lydmor

Was die Internationale Automobil-Ausstellung für die Pkw-Branche und die CEBIT für die IT-Branche ist, ist ESNS (Eurosonic Noorderslag) für die Musikbranche. Oder anders: ESNS ist der kleine Bruder des ADEs – wobei „klein“ schon fast eine Beleidigung ist. Mehr als 40 000 Musikfans strömten letztes Jahr nach Groningen, um knapp 400 Newcomern aus mehr als 30 europäischen Ländern zu lauschen. ESNS ist eines der größten und wichtigsten genreübergreifenden Musikfestivals Europas – mit vielen Konferenzen, Workshops, Preisverleihungen und Zeremonien.

Jedoch geht es beim alljährlichen Sit-in in Holland nicht darum, große Stars noch größer zu machen, sondern darum, aufstrebende Sternchen am hiesigen Musikfirmament zu entdecken und zu fördern. Wie schwierig es ist, als No-Name Fuß zu fassen, weiß jeder, der schon mal ein Demotape an ein Label geschickt hat und hoffte, bald als Global Player in den geilsten Clubs der Welt aufzulegen oder mit seiner Band einen Number-1-Hit zu landen. Und was passierte? Richtig: nichts. Und genau hier setzt ESNS an. ESNS ist die Börse und Plattform für Musiker, Produzenten, Autoren und Komponisten, die das Potenzial haben, auf den Musikolymp gehievt zu werden. Die Gunst der Stunde konnte seinerzeit ein gewisser Felix de Laet nutzen – den meisten von euch ist der Belgier natürlich unter seinem Alias bekannt: Lost Frequencies.

Groningen wird Mitte Januar für vier Tage das Musikmekka Europas und bietet Musikschaffenden die Möglichkeit, an 150 Panels und Keynotes teilzunehmen. Es gibt Diskussionsforen, interaktive Beiträge, mehr als 350 Showcases, 175 Podiumsdiskussionen mit Branchenkennern und -könnern. Rund 500 Journalisten werden vor Ort sein, um das Großereignis zu begleiten. Und Pi mal Daumen 40 Radiostationen berichten live aus dem Schmelztiegel der Musiknationen. Über 4000 Konferenzteilnehmer werden erwartet, darunter Vertreter von 400 Festivals. Ihr seht also: Die Bands, Komponisten, Autoren und Künstler sind hier in den allerbesten Händen. Keine Poser, keine Blender, keine Nach-dem-Mund-Redner! ESNS steht für hochqualitative Nachwuchsförderung. So wird beispielsweise Harvey Goldsmith vor Ort sein – jener Mann, der sich als Manager, Produzent und Promoter einen weltweit höchst angesehenen Ruf erarbeitet hat. Nachvollziehbar, wo er doch mit keinen Geringeren als Pink Floyd, Queen, Madonna, Muse und Coldplay zusammengearbeitet hat, um nur einige Namen zu nennen.

Wie jedes Jahr rücken die Veranstalter ein ganz bestimmtes Land in den Fokus – und 2018 wird es Dänemark sein. Viele Bands aus unserem Nachbarland werden auf der Bühne stehen, Interviews geben, ihre neuesten Single- oder Albumproduktionen live vorstellen und Reportern und Journalisten Rede und Antwort stehen. Ein Stelldichein mit dem Who-is-Who der Branche. In diese Riege gesellt sich auch Lydmor, eine dänische Sängerin und Songwriterin. Wir durften ihr Fragen stellen, noch bevor die große Rangelei losgeht. Lest hie das Interview mit dem sympathisch-quirligen Kreativkopf:

Lydmor – ein Interview

Dänemark: Land im Norden, am Rande Skandinaviens. Dänemark steht im Mittelpunkt des bevorstehenden ESNS 2018 und ist die Heimat von Sängerin und Songwriterin Lydmor. Wir haben mit dem musikalischen Ausnahmetalent ein nettes Pläuschchen gehalten.

God dag, Lydmor.

Wow, du sprichst Dänisch?

Um ehrlich zu sein: nein. Aber wofür gibt es Google? Also, hallo, Lydmor! Oder darf ich Jenny sagen? Oder erinnert dich das zu sehr an deine Kindheit, wenn dich deine Eltern gerufen haben, weil du mal wieder dein Zimmer aufräumen solltest …?

(lacht) Oh je, wenn du wüsstest, in welchen Situationen die Leute Jenny zu mir sagen – da ist Zimmeraufräumen noch echt harmlos.

Okay, da frage ich jetzt besser nicht weiter nach. Lass uns doch direkt mal über das ESNS reden. Was erwartest du vom Festival und was dürfen wir von dir und deiner Show erwarten?

