„Die heutige Technologie macht es für jeden sehr einfach, das zu tun, was ich auch tue. Aber sie lehrt einen nicht, wie man darin gut wird. Ich bin schon seit langer Zeit dabei. Und meine Ausbildung in der Produktion bekam ich durch viele Sessions, bei denen ich mit im Studio saß und den echten Meistern über die Schulter geschaut habe. Die Fehler, die diese Producer und Engineers gemacht haben, davon profitierte ich in meiner Karriere. Mit der heutigen Technologie greife ich nun auf all die Jahre des Produzierens und Remixens zurück. Und mit einem gut ausgestatteten Studio und meinem Partner gelingt es mir noch immer, jene Sounds zu erzeugen, die ich früher schon machte“, sagt der legendäre Frankie Knuckles. Seit Anfang der 70er ist er – der „Godfather of House“ – bereits DJ, und er ist noch immer nicht müde.

Er remixte Popgrößen, produzierte unzählige Tracks und Acts, erhielt einen Grammy, trug einst als Resident im legendären Warehouse zur Entstehung der House Music maßgeblich bei. Nach ihm wurde eine Straße benannt, in die „Dance Music Hall Of Fame“ hat man ihn  längst aufgenommen. Jüngst ist ein Compilationalbum namens „Tales From Beyond The Tone Arm“ auf Nocturnal Groove erschienen, das einen guten Querschnitt seiner letzten Produktionen und Remixe bietet. Auf weltweite Tour geht er damit jetzt auch wieder, zahlreiche weitere Remixe und Produktionen stehen sowieso an. Holen wir also aufgrund der Zeit- und vor allem Platzknappheit nicht zu weit aus, sondern lassen Frankie lieber Tacheles reden: „Früher war das DJ-Business kein Business. Der Tag, an dem es dazu wurde, war auch der Tag, an dem es zu einer Arbeit wurde. Der Spaß daran verschwand. Versteht mich bitte nicht falsch, ich genieße immer noch sehr, was ich tue – besonders, wenn die Leute mir den Weg dafür frei machen und mich gewähren lassen. Aber im Business gibt es immer jemanden, der denkt, er weiß es besser als du. Das ist für mich ein Problem. Und Probleme sind kein Spaß.“  Aus dieser, doch sehr ernüchternden Aussage lässt sich dann vielleicht der Schluss ziehen, dass es heute mehr Wettbewerb gibt. Doch Frankie wiegelt ab: „Wenn man es als Wettbewerb sieht, ja. Ich sehe es aber nicht als solchen. Du hast die Zeitschriften der Musikindustrie, die ihre jährlichen Top 100 oder Top 25 DJs veröffentlichen, die dann die Welt beherrschen. Die Musikmagazine säen Zwietracht zwischen den DJs und den Leuten, die ihnen folgen. Das ist nicht gesund. Und die einzigen, die davon profitieren, sind die Magazine selbst.“ Für den Künstler selbst reicht es laut Knuckles heutzutage längst nicht mehr aus, nur kreativ zu sein und darauf zu warten, dass ihm jemand eine Tür öffnet. Gerade vor dem Hintergrund des Internets und dessen Möglichkeiten der Promotion, charakterisiert er die Lage treffend als „every man for himself situation“. Vor sechs Jahren hatte der gebürtige New Yorker die für ihn schwerste Zeit seines Lebens zu meistern. Damals ereilten ihn schwere gesundheitliche Probleme. „Jahre über Jahre in diesem Business rächten sich. Das war das erste Mal in meiner Karriere, dass ich daheim bleiben und überdenken musste, was wirklich wichtig für mich war. Mein Leben ist das Wichtigste für mich. Aber das war meine Karriere eben auch. Und so musste ich beides besser behandeln. Zu der Zeit erschuf ich mich auch musikalisch neu und begann als Produzent einen völlig neuen Ansatz zu verfolgen und startete Director’s Cut. Heute lebe ich mein Leben besser, zumindest so gut wie ich es nur kann…“ 

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