ananda

Gabriel Ananda und das Remixen – Selected Remixes Compilation

Sein Stil: Nicht in Worte fassbar. Sein Output: Konstant hoch. Sein Wohnort: Mitten im Wald. Gabriel Ananda und das Remixen.
Die Rede ist von Gabriel Ananda, eine sehr umtriebige Künstlernatur in der elektronischen Musikszene. Tracks wie „Meine persönliche Glücksmelodie“ oder „Doppelwhipper“ gingen um die Welt, da sie eine sehr emotionsgeladene Spielart des Technos präsentierten, die im Dancezirkus ihresgleichen sucht. Nahezu legendär sind auch seine Interpretationen von Tracks anderer Künstler. Diese über die Jahre und vielen Labels verstreuten Remix-Perlen hat Gabriel Ananda in der „Selected Remixes Compilation“, welche am 24. Februar 2017 auf seinem Soulful Techno-Imprint erschienen ist, zusammengefasst. Über den Remix als solchen und welche Ziele er beim Reworken eines Tracks verfolgt, erzählt er uns im folgenden Gespräch, dass ihm und uns viel Spaß bereitet hat:

Gabriel, in den letzten Jahren sind einige Remixe von dir entstanden. Was macht dir am Remixen besonders Spaß und wie gehst du an die Original-Tracks dran?

Es ist schön mit Material von anderen Künstlern zu arbeiten, das bringt mich auf neue Ideen. Manchmal ist das Material auch dermaßen 08/15, dass ich in eine scheiß egal Haltung komme und dann in 1,5 Stunden eine Nummer hinkloppe. So zum Beispiel beim 1492 Remix. Da ist es dann nur schade, dass da nicht mein Name davorsteht. Ich bin immer froh, wenn ich einen Remix fertig habe, dann kann ich das aus dem Kalender streichen. Zu Deadlines habe ich eine gespaltene Haltung. Zwar bringen die mich zum Arbeiten, aber oft drückt ein voller Kalender auch auf die Stimmung.

Was muss ein Track für dich mitbringen, dass du ihn dir zum Remixen aussuchst?

Heutzutage bin ich wählerischer. Der Track ist nicht so entscheidend, wichtig ist, dass es irgendein Element mit Charakter gibt. Manchmal bekomme ich Files von einem tollen Track und die einzelnen Spuren entpuppen sich als Zwei-Ton-Melodien aus Preset Sounds. Das macht mich dann ratlos. Dann mache ich halt was komplett anderes daraus oder lasse es ganz sein.

Manchmal bekomme ich aber auch super Material, wie zB. beim Scream-Remix von Distorted Beauty. Der Gesang hat es einfach in sich. Ich habe den Gesang dann noch etwas verfremdet um ihn emotionaler zu machen und habe dem ganzen Stück einen sehr poppigen Harmonie Unterbau gegeben. Das Stück war auch in 2- Stunden fertig.

Was ist spannender für dich: Ein Klassik-Remix oder ein Peaktime-Techno Remix?

Hm, wenn du mit Klassik ein Stück mit zeitlosen Melodien meinst, dann definitiv das. Ich kann allerdings auch nicht mehr richtig sagen was Peaktime Musik ist, heutzutage läuft ja in der Peaktime fast nur noch Melodie Zeugs.

Wenn du an eigenen Tracks arbeitest fängst du immer bei null an, bei einem Remix sind einige Elemente schon vorgegeben. Welche Arbeitsweise gefällt dir besser?

Beides hat natürlich seinen Reiz. Oft setze ich mich ins Studio und hab keine Idee die mich richtig packt. Dann kommt so ein Remix sehr gelegen. Trotzdem ist es natürlich am schönsten einen eigenen Track zu machen, der einen richtig umhaut.

Was ist eigentlich dein Ziel beim Remixen? Einem Track clubbiger zu machen? Eine persönliche Note zu geben? Den Track eventuell sogar besser zu machen?

Also definitiv besser zu machen, nach meinem Verständnis. Ich schaue mir an was das Original transportiert und merke dann oft, dass die Message noch viel deutlicher rübergebracht werden kann. Das kann Peaktime oder Chillout sein, der Stil ist egal.

Wichtig ist mir die Aussage des Stücks, das Gefühl. Darum geht es ja in Musik und um nichts anderes.

Dein Studio hast du dir in einer schönen Umbegung im Wald eingerichtet. Wie beeinflusst dieser Ort deine Musik?

