Felix Kröcher - 01_web

Es ist das NATURE ONE-Wochenende. 72.000 Feierwütige und das FAZE TV-Team befinden sich im Hunsrück, um ein tolles Wochenende zu verbringen. Einer der Hauptakteure am Samstag, Felix Kröcher, ist traditionell schon am Freitag angereist; um die Atmosphäre aufzusaugen, dem Century Circus, den er liebevoll ‚mein Wohnzimmer‘ nennt, schon einen Tag früher einen Besuch abzustatten und um mit guten Freunden zu feiern. Das ist eine Besonderheit in diesem DJ-Business. Die meisten Stars der Szene hetzen auch an diesem Juli-Wochenende von Gig zu Gig, um möglichst viele Fans zu beglücken – euphemistisch gesagt. Felix nimmt sich allerdings die Freiheit, an diesem Wochenende die Zeit zurückzudrehen und wieder zum Musikliebhaber und Fan zu werden. Ein Luxus für den Hessen, der ansonsten von Auftritt zu Auftritt und von sunshine live-Studio zu Produktionsstudio hetzt. Oder besser geschrieben, er läuft. Er läuft und läuft weiter. So wie seine Karriere auch. Dieser Tage erscheint sein neues Release mit dem Titel „Läuft. Weiter!“. Es ist eine Mischung aus DJ-Mix-Compilation auf zwei CDs und einem Album, denn es finden sich sieben neue FKStücke auf dieser Doppel-CD – sechs davon exklusiv nur auf diesem Werk. Genügend Gründe, am Samstagnachmittag mit Felix durch den Hunsrück zu fahren und ein persönliches Gespräch zu führen.

Ich sitze mit Felix Kröcher in dem beschaulichen Ort Klosterkumpt. Wir sitzen hier, weil wir über seine Compilation sprechen wollen: „Läuft. Weiter!“ Der Name ist ja ein bisschen irreführend, denn wer sich nicht so gut mit deinen Releases auskennt könnte meinen, es handele sich um seine zweite Compilation oder sein zweites Album. Warum dieser Name?

„Läuft.‘“ hieß das erste Album. Vom Albumcharakter wollten wir ein Stückchen wegkommen, aber nicht komplett. Es ist zwar eine Mix- Compilation, aber irgendwie auch ein Album, also eine Mischung aus beidem. Sieben Titel sind zwar von mir enthalten, aber das sind aber zu wenige für ein Album, und so habe ich noch Tracks drauf gepackt, die mir momentan einfach sehr gut gefallen. Die Mischung macht es letztendlich.

Viele Leute sagen ja auch, die Compilation ist das Album des DJs. Nichtsdestotrotz gibt es sieben neue Stücke von dir. War das für dich wichtig, deinen Fans mal wieder etwas mehr an die Hand zu geben? In den letzten Monaten hast du ja nicht so viele Tracks veröffentlicht.

Rein musikalisch gesehen waren meine Radioshows auf Soundcloud das Einzige, das in letzter Zeit von mir erschien. Nun haben wir außer der sieben Tracks auf der Compilation noch weitere Stücke, die wir anderen Labels anbieten. Um auf die Frage zurückzukommen, natürlich wollte ich den Fans auch etwas bieten, damit sie merken, da passiert was, da kommt neue Musik. Zum anderen war es mir auch selbst wichtig. Man hat sonst so ein ungutes Gefühl, denn man will ja auch selbst etwas veröffentlichen. Das macht Spaß und verbreitet sich viel mehr als dieser ganze Social Media-Kram. Da kommt sehr viel Feedback!

Ich habe gehört, ihr habt euch etwas Spannendes für alle Vinyl-Fans ausgedacht.

Ja, die sechs exklusiven Titel werden mit zwei Bonustracks als Doppelvinyl erscheinen. Exklusiv in einer limitierten Auflage von 500 Stück. So etwas ist ja heute auch nicht mehr normal. Ich freue mich sehr darüber, zumal die Idee nicht von mir, sondern von meinem Management Swinque stammt.

