the glitch mob
Liebe, Tod und Unsterblichkeit. Einen teuflischer Pakt, den The Glitch Mob an der Westküste der USA geschlossen haben. edIT, Boreta und Ooah – auf diese Künstlernamen hören Ed, Justin und Josh – präsentieren ihr zweites Album „Love Death Immortality“ und setzen so ein großes Ausrufezeichen. Damit werden Stadien gerockt und die Metamorphose von Dubstep jenseits des Atlantiks hin zu Was-auch-immer-aber-es-rockt geht weiter. Das Trio stört das wenig, und es liefert ein spannendes Konglomerat von Songs ab, die ganzheitlich berühren. Vom wippenden Kopf bis zum tanzenden Bein. Eine Bestandsaufnahme mit Justin Boreta.

Love Death Immortality – Attribute, die eure Songs repräsentieren?
Das Leben ist unsere wichtigste Inspirationsquelle. Wir erzählen eine Geschichte, die uns alle verbindet, wobei die Musik größer ist als wir alle. Jeder Song hat eine Emotion oder repräsentiert Geschichte. Wir überlassen das dem Hörer, wie er das für sich interpretiert.

Mehr als drei Jahre sind seit eurem Debütalbum „Drink The Sea“ vergangen. Wie hat sich eure Herangehensweise an die Albumproduktion verändert?
Nun, als Mensch wie auch als Künstler verändern wir uns ständig, und daher sind so viele Dinge bei diesem Release anders. Unser Stil vom Mixen bis hin zum Songwriting; die Tempi, die wir für unser Erforschen ausgesucht haben: die technische Herangehensweise und die Art des Editierens: der ganze Weg hin zur gewählten Ästhetik, dem Look und dem Gefühl, was wir dieses Mal versuchen, der Welt mitzuteilen.

In den letzten Jahren seid ihr viel auf Tour gewesen, und so hat sich der Sound eurer Aussage zufolge von introvertiert (DTS) zu extrovertiert (LDI) entwickelt. Wie ist es dazu gekommen.
Ich denke, der beste Weg diese Idee zu erklären ist, dass wir die ganze Zeit an die Live-Show und die das Publikum gedacht haben, als wir „Love Death Immortality“ geschrieben und konstruiert haben. Und wie die Songs in diesem Setting wirken könnten im Gegensatz zu „Drink The Sea“, bei dem wir den Fokus mehr auf ein Zuhörerlebnis gelegt haben als auf die Bühnenumsetzung. Und obwohl wir auch darauf geachtet haben, dass man sich das Album auch einfach nur anhören kann, war es uns wichtig, wie man eine große Crowd mit dem Sound bewegt und ein eindrucksvolles Tanzerlebnis schaffen kann.

Touren also als Lebenselixier und Inspirationsquelle?
Wir lieben es, auf Tour zu gehen. Es kann in vielen Momenten stressig sein, aber das gehört eben dazu. Wir machen das für unsere Fans und die Tatsache, dass wir diese Zeit mit ihnen teilen. Nächte durchzutanzen und die Musik zu feiern ist unbestritten eins der besten Gefühle, die wir haben können. Unsere Musik vor so vielen Fans zu spielen, ist ein Geschenk, für das wir sehr dankbar sind.

Wir habt ihr euch eigentlich kennengelernt? Und wie erwuchs daraus die Idee mit der Band?
Wir sind viele Jahre vorher durch die Liebe zur elektronischen Musik und das Auflegen auf Underground-Partys an der Westküste. Wir haben uns immer wieder gemeinsam im Line-up wiedergefunden, und so haben wir es auch mal zu dritt ausprobiert und gemerkt, dass es funktionierte. Mit der Zeit entwickelten wir gemeinsam die Bandidee, so wie wir auch gute Freunde wurden und eine ähnliche Vision von Musik teilten.