In erster Linie bin ich dort um nach den anstrengenden Wochenenden zu entspannen, das klappt auch ganz gut. Aus der Stadt zu ziehen war eine super Entscheidung. Auf der anderen Seite animiert mich die Natur nicht unbedingt mich Stunden lang ins Studio zu setzen und auf den Computer zu schauen und mir Beats um die Ohren zu pfeffern.

Allerdings bin ich auch sehr isoliert, was jetzt dazu geführt hat, dass ich mich mit anderen Stilen mehr beschäftige. Ich arbeite zur Zeit an einem neuen Stil, ein Mix aus Dubstep und mystischen Reggae oder sowas. 75 – 95 BPM, ein flockiges Feeling, schöne Grooves und Melodien und auch ein paar kleine Drops. Sozusagen Dubstep den man auch länger als 25 Minuten hören mag weil er eher rund läuft und einen auch wärmt und nicht nur brettert. Ich hab jedenfalls großen Spaß daran.

Was kam bei dir zuerst? Der Remix oder eigene Tracks?

Haha, das ist eigentlich eine blöde Frage, aber wenn ich drüber nachdenke, dann auch wieder nicht.

Natürlich hab ich eigene Musik gemacht. Es war jetzt nicht so, dass mich Josh Wink damals über Post in mein Kinderzimmer im Keller angeschrieben hätte und mir ein DAT mit seinen Spuren dabei gelegt hätte. Also rein technisch war das auch unmöglich. Ich hatte ein Yamaha TG 100 General Midi Soundmodul mit 128 Sounds, inklusive Drums, ein Behringer Mischpult, ein Eimerkettendelay (Analoges Delay was etwa so klingt als wenn man den Sound bei jedem Echo mehr verrosten lässt. Eimerkette kommt daher, dass der Sound durch ganz viele Kondensatoren elektrisch verzögert wird. Klingt grauenhaft oder halt gut, je nachdem was man will) und später dann die Roland Groovebox. Das war für mich der helle Wahnsinn was die konnte. Richtige Drums, ein gutes Delay, Reverb (omg) und Automation! Wahnsinn.

Sampling war allerdings undenkbar und Mehrspur Audio auch. Ein Sampler mit 2 mb Speicher kostet 2000 Mark. Für mich völlig unerreichbar.

Aber um auf die Frage zurück zu kommen. Ich habe natürlich anfangs extrem viel kopiert. Dachte ich zumindest, denn das Ergebnis hatte nur sehr entfernt etwas mit dem Original zu tun. Ich hatte einfach null Ahnung wie das alles funktioniert. Die Leute meinten ich hätte einen eigenen Stil, ich war aber nur unfähig so zu produzieren wie die ganzen Technohelden damals, aus – aber auch weil mich diese Schrottsounds so verkorkst haben, dass ich dachte ich müsste alles bis zum erbrechen EQen und übersteuern. Zum Glück komme ich so langsam dahinter das man das ja gar nicht muss bzw. sollte.

Woran arbeitest du in der Regel länger? Am Remix oder an eigenen Tracks?

An eigenen Tracks. Viel länger. An einem Remix hat man ein Thema, vorgegebene Elemente usw. Wenn ich nach 2 Tagen nicht etwas Handfestes habe, kommt das Projekt in die Tonne. Ich kann mir einfach nicht länger die selben Samples anhören, ich kriege sonst Schweißausbrüche und zweifle daran, ob ich wirklich Musiker sein will.

Bei eigenen Stücken fange ich mit dem Stück erst richtig an, wenn es etwas ganz besonderes hat worum es sich aufbaut. Etwas was mich wirklich tief berührt und interessiert. Das kann auch ein knackiger Beat sein, also mit berühren meine ich nicht nur die Pipi in den Augen Emoschiene. Wenn das nicht da ist, schmeiße ich gern auch alles weg und suche und forsche nach etwas neuem, manchmal tagelang, bis ich etwas habe.

Am 24. Februar erscheint die “Selected Remixes Compilation” von dir. Was erwartet uns bei diesem Release?

Viele viele bunte Remixe. Viele davon haben mit dem Original nicht viel zu tun und deshalb verdienen sie ein Albumformat, finde ich. Interessanterweise machen die Remixe als Album auch total Sinn. Mann kann sich die 2 CDs wunderbar reinziehen ohne rumskippen zu müssen. Ich freue mich sehr, dass wir das jetzt machen, denn ich denke dass die Remixe zu meinen besten Produktionen der letzten Jahre zählen. Nur sind sie halt überall verstreut raus gekommen, unter zig unterschiedlichen Künstlernamen.

Das könnte dich auch interessieren:
Gabriel Ananda – DJ Charts
Loveland Barcelona – Gabriel Ananda im Interview
Gabis eher nicht so dolle DJ-Karikaturen