2018_07_PdW_Jazzanova

Meistens hat es einen guten Grund, warum gestandene Musiker lange nicht ins Studio gehen um neue eigene Stücke zu produzieren. So auch beim weltweit gefeierten Musikerkollektiv Jazzanova. Zehn Jahre hat es gebraucht bis ihr neues Album „The Pool“ herauskam. Es ist das dritte. Aber wie man schon anhand der einleitenden Worte erahnen kann, waren die DJs und Producer der Formation nicht untätig. Über die Jahre arbeiteten sie an einer Vielzahl verschiedener Projekte. Sie waren auf Tour mit ihrer Live-Band, moderierten Radio-Shows, als DJs legten sie in den renommiertesten Clubs der Welt Platten auf und begaben sich auch durchaus in ihr wunderschönes Studio in Berlin-Prenzlauer Berg, wo die Großmeister des Samplings Tracks von Hugh Masekela, Joe Bataan, Aron Ottignon, Malika Ayane und vielen weiteren Künstlern remixten. Im legendären Studio des DDR-Rundfunk-Orchesters in Berlin spielten sie ein Live-Album mit ihren Best Ofs ein und zu allem umtriebigen Dasein kommt noch das Kuratieren ihrer eigenen Labels Sonar Kollektiv und Notes On A Journey hinzu. Aber gerade all diese verschiedenen Aktivitäten über die vergangenen 20 Jahre beeinflussten die musikalische Entwicklung der Autodidakten, die sich in der Clubszene Berlins kennenlernten und über den Hiphop zu Funk, Soul und Jazz kamen. Diese verschiedenen Einflüsse wollten die Jungs von Jazzanova, allen voran die beiden Produzenten Axel Reinemer und Stefan Leisering in einem neuen Longplayer bündeln. Auf zwölf Tracks findet sich eine Momentaufnahme der musikalischen Entwicklung der Band. Die kreativen Strömungen der letzten zwei Jahrzehnte fließen auf ganz natürliche Weise in die musikalischen Verästelungen des Albums ein – dazu tragen die zwölf verschiedenen Vocalisten entscheidend bei, kommen sie doch alle aus sehr unterschiedlichen musikalischen Ecken. Der Rapper Odissee eröffnet das Album auf dem Song „Now“. Backgroundgesang, Drum Machines und der Sprechgesang erinnern an die ursprünglichen Anfänge des Jazz. Auf „Sincere“ leiht Sänger Noah Slee den R&B-gesättigten Beats seine Stimme, die an den frühen Justin Timberlake erinnert. Bei „Let’s Live Well“ arbeiten die Jazzanovas mit keinem Geringeren als Jamie Cullum zusammen, der bekennender Fan des Kollektivs ist. Das Lied klingt wie ein Bekenntnis, wie ein Versprechen, eine Musik gewordene Sehnsucht ohne schwülstig zu sein und hat definitiv das Zeug, ein Hit zu werden. Die Pop-Ballade geht direkt unter die Haut. Mit Rachel Sermanni ist eine Folk-Sängerin auf „Rain Makes The River“ vertreten. Die zweite Lady auf dem Album ist Charlotte OC, keine Unbekannte, mit fragilem Pop-Gesang auf „Everythin I Wanted“. „I’m Still Here“ ist ein Ambience-Stück, das gut morgens nach einer Clubnacht mit Blick auf den Sonnenaufgang gehört werden kann. Treibender ist das funky-clubbige „It’s Beautiful“, besungen von Paul Randolph, langjähriger Kollaborateur der Band. Insgesamt wird das Album von einem recht poppigen elektronischen Mantel umhüllt, der Funk, Soul und (Nu) Jazz locker umarmt. Die Finesse des Samplings, die hier über die Klangbearbeitung Eingang findet, schmiegt sich organisch in das Gesamterlebnis. Trotz der vorwiegend elektronischen Produktion, ein starkes Album, das die einzelnen Strömungen harmonisiert und insgesamt wie aus einem Guss klingt. Nananaa