Die Doppel-CD erscheint auf Universal, einem Major, der nicht dafür bekannt ist, ein aktives, nationales ‚Artist Signing‘ zu betreiben. Wie kam es dazu?

Der Vorschlag an Universal kam über mein Management und wurde auch relativ schnell angenommen. Das hat mich auch überrascht, aber sehr positiv. Klar, Universal ist groß aufgestellt, dort arbeitet man mit sehr großen Künstlern, mit Weltstars zusammen. Da passe ich jetzt nicht unbedingt rein. Aber es ist eben eine riesengroße Firma, und die müssen auch verkaufen.

Spürst du da jetzt einen besonderen Druck, oder ist dir das egal?

Druck habe ich ehrlich gesagt nicht verspürt, man hat mir auch keine Vorgaben gemacht. Es hat niemand gesagt: ‚Das und das muss auf der Compilation sein‘. Ich kenne das aus der Vergangenheit oder von anderen Compilations, die ich zusammengestellt habe. Da gibt es dann sogenannte Pflichttitel, die man benutzen muss, um andere Stücke, Wunschtitel, zu bekommen. Das gab es nicht. Ich konnte frei entscheiden, frei zusammenstellen. Aber ich glaube, ansonsten hätte ich die Compilation auch nicht gemacht. Wenn man sich in solch einem Prozess frei entfalten kann, dann wird das auch gut, glaube ich.

Das heißt, du bist jetzt damit zufrieden, was auf der Compilation drauf ist?

Ja.

Erzähl mal ein bisschen über die vermixten Stücke, du hast da Recondite drauf, Maceo Plex‘ Mix für GusGus…

…und die „Interspace“, die habe ich auch drauf.

Maceo Plex, Redshape, Nicole Moudaber. Ist das die Nummer, die auf Carl Coxs Label erschienen ist?

Nein, das ist eine von Drumcode.

Gary Beck, Adam Beyer, Ilario Alicante, Pfirter, Alan Fitzpatrick. Das Tracklisting liest sich jetzt auf jeden Fall nicht so, als hättest du dich da am Major orientiert.

Nein, gar nicht. Wobei wir gemerkt haben, dass eigentlich die kleinen Labels schwieriger und problematischer sind. Labels wie Cocoon, da geht es relativ schnell und da kriegst du auch alles, was du dazu brauchst. Ich meine da kenne ich mich ja jetzt nicht so aus, aber die beliefern dich eben mit allem was du so an Angaben benötigst. Es waren auch kleine Labels dabei, die waren zum Teil etwas anstrengend. Da kam es dir wirklich so vor, als hättest du es mit einem Major zu tun, und das verstehe ich eben nicht. Das ist für den Künstler doch auch nicht wirklich schön. Ich kenne das, der kriegt nichts mit, bis es dann irgendwann an ihn herangetragen wird.

Die elektronische Musikszene ist ja extrem schnelllebig. Jede Woche erscheinen neue Tracks, jeden Monat erscheinen Hunderte. Auch wenn davon nicht alles gut oder nach deinem Gusto ist. Wie lange ist überhaupt die Halbwertzeit einer Compilation?

Ich glaube, es kommt darauf an, wie du die Compilation zusammenstellst. Also die Titel/Künstler, die jetzt drauf sind, habe ich sehr wohl mit Bedacht ausgewählt. Ich hatte noch mehr auf der Liste, aber ich habe mir da viele Gedanken gemacht, welche Titel können wir da draufpacken, die auch über diese Schnelllebigkeit hinaus Bestand haben. So wie es jetzt ist, von Künstler und Tracks, ist sie zumindest für die Saison, in der wir uns jetzt befinden, gesetzt. Ich habe irgendwann meine Liste abgeben, die musste ich auch ja dann abgegeben zum Freifragen. Dann schaust du am nächsten Tag in dein Postfach und bei Beatport oder wo man eben seine Quellen hat und denkst: ‚Ach, den hätte ich jetzt aber auch noch gerne dabei gehabt.‘ Irgendwann muss man eben zum Punkt kommen und sagen: Das sind die Titel, die habe ich ausgewählt.

