Den Mix des Monats steuert diesmal ein Frankfurter DJ, Produzent und Radiomoderator bei, der schon seit langer Zeit die elektronische Szene in Deutschland prägt und mitgestaltet. Es gibt wohl kaum eine Festivalbühne, die er noch nicht betreten hat, und manch einer würde beim Anblick seines Terminkalenders anerkennend bestätigen: „Läuft!“ Ja, bei Felix Kröcher läuft es, und zwar ziemlich gut – ob im Sommer oder im Winter. Umso schöner, dass er zwischen seinen Gigs auch noch Zeit für uns und unseren FAZEmag Download-Mix gefunden hat.

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Deine Sommer-Tour 2018 ist in vollem Gange. Allein im Juli hast du zahlreiche Gigs in den Niederlanden, in Belgien, Deutschland, Österreich und Kroatien gespielt. Erzähl doch ein bisschen was über deine bisherigen Erlebnisse!

Die Sommersaison ging dieses Jahr, wie ich finde, sehr früh los. Das Wetter war bisher immer super und ein Highlight war mit Sicherheit das Ikarus Festival oder auch das Open Mind Festival in Italien. Dort ist die Stimmung immer beeindruckend. Aber so richtig los geht es jetzt in den kommenden Wochen, im Juli und August!

Für deine Auftritte in ganz Europa investierst du unheimlich viel Zeit in An- und Abreise. Artet das oft in Stress und hohen Zeitdruck aus?

Natürlich ist es an manchen Wochenenden wirklich stressig, gerade dann, wenn man vier Gigs spielt und dabei einmal durch ganz Europa reist. Ich habe aber das große Glück, sehr gerne im Flugzeug zu sitzen oder mich an Flughäfen aufzuhalten. Für mich ist es nach wie vor inspirierend, die vielen Leute aus den unterschiedlichsten Kulturen zu sehen und dabei selbst immer an neue Orte zu kommen! Und nach solch einem Wochenende kann ich auch stolz sein, es wieder geschafft zu haben.

Wie beschäftigst du dich am liebsten auf Tour, wenn du gerade nicht vor tausenden Ravern stehst? Der Schlaf kommt auf diesen Reisen wahrscheinlich sowieso viel zu kurz, oder?

Ich bin ja nun schon seit einigen Jahren dabei und habe mir irgendwann angewöhnt, überall, wo es möglich ist, ob im Flugzeug, Auto oder Bus, die Augen zu schließen und zu schlafen, wenn auch nur für kurze Zeit. Das bringt immer neue Energie für die nächste Show! Außerdem habe ich ein wirklich tolles Team mit dabei am Wochenende. Das Reisen ist also immer auch mit viel Spaß verbunden.

Was zeichnet in deinen Augen ein tolles Open Air oder Festival aus? Es kommt ja wohl kaum auf die Größe an, oder doch?

Bei einem Open Air oder Festival ist für mich – neben der Stimmung und den Leuten – immer die Location am wichtigsten. Es ist wie bei einem guten Essen: Das Auge isst mit.

Für eine einzigartige Location gibt es besonders in Deutschland einige tolle Beispiele, wie das Exit:Ruine Open Air in Wertheim. Der Name der Veranstaltung sagt es schon: Man spielt in einer Ruine bzw. einer alten Burg, was das Ganze sehr beeindruckend macht. Generell merkt man bei solchen Veranstaltungen immer sehr schnell, wie viel Herzblut und Arbeit die Organisatoren da reinstecken. Einen Großteil kriegt man als „außenstehender“ Besucher ja meistens gar nicht mit! Für mich ist es auch etwas sehr Besonderes, auf Festivals zu spielen, bei denen ich von Anfang an mit dabei war oder die ich seit etlichen Jahren als DJ begleite. Ein Beispiel dafür ist das Echelon Festival. Dort bin ich seit der zweiten Ausgabe mit dabei und es ist auch als Act immer schön, die Entwicklung eines solchen Festivals zu sehen. Damals habe ich dort unter anderem mit Paul Kalkbrenner gespielt. Heute zählt das Echelon zu den angesagtesten Festivals im Bereich der elektronischen Musik. Auch die Nature One ist für mich immer wieder ein alljährliches Highlight. Mit diesem Festival verbinde ich eine ganze Menge toller Erinnerungen und ich hoffe, dass auch in Zukunft noch viele dazukommen werden! Es gibt also viele Faktoren, die ein Open Air besonders und einzigartig machen, und ich bin sehr dankbar über jedes einzelne, das ich von Jahr zu Jahr mit meiner Musik unterstützen kann!

Du bist ja nun schon so lange dabei, da trifft man ja andauernd alte Bekannte. Aber mit welchen Künstlern teilst du dir eine Stage am liebsten? Oder mit welchen würdest du gerne mal auf einer Bühne stehen?

