Man sollte meinen, dass man im Juli Besseres zu tun hätte, als Zuhause vor dem Fernseher, und sei es auch ein noch so luxuriöser Flatscreen, zu sitzen, aber da sich der Sommer nach zwischenzeitlicher Wärmewallungen doch als Arschloch erwiesen hat, machen wir halt das Beste aus der Kälte. Ich habe wieder einiges für euch herausgesucht. Willem Dafoe schätze ich seit „Platoon“ sehr, obwohl er zwischenzeitlich auch einiges an Dreck gedreht hat. Sein neuester Film „The Hunter“ (Ascot) wird sicher nicht als Meilenstein in die Annalen eingehen, aber unterhaltsam und spannend ist der in Tasmanien angesiedelte Mystery-Thriller durchaus. Ebenfalls ein großartiger Mime ist Jean-Hugues Anglade, der in „Home Invasion“ (Koch Media) an der Seite von Anne ‚Nikita‘ Parillaud mal wieder das macht, was er am besten kann: Fies sein. Der französische Terror-Film erinnert an viele bekannte Vorbilder, gewinnt aber dank seines hervorragenden Casts. Den hat „Screwed – Krieg im Knast“ (Sunfilm) nicht zu bieten, aber dafür gibt es hier ordentlich was auf die Glocke. Nur in aller Kürze: Ein Ex-Soldat kehrt aus dem Irak wieder, möchte ein normales Leben führen, nimmt einen Job als Gefängniswärter an und muss feststellen, dass im Knast mehr krumme Dinger abgewickelt werden als wir denken. Das kann natürlich nicht so weiter gehen. Mit Stallone und Statham hätte das vielleicht unterhaltsam werden können, so ist es eher mau, aber dafür rau. Manchmal muss es eben etwas härter sein. Das weiß auch Vincent Cassel nur zu gut, der ja in 99% seiner Filme auf die Rolle des Bösewichts abonniert ist. In „Der Mönch“ (Ascot), der im 18. Jahrhundert spielt und von der Atmosphäre der Sets ein wenig an „Der Name der Rose“ erinnert, ist seine Figur ambivalenter angelegt, aber Liebe, Hass, Mord und Totschlag sind auch hier mit von der Partie. Diese Ingredienzen finden sich auch im rasanten „The Zero Hour“ (Senator) wieder. Der in Venezuela angesiedelte Thriller dreht sich um den Auftragskiller Parca, dessen hochschwangere Freundin angeschossen wird. In den staatlichen Krankenhäusern kann und will man sie nicht behandeln, weswegen Parca in eine noble Privatklinik stürmt und Patienten sowie Ärzte als Geiseln nimmt. Als dann ein Sondereinsatzkommando der Polizei zur Klinik gerufen wird, eskalieren die Ereignisse. Spannend und mit einigen Plot-Twists versehen. Wenn man die Gegenwart nicht mehr erträgt, so wie Parca in „The Zero Hour“, ist es mitunter ganz angenehm in Phantasiewelten oder –zeiten zu flüchten. Wie in das England des 5. Jahrhunderts, denn hier spielt die TV-Serie „Camelot“ (Universum), dessen erste Staffel jetzt auf drei DVDs oder zwei Blu-Rays erhältlich ist. Wie meistens in solchen TV-Serien geht es auch hier um Intrigen, schöne Frauen (Eva Green), mutige junge Männer und böse alte Männer. Um mal abzuschalten ganz nett. Von der Vergangenheit begeben wir uns schnell in eine nicht allzu ferne Zukunft, denn hier sind „Die Tribute von Panem“ (Studiocanal) angesiedelt. Aus dem zerstörten Nordamerika ist der Staat Panem entstanden, die Regierung knechtet das ums Überleben kämpfende Volk mit eiserner Hand. Um seine Macht zu demonstrieren, veranstaltet das Regime jedes Jahr die grausamen Hungerspiele: 24 Jugendliche, je ein Mädchen und ein Junge aus Panems zwölf Distrikten, müssen in einem modernen Gladiatorenkampf antreten, den nur einer von ihnen überleben darf. Die Verfilmung des berühmten Kinderbuchs war schon auf der großen Leinwand ein immenser Erfolg und wer den Film tatsächlich verpasst haben sollte, hat nun keine Ausrede mehr.
Das war es für diesen Monat. Wir lesen uns nächsten Monat.
Euer Wes Craven Jr.