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Sein Name klingt schon ein wenig seltsam. Gesaffelstein. Ein Mix aus dem deutschen Wort Gesamtkunstwerk und dem Physiker Einstein. Wie der „Affe“ dazwischen geraten ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Noch seltsamer klingt der Name vor dem Hintergrund, dass der Mann eigentlich Mike Levy heißt. Und das wiederum klingt nicht deutsch, aber auch nicht französisch, dabei stammt er aus Lyon. Von Paris aus ist es Levy in den letzten Jahren gelungen, sich dank seines speziellen musikalischen Ausdrucks einen außergewöhnlichen Ruf aufzubauen. Treibender Dark Techno trifft auf atmosphärische Soundlandschaften, so entsteht Electronic Body Music der Neuzeit, die dies- und jenseits des Tanzflures funktioniert. Medial hält sich Levy hingegen gerne zurück. Anlässlich der Veröffentlichung seines ersten Albums „Aleph“ ließ er sich nun aber doch zu Antworten auf einige lang schwelende Fragen hinreißen.

„Als ich mit dem Musikmachen begann, war zeitweise eine Menge über mich zu lesen. Irgendwann habe ich einfach keinen Sinn mehr darin gesehen, mich in Interviews ständig zu wiederholen,“ erklärt er seine geringe Gesprächsbereitschaft der vergangenen Jahre. „Ganz früher habe ich nicht einmal damit gerechnet, eines Tages selbst Musik zu machen. Ich habe mich eher für Kunst interessiert.“ Als Levy im jungen Teenageralter erstmalig Techno zu hören bekommt, ist es jedoch um ihn geschehen. „Ich fand ein paar CDs im Zimmer meiner Schwester – von diesem Zeitpunkt an begann ich, selbst Platten zu kaufen.“ Es ist insbesondere Green Velvet, der Levy nachhaltig beeindruckt. „Ich ging seine Referenzen durch und entdeckte, dass er ein EBM-Fan war. Bald hörte ich Bands wie Front 242 und Nitzer Ebb. ‚Computerwelt‘ von Kraftwerk war besonders wichtig für mich. Dieses Album ist die Basis für alles, was heute passiert. ‚Geography‘ von Front 242 ist das düstere Äquivalent dazu. ‚Join In the Chant‘ von Nitzer Ebb ist die perfekte Electronic Body Music, Musik für den Körper. Ich dachte: ‚Das ist interessant: Sie übernehmen die Codes von Kraftwerk und verarbeiten sie zu kalter, tanzbarer Musik.‘ Dopplereffekt, Drexciya und Underground Resistance erscheinen mir reicher als eine Technoplatte, zu der man perfekt tanzen kann, die darüber hinaus aber nichts bietet.“ Als Mike mit 16 die Synthesizersammlung seines Nachbarn bestaunen darf, steigt er langsam in das Thema Produktion ein. Mit 18 mitsamt seiner Familie Lyon zu verlassen, um nach Paris zu gehen, legt einen weiteren Grundstein für seine Karriere. Doch soll es noch eine ganze Weile dauern, bis daraus ein ernstzunehmender Beruf wird. „Ich wusste nicht, was ich mit meinem Leben anfangen sollte. Ich hatte Schule und Studium vorzeitig abgebrochen und viel dummes und sinnloses Zeug gemacht. Deshalb konzentrierte ich mich auf die Musik. Sie war das Einzige, das mich wirklich begeisterte. Aber auch als meine ersten Platten erschienen, strebte ich noch keine Karriere als Musiker an.“ Heute ist Unentschlossenheit für Levy ein Fremdwort und Musik weiter seine Passion. „Für mich ist Techno kein eigenes Genre, sondern eine Plattform, die es ermöglicht, Stile und Genres wie Disco, Jazz, Funk oder Soul zu verbinden. New Wave und Industrial sind die Gene, Techno ist die Zukunft. Ich versuche, die Gegenwart zu definieren. Es gibt dieses Sprichwort: Wo Worte enden, fängt die Musik an – ich glaube, das beschreibt meine Musik auf den Punkt!“ ENDE. Zeit für Musik.

 

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