So ein großes Festival hat für mich irgendwie etwas Magisches. Weißt du, Künstler aus aller Welt strömen herbei, haben riesengroße Erwartungen und den Traum, entdeckt zu werden. Was meine Performance angeht: Ich bringe eine große Kiste mit neuer Musik mit. Und meine Show untermale ich mit dem ein oder anderen visuellen Effekt. Und soll ich dir was sagen? Ich habe die letzten Male auf der Bühne gemerkt, dass ich echt ziemlich abgehen kann. Aber pssst.

Verrätst du uns, wann und wo du spielen wirst?

Klar. Am 19. Januar um 23:15 Uhr im Praedinius Gymnasium in Groningen.

Wie bereitest du dich auf das ESNS vor?

Ich habe eine ganz klare Vorstellung im Kopf, wie meine Show aussehen soll. Dazu muss ich allerdings etwas experimentieren. Gerade im technischen Bereich. Lasst euch überraschen. Ansonsten: Um abzuschalten, runterzukommen und einen kühlen Kopf zu bewahren, mache ich ein bisschen Meditation und Yoga. Denn so ein Festival ist Stress pur: viele Interviews, Meetings und Termine, geballt an vier Tagen. Da muss man gut organisiert und ausgeglichen sein.

In Deutschland ist der Name Lydmor vor allem in Kombination mit Bon Homme und eurer gemeinsamen Single „Thing We Do For Love“ bekannt, releast 2015. Sei so lieb und beschreib doch mal kurz, wie ihr euch kennengelernt habt und wie es zur Zusammenarbeit kam.

Es ist schon ein paar Jahre her, dass Tomas [Bon Homme; Anm. d. Red.] und ich uns getroffen haben. Er war gerade mit seiner Band WhoMadeWho auf Tour und ich hatte die große Ehre, das Warm-up zu spielen. Vor der Performance, also während des Soundchecks, kam er zu mir auf die Bühne und fragte, was ich so mache und wie ich meine Show so plane. Wir kamen ins Gespräch, verstanden uns auf Anhieb gut und zack – noch am gleichen Abend wurden wir Freunde.

Im Jahr 2015 habt ihr als Gemeinschaftsprojekt Lydmor & Bon Homme euer erstes Album veröffentlicht, „Seven Dreams Of Fire“. Im gleichen Jahr kam dein Solo-Album „Y“ in die On- und Offlinestores. Wie hat sich dein Leben seitdem verändert?

(lacht) Oh, schwierig zu sagen. Ich fühle mich, als hätte ich bereits tausend Leben gelebt und sei tausendmal jemand anderes gewesen, der auf zigtausend verschiedene Leute gestoßen ist. Ich weiß auch nicht, aber irgendwie ziehe ich total verrückte Leute mit ihren total verrückten Geschichten an total verrückten Orten magisch an. Das ist im Laufe der Jahre immer intensiver geworden. Ich persönlich denke, dass ich mich als Künstler enorm weiterentwickelt habe, größer, reifer geworden bin. Ich arbeite an größeren Projekten und ernte mehr Beachtung. Ich glaube, mein Leben war lange Zeit eine Achterbahnfahrt. Und das ist jetzt die Belohnung.

Gibt es derzeit musikalische Pläne mit Tomas alias Bon Homme?

Ich will nicht sagen, dass wir unsere Zusammenarbeit nicht fortsetzen. Es war eine großartige Zeit, momentan macht allerdings jeder sein Ding. Wir sind aber weiterhin sehr gut befreundet. Und natürlich ist es nicht ausgeschlossen, dass wir irgendwann mal wieder zusammen im Studio stehen.

Die Klarinette ist ein Instrument, das fast ausschließlich in großen Orchestern zum Einsatz kommt. Du hast das Klarinettespielen in deiner Kindheit gelernt. Findet sie noch Verwendung in deinen aktuellen Produktionen?

Jein. Es gibt ein paar klitzekleine Stellen in meinen Stücken, an denen man die Klarinette raushört. Aber dafür brauchst du Ohren wie ein Luchs. Im Alltag – wenn ich ihn mal habe … – spiele ich Klarinette, um mich zu entspannen. Am liebsten spiele ich dann Klassik. Das pusht meine Kreativität.

Deine Message an die deutsche Fanbase?

Stay tuned. Ich habe so viel vor und ihr könnt gespannt sein und euch auf das freuen, was ich noch alles machen werde. Ihr werdet von mir hören.


ESNS (Eurosonic Noorderslag) // 17.–20.01.2018 // Groningen (Niederlande)

Line-up: David Keenan, Hearts Hearts, Jade Bird, Ruby Empress, Seltsame Blüte, Lydmor, Nathy Peluso, Xinobi, Andrea Belfi u. v. a.

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www.eurosonic-noorderslag.nl