Ich vergleiche das immer sehr gerne mit einem Wanderzirkus oder einem Klassentreffen. Es ist immer schön, alte Kollegen zu treffen, die man schon etliche Jahre kennt. Das macht es in einer gewissen Art und Weise familiärer und man hat immer eine schöne Zeit zusammen. Was sich für mich in den letzten Jahren aber auch als interessant herausgestellt hat, war, mit DJs und Produzenten wie zum Beispiel Robin Schulz oder Felix Jaehn auf Festivals zu quatschen. Zu hören, wie sie als junge Durchstarter die Musikszene im Allgemeinen sehen, war ziemlich interessant. Sie sind unglaublich ambitionierte Künstler und gerade weil sie aus einer anderen Musikrichtung kommen, war es interessant, sich auszutauschen. Ich finde generell, dass man viel offener sein sollte – auch gegenüber anderen Musikrichtungen.

Wohin geht die Reise für dich noch in diesem Sommer?

Der Sommer-Tour-Kalender ist komplett voll, worüber ich sehr glücklich bin. Ich spiele diesen Sommer neben meinen Gigs in Deutschland, Österreich und der Schweiz auch viele Termine im ferneren Ausland, auf die ich sehr gespannt bin. Generell ist die Festival-Saison immer klasse und ich freue mich riesig auf all die Events, die noch anstehen!

Während der warmen Monate dreht sich alles um Festivals, wenn es abkühlt, um Club-Gigs. Wann hast du tatsächlich Zeit, um auszuspannen und dich zu erholen von den Strapazen, die solche Raves mit sich bringen?

Mit der Zeit hat man sich an diese Abläufe gewöhnt und seine eigene Routine geschaffen. In der Woche hat man viel Zeit für sich und ich mag es zum Beispiel sehr, im Sommer Fahrrad zu fahren oder spazieren zu gehen. Dabei bekommt man immer einen freien Kopf und kann sich mental auf das nächste Wochenende vorbereiten.

Und dann gibt es ja auch noch die Studiophase. Woran arbeitest du gerade und wie sieht es bei dir im Allgemeinen mit neuen Veröffentlichungen aus?

In den letzten Monaten habe ich meine Veröffentlichungen ein wenig zurückgestellt. Ich wollte mich zu 100 % auf meine Shows konzentrieren und hatte nicht wirklich Inspirationen für neue Tracks. Nichtsdestotrotz sind mittlerweile einige EPs fertig, die nun auf ihre Veröffentlichung warten. Mehr kann ich euch dazu demnächst verraten!

In der Vergangenheit hast du schon mit vielen Kollegen zusammengearbeitet – von Drumcomplex über Victor Ruiz, Luca Agnelli und Loco & Jam zu Spektre und Hollen. Mit wem würdest du in Zukunft gerne Produktionen und Remixe realisieren?

Ich arbeite gerade an einer EP in Kollaboration mit Rob Hes. Viele Tracks von ihm spiele ich in jedem meiner Sets. Es gibt generell sehr viele interessante und junge Produzenten, mit denen ich gerne Zeit im Studio verbringen würde. Ich bin immer offen für neue Ideen und Projekte.

Wie siehst du die aktuelle Trendsituation in der deutschen Technoszene?

Was mir immer öfter auffällt, ist, dass es vermehrt junge DJs und Produzenten gibt, die unheimlich schnell unheimlich viel Aufmerksamkeit bekommen. Das finde ich faszinierend, die Zeiten haben sich diesbezüglich enorm geändert! Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass die Leute eine große Liebe für Festivals entwickelt haben. Ich habe aber verstärkt das Gefühl, dass die Clublandschaft davon gewissermaßen „bedroht“ wird. Ich selbst liebe es, auf Festivals zu spielen, aber schätze auch sehr die intime Clubatmosphäre. Ich hoffe, dass uns die Clubs auch in Zukunft erhalten bleiben, schließlich bin ich mit Clubs groß geworden und habe dort meinen Ursprung.

Hinsichtlich der Gestaltung von Sets und Radioshows hast du nicht nur durch deine Gigs eine ganze Menge Erfahrung. Im kommenden Jahr feierst du mit deiner Show auf Sunshine live dein 15-jähriges Jubiläum. Welchen Einfluss hatte diese Zeit auf dein Schaffen als DJ, Produzent und Musikliebhaber und wie bist du den Mix angegangen, den du für unsere Juli-Ausgabe gefertigt hast?

Wenn du Radioschaffender bist, beschäftigst du dich unheimlich viel mit neuer Musik, und das Woche für Woche. Das beeinflusst einen unheimlich stark, weil man sehr viel Musik konsumiert, auch aus verschiedenen Genres. Diese Einflüsse spiegeln sich dann auch immer in meinen Sets wider. Im FAZE-Mix präsentiere ich euch zum Teil meine favorisierten Sommertracks, zeige euch aber auch andere Soundfacetten. Am besten selbst anhören!

Gib uns doch zum Abschluss noch einen kleinen Ausblick auf dein Schaffen und deine nächsten Ziele.

Ich bin jetzt schon seit vielen Jahren dabei. Mein Ziel ist es, mich künstlerisch immer weiter zu entwickeln und immer mehr Leute an tollen Orten mit meiner Musik zu erreichen. Außerdem geben mir meine Fans immer neue Energie und dafür bin ich sehr dankbar!

 

FAZEmag DJ-Set #077: Felix Kröcher – ab sofort und exklusiv bei iTunes & Apple Music
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Aus dem FAZEmag 077/07.2018 
Text: Julian Haußmann
Foto: Kitkutsmedia

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