Wie viel Zeit pro Woche investierst du in das Suchen neuer Tracks?

Stunden.

Hast du mal darüber nachgedacht, jemanden zu engagieren, der für dich Stücke heraussucht? Früher gab es ja den Plattenladen, da bist du hingegangen und der Verkäufer hat gesagt: ‚Hey Felix, das könnte dir gefallen, das sind Stücke, die du spielst.‘ Natürlich geht das auch über Beatport, aber nichtsdestotrotz dauert das Stunden. Oder genießt du diese Arbeit?

Ich genieße diese Arbeit, und ich glaube, es ist auch ganz wichtig, dass der Künstler das selbst macht. Auch wenn du vielleicht einen Hiwi engagierst, der das für dich macht und dich auch kennt und auf dich eingehen kann – aber das ist nicht cool. Es sind so rund vier Stunden, die ich am Tag vor dem Computer sitze und Musik suche, aber es landet nur sehr wenig letztendlich auf meinem Stick. Ich wechsle jetzt im Übrigen auch von CD auf USB. Es hat ja schon lange gedauert, bis ich von Vinyl auf CD umgestiegen bin, hatte da noch lange meine Platten mit dabei. Jetzt ist dann eben nur noch der Stick da.

Hast du denn auch das neue Update von Recordbox gecheckt? Die 3.0 Version?

Die habe ich gecheckt, aber habe mich noch nicht so intensiv damit beschäftigt. Mir ist es erst mal wichtig, dass ich dort meine Ordner anlege. Da bin ich sehr empfindlich, das muss einfach stimmen.

„Läuft.Weiter!“ ist nicht nur der Titel deiner Compilation sondern passt auch ein bisschen zu deinen vergangenen Jahren. Man hatte oft das Gefühl, der Felix wird gehetzt. Er läuft läuft, aber ob er angekommen ist, das wusste man nicht. Du hast die Bookingagentur jetzt mehrfach gewechselt, jetzt bist du bei Swinque, die machen auch dein Management. Bist du da jetzt angekommen?

Da bin ich angekommen. Einerseits muss ich sagen, das ich immer so gehetzt bin. Ich kann es leider nicht abstellen, wobei ich sagen muss, dass ich schon ruhiger werde.

Was meinst du, woher das kommt, dass du so gehetzt bist? Warst du als Kind auch schon gehetzt? Oder ist es das ständige Unterwegssein?

Ja, das Letztere ist es, glaube ich. Allerdings probiere ich schon auch den Punkt zu finden, an dem ich sage: ‚Ok, jetzt ist es gut.‘ Da lässt man auch mal einen Tag alles stehen und liegen. So was habe ich früher nicht gemacht. Da war ich, nach einem Wochenende wie diesem um 9 Uhr schon wieder im Büro. Ich habe mich zwar gebessert, aber ich komme nie ganz davon weg. Ob ich jetzt als Kind schon so war, nun das ist immer sehr schwierig selbst einzuschätzen. Ich bin vielleicht ein bisschen der Perfektionist, das klingt vielleicht blöd, aber ich bin eben immer bedacht, meine Sache gut zu machen und mir Mühe zu geben. Ich mache mein Ding und will das natürlich auch noch die nächsten Jahre machen. So schnelllebig wie das mit Releases und Musik ist, so ist es auch in unserem Geschäft. Da bin ich jetzt auch schon mal ein Stück weiter. Ich komme zwar nicht an die vorherigen Generationen heran, die schon am Start sind und waren, aber ich will da auch keine Schwarzmalerei betreiben. Von nichts kommt nichts und in diesem Geschäft darfst du einfach nicht stehen bleiben, immer vorwärts gehen. Aber das darf man ja im Leben generell nicht, wenn man etwas erwartet und Ziele hat.

