Von wann bis wann warst du im Club-/Musikbusiness tätig, und was hast du dort genau gemacht?
Anfang der 90er-Jahre bin ich eher zufällig hinter den Plattenspielern gelandet. Zuerst beim Gay Tea Dance im damaligen Quartier (heute Wintergarten) und im Fischlabor, da konnte ich mich ausprobieren. Dann später kam mit dem Sonntag im 90° meine erste eigene Nacht dazu (zehn Stunden am Stück hinterm Mischpult), dann begann ich im planet, (dem Vorläufer des e-werks) und im Tresor. Dann gings irgendwann auch in die weite Welt und in so ziemlich jeden dritten Club Deutschlands. 1997 und 1998 war ich Moderator und Redakteur von Berlin House, der Spartensendung von VIVA, ’98 und ’99 Pressesprecher der Loveparade und habe es geschafft, mich in zwei Jahren komplett zu überarbeiten. Das war auch der zweite Grund, mit dem Deejaying aufzuhören.

Was genau machst du jetzt?
Ich arbeite freiberuflich als Cutter für verschiedene Produktionen, von Dokumentationen und wissenschaftlichen Filmen über Werbung bis hin zu „The Voice“. Ansonsten habe ich ein spannendes Leben und lasse es mir meist gut gehen.

Warum hast du beschlossen, diesem Business den Rücken zu kehren? Gab es eine Initialzündung oder war das ein schleichender Prozess?
Ich habe irgendwann gemerkt, dass mich der Job zu viel Kraft kostet. Einerseits gab es immer mehr Konkurrenz durch ein Übermaß an Kollegen und solchen, die es werden wollten. Auf der anderen Seite standen meine persönliche Entwicklung und die der Szene in Berlin. Ich hatte in zehn Jahren ein paar Illusionen weniger und auch ein Leben am Tag, außerhalb des Nachtzirkus. Dieses Leben wurde mir irgendwann wichtiger als die Jagd nach Beats und Bässen.

Wie hat sich deine Karriere/dein Arbeitsleben seit deinem Ausstieg seinerzeit entwickelt?
Mein Leben ist jetzt anders, meine Arbeit auch. Ich habe die Entscheidung nie bereut, kein DJ mehr zu sein, aber genauso wenig habe ich die Jahre an den Plattenspielern jemals bereut. Ich bin heute lieber im Team, am Tag und mit klarem Verstand bei der Sache, aber ich bin immer noch glücklich, wenn an die Nächte im Rudel ohne Verstand denke.

Gibt es bis heute noch bestehende Berührungspunkte mit dem Musikbusiness?

Ich bin immer noch mit denen befreundet, mit denen es Berührungspunkte gab, die mehr waren als Business. Alle anderen laden mich dauernd auf Facebook zu irgendwas ein.

Welche Musik hörst du aktuell und in welchem Format legst du dir deine Musik zu?

Ich höre eher mehr Musik als früher (inzwischen allerdings komplett digital), und ich höre sie auch mit anderen Ohren. Es gibt auch nach Techno einen anderen Sound in anderen Genres. Musik von Leuten wie Kreidler, Brandt Brauer Frick oder Anna Meredith gäbe es nicht, wenn nicht ein paar Überzeugte vor über 20 Jahren in modrigen Kellern ihr letztes gegeben hätten. Davon war ich einer.