Ein Track wie ein ekstatischer Tanz in der glühenden Hitze Afrikas. „Puttin‘ On The Green Hat“ schöpft seine Energie aus der tiefen Spannung der erdigen Bassdrum, umspielt von wirbelnder Leichtigkeit techhousiger Rhythmik. Hypnotischer Sprechgesang von Mantombe Matotiyani (Amampondo) führt mit eigenwillig verzerrter Stimme, wie der Gesang eines Schamanen, durch eine tiefe Trance. Pure Lebensenergie durchströmt jeden einzelnen Ton und vereinigt, wie eine magische Formel aus Musik und Tanz, die fünf Elemente miteinander.

Bei der gemeinsamen Produktion mit Gabriel Le Mar hattet ihr die Möglichkeit Vocals von Amampondo zu nutzen und für die Single zu verfremden. War es von vornherein klar ein Stück afrikanische Musikgeschichte mit einzubauen?

Gabriel Le Mar erzählte mir von den Vocals und das es die Möglichkeit gäbe, sie für einen Track zu nutzen. Ich hab mir die Files angehört und hatte sofort bock darauf. Wir verabredeten uns schließlich in seinem Studio in Frankfurt am Main und haben dort dann gleich ein paar Stücke produziert. Gabi und ich sind ja ein eingespieltes Team und haben ja schon früher gemeinsam produziert. Da muss man sich nicht erst groß aufeinander eintunen, bis man zum Ergebnis kommt, sondern kann gleich mit dem kreativen Teil anfangen… Die Ergebnisse werden wir jetzt step-by-step auf meinem Label PRAXXIZ (www.praxxiz.de) releasen. Nummer eins ist „Puttin‘ On The Green Hat“.

Bestimmte Afrikanische Rhythmik und Stilformen wie „Call and Response“ sind auf Grund der historischen Entwicklung nahezu in jedem Musikgenre zu finden, auch in Techno. Wie wichtig ist dir der Hakenschlag bei POTGH von der Vergangenheit zur Gegenwart?

Mir ist das tatsächlich sogar sehr wichtig. Die Wiege der Menschheit, und damit auch die Wiege der Musikkultur, liegt bekanntlich in Afrika. Ich fühle mich sehr stark mit der afrikanischen Rhythmik verbunden und setze gerne künstlerisch unsere gemeinsamen Wurzeln mit meiner musikalischen Gegenwart in Beziehung.

Das ist aber auch für mich nichts Neues. Das tue ich tatsächlich schon sehr lange. Z.B. in meinem Track „Trans4mator“ von 1993 („Dr. Motte’s Euphorhythm“) beziehe ich mich auf afrikanische Voodoo-Rhythmen. Vielleicht lest ihr dazu mal das Buch von Hans Cousto „Vom Urkult zur Kultur“. Eine sehr spannende und inspirierende Lektüre!

Derweil findet, neben der Idee die Single in zeitlichen Abständen von verschiedene namhaften Künstlern remixen zu lassen, auch ein Remix-Contest statt. Nach welchen Kriterien entscheidest du, wer letztendlich auf die Veröffentlichung kommt?

Erst mal, ich entscheide das nicht alleine, sondern gemeinsam mit Gabriel Le Mar. So was wie eine Liste von Kriterien gibt es bei uns nicht. Wir sind beide seit Jahrzehnten erfolgreiche Musiker und Produzenten, haben beide einen enormen musikalischen Background und können uns bei der Auswahl getrost auf unser Gefühl verlassen.

Ich denke das ist eigentlich DAS Kriterium. Wir wollen spüren, dass der Remixer tatsächlich auch echtes Gefühl beim Produzieren mit eingebracht hat. Für die Rhythmik, für das Thema, für sich selbst. Wir wollen keine Roboter, die nach Schema F einfach nur die nächste Nummer schrauben. Es muss einfach echt sein und was rüber kommen.

Wir wollen ja kein Remixer-Casting machen sondern die Kreativität fördern. Deshalb sind uns Namen an der Stelle auch nicht wichtig. Ganz im Gegenteil. Die Remixe landen zunächst im Postfach meines Teams, das die Tracks anonymisiert und sie dann erst Gabriel und mir zum Anhören weiterleitet. Ich behaupte einfach mal, ein großer Name bedeutet noch lange keine gute Musik und deshalb wollen wir uns an der Stelle auch gar nicht beeinflussen lassen. ;-)

Wie wichtig sind dir bestimmte Tools in technischer Hinsicht, um deinen persönlichen Dr. Motte Sound zu wahren? Gibt es Drummachines, Synthies oder Plug-Ins auf die du keinesfalls verzichten könntest?

Ja und nein. Es gibt natürlich gewisse Tools, Sounds etc., die ich präferiere. Das liegt einfach auch an meiner musikalischen Geschichte. Es wird immer wieder mal der Sound einer „Roland TB-303“ irgendwo auftauchen. Aber für mich gibt es in der Musik grundsätzlich kein Dogma. Nichts ist festgeschrieben, alles ist offen, alles ist möglich, ich will eigentlich immer nur meine persönliche Abfahrt. Und die ist immer wieder mal anders.

Ich könnte Euch jetzt eine Liste geben, von Tools, die ich benutze … Mir kommt immer darauf an, dass die Plug-Ins ergonomisch sind. Ableton Live geht da schon sehr weit in die richtige Richtung. Aktuell ist der Synthie meiner Wahl „DIVA“ von Urs Heckmann.

Wie stehst Du zu der stets spannenden Entwicklung von technischen Gadgets? Siehst Du den Schritt von Vinyl über CD hinzu Controllern als Fluch oder mehr Segen?

Alles entwickelt sich weiter – ein universelles Prinzip. Go with the flow! Kürzlich spielte Mijk van Dijk im Tresor, der hatte den ganzen Platz voller Controller … und dann hat er den Laden gerockt! Ich weiß zwar bis heute nicht was genau er da gemacht hat (obwohl ich direkt hinter ihm stand), aber es klang phantastisch und war wahnsinnig gut anzusehen.

Insgesamt hängt das, was der Künstler macht, nicht von der Technik, sondern von der Idee ab. Ob nun DJ, Live Act oder irgendwas dazwischen, ob Vinyl, CD oder Controller: „Kunst kommt von können“, heißt es. Wenn du dein Instrument oder deine Geräte perfekt beherrschst, dann kannst du der Kreativität absolut freien Lauf lassen, ohne dich mit technischen Details aufzuhalten. Dann kannst du wirklich alles geben, auf eine Reise im Universum des Klangs gehen und mit deiner Performance von deinen Entdeckungen berichten. Und dann beantwortet sich auch die Frage von ganz alleine: Was ist das Besondere an dem, was du tust?

www.drmotte.de