Das heißt, du bist jetzt angekommen in deiner Agentur, du fühlst dich wohl, du fühlst dich verstanden und hast gute Bookings, jetzt hoffentlich noch mehr im Ausland.

Ja, die sollten wieder mehr sein. Also ich war ja mal eine Zeit lang schon ganz gut unterwegs. Wir haben uns jetzt in den Ländern die passenden Promoter rausgesucht, bei denen wir meinen, das passt, die machen ihren Job. Das gehört auch einfach zur Aufbauarbeit. Wir arbeiten jetzt knapp ein Jahr zusammen und man sieht auch einfach schon den Erfolg bei der ganzen Sache. Ich merke aber auch, vor Kurzem habe ich in Frankreich gespielt, wo ich lange nicht mehr war, weil es in der Vergangenheit zu Unstimmigkeiten kam, dass die Leute mich weiterhin kennen, schätzen und sich freuen, wenn sie mit mir feiern können. Das freut mich dann natürlich auch.

Worauf ich eigentlich hinaus wollte ist das Folgende: Du gehst deinem Traumjob nach, die Compilation kommt. Wie lange willst du das machen? Denkst du da manchmal drüber nach oder bist du eher in dem Hier und Jetzt auch mit deiner Familie soweit zufrieden, dass du sagst: Jetzt lebe ich meinen Traum, jetzt versuche ich das völlig gut zu machen. Oder denkst du, weil du ja so ein gehetzter Mensch bist: ‚Ok, ich bin jetzt 30, Väth wird jetzt 50, dann mach ich noch 20 Jahre.‘ Denkst du so oder ist das etwas, was du versuchst ganz wegzusperren?

Also, ich glaube der Sven, der Carl und der Chris sind jetzt dann an die 50 und im Vergleich zu anderen Leuten mit 50 sind die noch ganz anders drauf. Aber klar denkt man da drüber nach – natürlich. Aber das ist eben mein Weg und meine Arbeit, und ich könnte mir nichts anderes vorstellen. Wenn es jetzt nicht mehr anders ginge, dann müsste ich ja … Es ist auch so, wenn ich sonntags mal ziemlich kaputt nach Hause komme, dann fehlt mir das ganze Drumherum schon wieder. Wenn ich mal eine Nacht darüber geschlafen habe und ein bisschen fitter bin und der Kopf wieder frei ist, dann sehne ich mich nach dem Gig, nach dem Reisen. Wenn ich mal eine Woche nicht am Flughafen bin, was zum Glück nicht so oft vorkommt, dann fehlt er mir. Also der Ablauf, auch wenn das für andere ein Graus wäre, von einem Flug zum Hotel und wieder zurück und dahin gehetzt. Ich glaube, da muss man schon auch für geboren sein. Also wie gesagt, ich würde das gerne so lange durchziehen, wie es geht. Also wenn du jetzt bei einem Unfall die Hände verlierst oder du wirst einfach nicht mehr gebucht und es interessiert sich niemand mehr für dich, das ist das Schlimmste, was dir als Künstler passieren kann. Das geht wahrscheinlich jedem durch den Kopf, dem einen mehr, dem anderen weniger. Und dann gibt es die, die gar nicht drüber nachdenken.

Ich habe das auch deswegen gefragt, weil ich weiß, dass du jemand bist, der viel nachdenkt und du im Allgemeinen ein nachdenklicher Mensch bist. Du hast in einem Interview schon einmal thematisiert, dass du das Hochgefühl, das du hast, wenn du vor 20.000 Menschen auflegst, natürlich nicht konservieren kannst. Das war eine Zeit lang ein großes Problem für dich. Wie gehst du da jetzt gerade mit um?

