Diarmaid O Meara
Immer öfter wurde der Name des Iren Diarmaid O Meara in den vergangenen Wochen und Monaten mit dem Techno-Genre in Verbindung gebracht. Dazu geführt haben seine nicht selten auf drei Decks dargebotenen Vinyl-Sets, zahlreiche Produktionen und Remixe auf Nachtstrom Schallplatten, Naked Lunch, Teja und Electronic Earthquake sowie sein von Kritikern hochgejubeltes Debütalbum „Structured Noise“ 2009. Nun folgt mit „In Your Head“ das Follow-up – und schon jetzt verheißen die ersten Stimmen erneut nur Positives. Veröffentlicht wird das Werk auf seinem eigenen Label Gobsmacked Records.

Das Jahr 2016 verläuft für O’Meara bis dato in Form einer maximalen Ereignisdichte. Erst die Arbeit an seinem Album, anschließend die Renovierung seiner Wohnung inklusive Neuaufbau des Studios sowie das Abhandeln eines äußerst gut gefüllten Tour-Kalenders nach sechsmonatiger Pause. „Das Jahr ist schon jetzt definitiv das verrückteste, an das ich mich erinnern kann. Ich bin froh, dass das Album nun endlich im Kasten ist, und ich freue mich sehr über das Ergebnis. Wenn ich an meine Debüt-LP denke, wurden damals sämtliche musikalischen Aspirationen, die ich an mich selbst hatte, erfüllt. Direkt im Anschluss bin ich nach Berlin gezogen. Ein Mekka für sämtliche Techno-Fans sowie Künstler und eine unendliche Quelle der Inspiration, wo man jedoch nur schwer Halt oder eine Pause findet. Es war extrem kompliziert, einen Studioraum zu finden, sodass ich fast zwei Jahre nicht aktiv im Studio saß. Somit könnte man das neue Album als eine Art Kulmination jeglicher Erfahrungen, Momente und Inspirationen, die ich in dieser Stadt seit meiner Ankunft erlebt habe, ansehen.“

Musikalisch stuft er „In Your Head“ als wesentlich erwachsener ein. Er findet sich im neuen Langspieler mehr denn je wieder. Vom Produzieren bis hin zum Mastering und der Veröffentlichung, bis auf einige wenige Ausnahmen beim Sampling, entstand das Werk in kompletter Eigenregie. „Das Projekt hat vor über drei Jahren begonnen und ich habe eine Menge investiert. Es ist in meinen Augen energetisch, modern und sehr hypnotisch.“ Seinen Workflow im Studio optimiert der Ire stetig, genauso wie sein Setup. „Meine Basis ist immer Ableton Live. Aktuell nutze ich sehr oft Push2, den MOOG Mother 32 und den Access Virus. Gekoppelt mit dem eigentlichen Album besteht das Paket aus einem USB-Stick inklusive zahlreichem Bonusmaterial wie Visuals von MKW aus Dublin, Bonus-Tracks, Stems und vielem mehr. „Ich habe mir überlegt, auf welche Art man dieses Album am besten konsumieren sollte. Aus diesem Grund habe ich einiges hinzugefügt. Es gibt HQ-Visuals, die man für Partys verwenden kann, sowie genug Musik, um einen zweistündigen Mix hinzubekommen.“ Die Tatsache, dass das Album bereits Wochen vor Veröffentlichung auf illegalen Download-Portalen angeboten wurde, trägt er mit Fassung. Für ihn hat das Format Album nach wie vor einen extrem hohen Stellenwert. Genau aus diesem Grund bietet er seinen Hörern weit mehr als ein paar Tracks. „Alle, die das Album von diesen Portalen bezogen haben, hören die Musik in Low-quality. Auf dem Stick gibt es 4 GB hochauflösendes Material – sowie soundtechnisch als auch visuell.“ Letzteres ganz speziell in Form des Videos zum Titel-Track „In Your Head“, bei dem sein Landsmann Dave Minogue Regie geführt hat. Zu sehen ist ein kleiner Junge, bewaffnet mit einer Handfeuerwaffe, auf der Suche nach Süßem. Harte Szenen dieser Tage. „Die Jugend im 21. Jahrhundert gilt sowieso als antisozial, das Video ist eine Art überspitzte Veranschaulichung dessen. Was würde ein Kind tun, wenn es radikal anarchisch wäre? Korrekt, es würde Süßigkeiten stehlen und eine Party schmeißen. Bei Pop-Musik wäre das Thema verniedlicht und sexuell angehaucht gewesen. Aber hier geht es um Techno. Es ist dreckig, dunkel und macht Spaß. Jede Form von Kunst, die in einen Kontext mit realen Ereignissen gesetzt wird, ist gefährlich. Hier geht es um Fantasien und Eskapismus. Dieses Kind verkörpert einen modernen Robin Hood, der die Wünsche der Jugend versteht. Eine Jugend, die Partys will und Dinge, die sie sich nicht leisten kann.“

Gobsmacked existiert als Event bereits seit 2006, als Label seit 2008. Dabei bewegt es sich konstant vorwärts – als Plattform für neue, aufstrebende Künstler sowie für etablierte Akteure. Und genau diese Philosophie möchte O’Meara auch weiterhin verfolgen. „In den nächsten Wochen stehen Gigs in Berlin, Stuttgart, Neapel, Dublin, Paris und weiteren Städten an. Außerdem erscheint eine weitere EP auf Teja sowie auf Recoil, UKR und meinem eigenen Label. Zudem wird meine Audio-Affair-Show gegen Ende des Jahres visuell erscheinen.“
Aus dem FAZEmag 055
Text:Rafael Da Cruz
www.facebook.com/diarmaidomeara1