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Gibt es jetzt ein Trance-Revival?

Nina Kraviz spielt Binary Finary in ihrem Set auf Ibiza und Trance ist zurück? Bullshit! Adam Beyer spielt Radio Slaves Edit von „Love Stimulation“, und wir haben ein Trance-Revival? Bullshit! Die englischsprachige Presse versucht gerade ein Trance-Revival herbeizureden. Nur weil diverse erfolgreiche DJs ab und zu in ihre Techno- oder House-Sets einen Klassiker aus dem Genre Trance einflechten, ist die mittlerweile in Verruf geratene Musikrichtung nicht mehr aus den Fängen von holländischen Protagonisten zu retten. Karotte hat in der Kiesgrube „The Age Of Love“ gespielt, Laurent Garnier hat diesen Klassiker auf der Time Warp gedroppt. Natürlich sind die Leute ausgerastet, weil sie die Produktion von Emmanuel Top noch kennen und ab und zu Melodien ganz gut im Set ankommen. Aber deswegen ein Trance-Revival zu propagieren ist Unsinn. Wobei, was ist Trance? Wenn Sven Väth im Interview behauptet, er spiele seit Jahren Trance – allerdings hat er dies nicht uns gegenüber geäußert – meint er den von ihm mit kreierten Sound à la „L’Esperanza“ – vor gar nicht allzu langer Zeit von Âme großartig auf Cocoon geremixt – und seine immer noch währende Vorliebe für Progressive Trance mit Goa-Einflüssen à la „The Harlequin“.

Was ist Trance eigentlich? Anfang der 1990er Jahre, als die zwar noch nicht so von Westbam benannte aber letztendlich schon bestehende Raving Society ein wenig ausgepoweret war und auch gerne in Ambient-Räumen auf Raves Kräfte sammelte, entstand das auf melodisch-harmonischen Rhythmen basierende Genre, das sich sehr bald in diverse Subgenres abspaltete. Natürlich gab es den Begriff schon eher, denn die legendäre britische Kombo THE KLF nannte ihren Sound im Jahre 1989 ‚Pure Trance‘. Große Label zum Beginn von Trance waren MFS (Berlin) mit Acts wie Paul van Dyk, Cosmic Baby und Humate und Sven Väths Label Eye Q (FFM) mit Cygnus X, Odyssee of Noises oder Earth Nation. Gegen Ende der 1990er Jahre erlebte ‚Trance‘ seinen kommerziellen Durchbruch mit Stücken wie „Children“ von Robert Miles der „7 Days And 1 Week“ von B.B.E. – Emmanuel Top.

In Holland startete hingegen eine Phalanx aus jungen Produzenten ihren Siegeszug, der vor allem im englischsprachigen Bereich der Welt inklusive UK bis heute nicht beendet ist. Dazu zählen diverse DJ-Mag-Top-100-Gewinner wie Tiësto, Armin van Buuren und Ferry Corsten. Auch in Großbritannien meldeten sich Produzenten mit Trance-Sounds, die im Laufe der Jahre oftmals cheesiger und EDM-lastiger wurden, zu Wort. Above & Beyond oder der gute alte Oakie sind hier sicherlich als Erste zu nennen.
Aktuell ist Trance eher ein Schimpfwort im Techno-Biz. Allerdings nur, weil viele Leute den aktuellen EDM-Sound als Trance charakterisieren.

Der ursprüngliche Trance-Sound, der eine atmosphärische Variante von Techno gewesen ist, wird heutzutage nur sehr selten gespielt. DJ Dags Nature-One-Schluss-Set ist am ehesten mit den guten alten Sounds zu vergleichen. Und auch wenn alles wiederkehrt – Trance im 1990er Stil wird wohl nicht wiederkehren.

Allerdings gibt es zu beobachten, dass diverse Techno-Produzenten – hier ist vor allem der grandiose Boris Brejcha zu nennen, aber auch Gregor Tresher, Stephan Bodzin oder Robert Babicz – sich nicht scheuen, in ihre Releases eingängige Melodien einzubauen. Und das jeweils großartig. Ob man Gregor Tresher jedoch einen Gefallen damit tut, seine Produktionen als Trance zu bezeichnen, fragt ihr ihn am besten selbst.

Wenn ihr Interesse daran habt, ‚echten‘ Trance zu hören – let’s go

This is Trance
1990: Age of Love – The Age of Love
1992: Jam & Spoon – Stella
1992: Zyon – No Fate
1993: The Visions of Shiva – How Much Can You Take
1993: Energy 52 – Cafe del Mar
1993: Vernon – Vernon’s Wonderland
1993: L.S.G. – Fragile
1996: B.B.E. – 7 Days and 1 Week
1998: Paul van Dyk – For An Angel
1999: Chicane – Saltwater

 

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