Ich hatte da eine Lebensphase, in der es schwierig war, mit mir selbst umzugehen. Ich würde nicht sagen, dass ich nicht mit mir im Reinen war, aber ich war einfach nicht glücklich, wie das Leben so spielt. Aber mittlerweile bin da ganz gut drin. Ich habe es bestimmt auch deshalb gut im Griff, weil ich so lange mit mir gehadert habe, mir viele Gedanken gemacht habe und ich glaube auch dadurch ein Stück älter geworden bin. Also ich bin jetzt erst 30, aber eben auch einfach nicht mehr der Jüngste. So wie ich damals 2005 rumgesprungen bin, da war ich einfach noch naiver, aber das ist nun auch schon neun Jahre her.

Hängt das vielleicht auch damit zusammen, dass du jetzt auch privat dein Glück gefunden hast? Können wir sagen, dass du gerade geheiratet hast?

Ja, das können wir machen. Das ist auch so ein Punkt, ich habe mir früher extrem viele Gedanken gemacht wie: Was werden die Leute denken? Heute denke ich mir: Scheiß drauf! Das ist nicht böse gemeint oder soll bedeuten, dass ich die Meinungen anderer Personen nicht ernst oder wahrnehme, aber es gibt weitaus schlimmere Dinge im Leben, die man machen kann und ich muss mich auch nicht dafür rechtfertigen. Wenn man, und das ist im Leben eigentlich generell so, von einer Sache überzeugt ist, dann sollte man das auch probieren und nicht drüber nachdenken, wie wird das aufgefasst. Bin ich dann noch der Liebling oder so. Früher war mir das viel wichtiger, es jedem recht zu machen und davon bin ich jetzt eben auch abgekommen. Ich bin nach wie vor allzeit bereit, Menschen zu unterstützen und dabei zu sein, aber ich habe mir damals auch viel einreden lassen. Jetzt habe ich jemanden gefunden, da ist auch der gegenseitige Respekt da. Das hat nichts mit Mann und Frau zu tun, sondern da ist ein Mensch an meiner Seite, der mich in Allem unterstützt.

Trotzdem bist du ja ein Künstler, der in einem bekannten Social Network alles Private außen vor lässt. Warum machst du das? Ist das vom Management so entschieden worden?

Genau wie bei der Compilation: Klar spreche ich auch mit dem Management Postings ab, die sind aber rein auf geschäftlicher Ebene und letztendlich habe ich es in der Hand, was ich poste. Aber ich glaube, ich muss jetzt auch keine Bilder von meinen Kindern zum Beispiel posten, um Likes zu generieren.

Das heißt, du hast das Gefühl, du würdest deine Familie somit instrumentalisieren, um Likes zu generieren und nicht einfach den Leuten etwas mitzuteilen. Es gibt ja bei Facebook Künstler, die haben ein Künstlerprofil und ein privates Profil und das hast du halt nicht.

Ja, es soll schon ein Künstlerprofil sein. Es gibt viele Leute, und das weiß ich auch, die nachsehen, ob er Kinder hat oder verheiratet ist, oder was er sonst so macht. Das ist auch so eine Frage, soll ich Bilder machen, wie ich gerade in der Lounge sitze im Flughafen oder was ich gerade esse? Ich will da jetzt nicht auf anderen Künstlern herumreiten aber – vielleicht denke ich da auch falsch aber – so ein schickes Essen zu posten, es gibt so viel Unheil auf der Welt, das finde ich dann einfach nicht angebracht. Aber das ist eine Diskussion, die kann man ins Unendliche führen.“

Bist du eigentlich zufrieden mit deinem Wikipedia-Eintrag?

