und erzählt, wer welchen Part von euch im Moin übernimmt, wie Ihr euch kennengelernt habt und wie es zur Gründung des Clubs kam.

Florian: Moin. Also, im Ganzen sind wir ja vier Jungs, die den Club betreiben. Holger und Stephan, das sind die anderen beiden. Wie kennen uns schon sehr lange, teilweise schon aus der Schulzeit. Und uns verbindet alle eine gemeinsame Club-, Event- und Gastronomievergangenheit, die schon in den späten Neunzigerjahren began. Trotz der unterschiedlichen Werdegänge bis dato haben wir uns eine starke Leidenschaft für (elektronische) Musik und das Clublife im algemeinen erhalten. Wir ergänzen uns in unseren Kernkompetenzen perfekt. Mein Part im Team ist der des Creative Directors, also Design und Architektur, aber auch Kommunikation. Und Tom ist für das musikalische Profil des Clubs inkl. Bookings verantwortlich. Im Zuge eines anderen Projektes sind wir dann im Sommer 2017 auf diese Location

gestoßen und waren uns sofort einig: Das müssen wir machen!

Der Moin Club steht künftig für … Ja, wofür eigentlich? Was erwartet die Besucher?

Tom: Der Moin Club steht zunächst einmal für ein klares und stringentes Musikkonzept. Das Design- und Architektur-Konzept basiert auf einer Harmonie von Kontrasten und ausgesprochen hochwertigen Materialien in allen Bereichen des Clubs. Das Lichtkonzept ist für Hamburg einzigartig, wie auch unser Soundsystem von CODA Audio. Unser Techniker hat uns dieses System empfohlen. Die Entscheidung ist uns damals nicht leicht gefallen, aber wir sind mit dem Endergebnis wirklich sehr zufrieden!

Eigentlich eine total abstruse und rhetorische Frage, aber egal: Auf den Namen Moin Club kamt Ihr, weil man in Hamburg zu jeder Tages- und Nachtzeit „Moin” sagt?

Florian: Die Idee dazu kam ganz spontan und blieb über den gesamten Namensfindungsprozess mit vielen Vorschlägen irgendwie immer am präsentesten. Moin passt natürlich zu Hamburg und polarisiert sicher deshalb auch da draußen. Moin ist als Name für einen Club dann doch eher ungewöhnlich, und bleibt somit stärker im Gedächtnis.

Hamburg, deine Clubszene… Im Tunnel läuft Trance, im Prinzenclub House und Electro, und im Waagenbau tanzt man zu Techno, D´n´B und Reggae. Wie unterscheidet sich der Moin Club konzeptionell zu anderen Partylocations in der Hansestadt?

Tom: Unsere musikalische Ausrichtung war einer der Gründe, warum wir uns am Ende dazu entschlossen haben, einen eigenen Club zu gründen. Wie Florian bereits erwähnte, verbindet uns alle eine starke Leidenschaft zur elektronischen Musik. Uns hat die Vielfalt gefehlt und genau da wollen wir angreifen. Wir sehen uns nicht als Konkurenz zu den bestehenden Clubs, sondern eher als Ergänzung. Sicherlich wird es stilistisch Überschneidungen geben, aber das werden sicherlich Ausnahmen bleiben.

Beschreibt doch bitte mal die Location, in der Ihr den Moin-Club untergebracht habt.

Tom: Die Location verbirgt sich in und hinter einem klassischen Hamburger Altbau und ist erst auf dem zweiten Blick zu erkennen. Aufgrund der Architektur konnten wir zwei Themen miteinender verbinden: Der Club hat einen industriellen Look und verfügt über eine Deckenhöhe von 6,50 Metern. Im hinteren Bereich haben wir eine unserer drei Bars untergebracht, die wir auch getrennt vom Club betreiben können.

Habt Ihr schon eine Art Wochenprogramm? Also, freitags läuft dies, samstags das, sonntags ist Ruhetag…?

Tom: Wir werden uns vorerst nur auf den Freitag und Samstag konzentrieren. Das Programm wird strikt elektronisch sein. Ein dritter Öffnungstag ist bereits angedacht, aber noch nicht definiert. Es könnte ein Sonntag, aber auch ein Tag unter der Woche werden. Mit der Entscheidung wollen wir uns noch ein bisschen Zeit lassen.

Könnt Ihr schon etwas zu bevorstehenden Events sagen, was Namen im Line-up angeht?

Tom: An den letzten beiden Wochenenden hatten wir bereits Matthias Tanzmann, Franky Rizardo und Nick Curly zu Gast. Die Jungs hatten bei uns reichlich Spaß und haben sich sehr wohl gefühlt. Nick Curly hat sich am Tag danach via Instagram für den Hangover bedankt. Wir freuen uns bereits auf Superlounge, Mark Fanciulli, Florian Kruse, Iris Menza, Sandeep, Tube & Berger, Shawnecy, Ninetoes und Eelke Kleijn.

Ganz spontan und frei von der Leber weg:

Den letzten Hamburger in Hamburg hab ich gegessen …

Tom: …bei DULF’s Burger

Auf der Reeperbahn, nachts um halb eins, war ich …

Florian: …bin ich jedes Wochenende! (lacht)

Wenn ich an meinen ersten Clubbesuch zurückdenke …

Tom: Das war Anfang der 90er das Opera House im Grünspan. Was für eine Zeit!

Hamburg – das ist für mich Hafencity, der Michel, die Elphi und …

Florian: Die Vielfältigkeit feiern!

Die Hamburger Techno- und Clubszene …

Tom: …ist eine Bewegung! Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es in Hamburg jemals so viele Veranstaltungen, Open Airs und Partys gegeben hat!

In zwei Jahren wird der Moin Club …

Florian: …hoffentlich ein fester Bestandteil im Hamburger Nachtleben sein!

www.facebook.com/moininhamburg

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