Wie und wann ist „Love Death Immortality“ entstanden?
Im September 2011 zogen wir uns in die Wüste in den Joshua Tree Nationalpark. Dort arbeiteten am Konzept, dem Vibe und dem großen Bild, das das Album abgeben sollte. Wir hatten um die 50 Songskizzen, die wir in den beiden Jahren darauf auf zehn Songs filterten. Das nahm eine Menge Arbeit in Anspruch, da wir alle drei sehr detailversessen sind. Man könnte meinen, dass es zu dritt schneller geht, aber dem ist nicht so. Wir sind jeder auf seine Art und Weise wählerisch, also dauert es, alle Ansprüche zu befriedigen. Aber wir wussten, das wenn alle drei Instanzen durch sind, dass dann jeder von uns glücklich mit dem Ergebnis ist. Die meisten Songs haben sich durch ca. 250 Versionen gequält.

Seid ihr einem Plan gefolgt, in welche Richtung das Album gehen sollte?
Absolut. Wir wollten eine Geschichte erzählen, die epischer und größer als das Leben ist. Mit vielen verschiedenen Ebenen und Emotionen. Dieses Album ist für unsere Fans, wir haben ein sehr enges Verhältnis zu ihnen. Es geht nicht wirklich um uns, es geht um Verbindungen, Empathie und Katharsis.

Auf dem Album gibt es nur weibliche Stimmen, was ist der Grund dafür?
Wir haben sowohl Sänger als auch Sängerinnen ausprobiert. Mit den Sängerinnen klingt es einfach besser, und es gibt der Musik eine Balance.

Ihr veröffentlicht eure Musik von Anfang an auf eurem eigenen Label Glass Air. Besser man behält de Kontrolle?
Absolut. Es ist sehr wichtig für uns, die komplette kreative Kontrolle zu haben. Ein eigenes Label zu haben, erlaubt es uns in jeden Aspekt involviert zu sein – Cover-Artwork, Live-Show, Merchandise, Social Media usw.

Wie würdet ihr eigentlich euren Sound beschreiben? Manch einer würde es Dubstep nennen …
Wir nennen es einfach den Glitch Mob. Es hat seinen eigenen Geist. Was denkt ihr?

Wie ihr ja erwähnt habt, seid ihr alle drei sehr detailverliebt und braucht eine gewisse Zeit, um auf einen Nenner zu kommen. Ist es nicht auch manchmal schwierig in einer Dreier-Konstellation? Zwei gegen einen? Wie läuft das im Studio?
Für uns ist es dadurch tatsächlich einfacher, es ist sehr ausbalanciert, wie ein Dreieck. Entscheidungen fallen schneller in einer ungeraden Konstellation. Auch im Studio speziell gibt es keine Probleme. Man vertraut den anderen und glaubt an sie. Wir sind ehrlich und transparent untereinander. Das hilft ungemein und kommt der Inspiration zu Gute. Check dein Ego an der Studiotür, dann öffne sie …

Seit Jahren wächst EDM in allen Schattierungen weltweit. Wie hat sich das auf eure Karriere ausgewirkt?
Es hat uns natürlich auch geholfen, denn es ist ja mittlerweile sehr einfach neue Musik zu entdecken. Mehr und mehr Leute kommen und lauschen unserer Musik. Es gibt einen großen Zustrom von neuen Fans, neuer Energie, Technologie und Musik – das ist sehr inspirierend, ein Teil davon zu sein.

Wie sehen eure weiteren Pläne für 2014 aus?
Wir arbeiten an neuen Live-Shows, programmieren und designen die Elemente der Bühne. Wir bereiten die Albumveröffentlichung vor und arbeiten an einer internationalen Tour. Seit wir unser Label haben, gibt es eben auch viel hinter dem Vorhang vorzubereiten.

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www.theglitchmob.com 

19.05. A-Wien, Flex
20.05. CH-Zürich, Komplex Klub
21.05. Darmstadt, Centralstation
22.05. Hamburg, Uebel & Gefährlich
23.05. Berlin, Gretchen Club