Ich hab den mal irgendwann gelesen, vor einem Jahr oder so, und war überrascht, dass es da überhaupt einen gibt. Wir mussten dann auch zwischenzeitlich mal ein paar Sachen ändern, die so nicht stimmten. Vielen Dingen aus meiner Vergangenheit stehe ich heute wesentlich entspannter gegenüber, was wohl auch zeigt, dass ich etwas ausgeglichener bin. Im Grunde ist es doch so, dass der Erfolg nur davon abhängt abhängt, wie ich agiere und funktioniere. Aus diesem Grunde habe ich eine Wertschätzung allen Agenturen gegenüber, mit denen ich bisher gearbeitet habe, ohne dabei eine besonders hervorheben zu wollen.“

Gibt es irgendwelche Einflüsse in der elektronischen Musik, die du momentan gut findest? Künstler, die du abfeierst? Oder junge Talente, die ich selbst noch gar nicht kenne? Hast du auch durch sunshine live einen anderen Zugriff auf die Musik, die du auflegst?

Was für mich gar nicht geht, ist die EDM-Sache, das hat jetzt auch gar nichts damit zu tun, dass ich da in offene Wunden schlagen möchte. Aber ich komm da nicht mit klar.

Meinst du, es ist nachvollziehbar, dass EDM nur deswegen so groß geworden ist und so funktioniert, weil wir in einer Zeit leben, in der man die ganze Zeit berieselt wird? Man wird ja quasi torpediert von Facebook, und fast jeder hat ein Smartphone. Ich hatte da auch mal mit Moonbootica drüber gesprochen. Die haben nach einem EDM-Act gespielt, und dieser änderte alle 60 bis 90 Sekunden den Track, weil es den Leuten sonst zu langweilig wurde und diese dann die ganze Zeit auf ihr Smartphone schauten, um nachzusehen, was sie gerade Anderes machen könnten.

Ich habe das bei einem Holi Festival beobachtet. Ich habe auf der zweiten Bühne gespielt, vor der keine Farbe geworfen wurde. Auf diesen Partys läuft ja viel EDM, und da kannst du x-beliebige Künstler hinstellen. Da kannst du sogar eine CD abspielen lassen, völlig egal. Die Kids kommen dahin, um Farbbeutel zu werfen. Solange die nicht werfen, feiern die auch nicht. Sie stehen dann dort und unterhalten sich. Diese EDM Künstler gehen so schnell, wie sie gekommen sind. Ich will nichts prophezeien, aber ob es da Artists gibt, die sich so lange halten wie Sven, Carl oder Chris, die musikalisch und künstlerisch in eine ganz andere Richtung zielen und gehen, glaube ich nicht.

Wie siehst du das mit der „neuen“ Deep House Welle, Deep House war ja nie weg aber so etwas wie Robin Schulz, Alle Farben. Das ist zwar nichts für dein Set, aber auf sunshine live ist es ja auch oft zu hören. Kommst du damit klar?

Das sehe ich ähnlich wie bei EDM.

Aber du glaubst doch nicht, dass nur Techno Bestand hat?

Nein, es gibt auch in den Bereichen Deep- und TechHouse Künstler, die sich halten. Die einen schaffen es, einige bleiben auf der Strecke. Es gibt ja immer mal wieder so Phasen, in denen auch Techno hipper ist als vielleicht jetzt.

Wie wird deine nächste Compi heißen?

Ich würde da gerne eine jährliche Geschichte daraus machen, wenn wir schon mal bei einem Major sind. Mal schauen, wie es jetzt ankommt. Mein nächstes großes Ziel wäre dann ein Album und eine EP mit Chris Liebing, das würde mich auch international pushen. Als stärkstes Technolabel erachte ich momentan Drumcode, aber es ist auch schwer einzuschätzen. Bei Chris Liebing weißt du, was dich erwartet. Aber es bleibt dabei, wie auch schon im ersten Interview von uns beiden. Vor diesen Jungs habe ich einfach wahnsinnigen Respekt und null Neid. Das ist eine andere Generation und da werde ich nicht dran kommen. Sie sind irgendwie auch Vorbilder für mich.“ / Sven Schäfer (Dank an Julian Haußmann)

 

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