Der Niederländer Joris Voorn ist dank seiner weltweiten Gigs und zahlreichen Releases einer der renommiertesten DJs und Produzenten der Techno-Szene. Um die Jahrtausendwende herum begann der 41-Jährige für seine Auftritte Earplugs zu verwenden, um seine Ohren zu schützen. Warum Earplugs nicht nur für DJs enorm wichtig sind, sondern auch für den normalen Club- und Festivalbesucher, erzählt Joris im persönlichen Gespräch.

 Joris Voorn27 by Jos Kottmann5

Hattest du jemals Probleme mit deinem Gehör? Wurden sie durch das DJing verursacht und was hast du gemacht, als du es bemerkt hast?

Vor 20 Jahren begann ich Earplugs zu benutzen, nachdem ich das Gefühl hatte, dass meine Ohren zu sehr dem Sound ausgesetzt sind. Ich war mir nicht ganz sicher, aber vielleicht wurde ich ein wenig paranoid. Ich komme aus einer musikalischen Familie und durfte als Kind nie Kopfhörer benutzen. Meine Eltern hatten Angst vor einem Hörverlust, also haben sie darauf geachtet, dass ich vorsichtig mit meinen Ohren umgehe.

Welche Art von Earplugs verwendest du?

Zuerst nutzte ich keinen qualitativ hochwertigen Gehörschutz aus einem herkömmlichen Musikgeschäft. Sie erledigten ihren Job, aber ich mochte sie beim DJing nicht, da sie den Sound zu sehr verpfuscht haben. Ich habe sie allerdings trotzdem ein paar Jahre lang benutzt. Einige Jahre später hatte ich eine Sonderanfertigung mit einem Minus-15-Dezibel-Filter, die waren wesentlich besser. Es ist wichtig, dass man einen Gehörschutz mit Musikfilter verwendet, der ein übermäßiges Rauschen dämpft, dass aber der volle Klang der Musik erhalten bleibt. Solche sind als vorgeformte Earplugs in Einheitsgrößen für jedermann erhältlich. Als professioneller DJ entscheide ich mich natürlich für eine Sonderanfertigung, weil sie bei mir auch sehr häufig zum Einsatz kommen.
Tragen auch andere DJs, die du kennst, Earplugs?

Einige tun es, aber nicht alle. Ich habe auch gesehen, dass einige DJs in letzter Zeit angefangen haben, sie zu tragen. Ich spiele oft mit DJs zusammen, die keine Earplugs benutzen. Das kann ich allerdings nicht nachvollziehen, weil es einfach sehr laut ist im Club. Viele DJs sagen, dass sie in Clubs Earplugs tragen, aber nicht beim Spielen. Meiner Meinung nach ist aber genau das, wo man sie am meisten braucht.

Das Bewusstsein und die Akzeptanz hat sich im Laufe der Jahre geändert. Sowohl für DJs als auch für Festivalbesucher?

Ich denke schon. Es ist heutzutage ganz normal. Aber ich sehe trotzdem keine Clubber, die Sonderanfertigungen tragen. Obwohl das so ziemlich der einzige Weg ist, ein hervorragendes Clubbing- oder Festivalerlebnis mit dem optimalsten Gehörschutz zu kombinieren.

Du spielst viel im Ausland. Bemerkst du einen Unterschied in Bezug auf die Lautstärke des Soundsystems in den jeweiligen Ländern?

Die Regeln und Vorschriften sind je nach Land unterschiedlich. Wenn du auf einem Festival in London bist, ist die Lautstärke wirklich gering, da die Stadt nichts über 95 Dezibel zulässt. Für ein gutes Festivalerlebnis reicht das bei elektronischer Musik aber leider nicht aus. Frankreich zum Beispiel hat auch ziemlich strenge Gesetze für den Geräuschpegel. Ab Oktober beträgt der maximale Lärmpegel hier 102 Dezibel. Es gab viele DJs, die sich dem widersetzten, wie zum Beispiel die Legende Laurent Garnier. Sie hatten Angst, dass man dadurch die Musik nicht mehr „fühlt“. Die Lautstärke ist jedoch immer selbst bei 102 Dezibel schädlich.

Hältst du eine Lärmgrenze für sinnvoll?

Aus der Sicht des Gehörschutzes natürlich, aus Sicht eines guten Clubbing-Erlebnisses nicht unbedingt. Es gibt Gesetze wie zum Beispiel in Belgien, wo Festivals verpflichtet sind, kostenlosen Gehörschutz anzubieten. Das sind allerdings Schaumstoff-Earplugs, weil sie billig sind und das Ohr komplett verschließen. Gute Filter-Earplugs kosten ab 10 Euro aufwärts und bieten schon einen guten Schutz. Wenn jeder Earplugs benutzen würde, wäre es viel sicherer. Das Problem ist auch, dass der Klang nicht überall in einem Raum oder Gebiet gleich ist. Je näher man an den Lautsprechern ist, desto schädlicher ist es. Man braucht allerdings eine höhere Lautstärke, um auch Menschen ein gutes Hörerlebnis zu ermöglichen, die nicht direkt vor den Boxen stehen. Ein gutes Lautsprecherkonzept kann da definitiv helfen. Natürlich wurden auch die Soundsysteme im Laufe der Jahre immer besser. Um den persönlichen Schutz der Ohren zu gewährleisten ist es sinnvoll, nicht zu nah an den Boxen zu stehen und generell Earplugs auf Festivals und Events zu benutzen.

Was würdest du den Techno-Liebhabern raten, die deine Shows besuchen?

Bitte verwendet auf jeden Fall qualitativ hochwertige Earplugs, wenn ihr einer hohen Lautstärke ausgesetzt seid. Ich sage das jedes Mal, wenn mich die Leute danach fragen, weil ich sie ja auch selbst benutze. Es macht das Erlebnis auf lange Sicht viel besser und kann auch in der Nacht viel komfortabler sein. Ihr brauchst vielleicht etwas Zeit, um euch an den Unterschied zu gewöhnen, aber eure Ohren werden euch dankbar sein, vertraut mir.

Was könnte man machen, um das Bewusstsein für das Tragen von Earplugs bei Clubbern und Festivalbesuchern zu schärfen?

Sie könnten in einer Clubnacht oder auf einem Festival zur Verfügung gestellt werden. Fürs Erste wäre es wichtig für Clubber, in Filter-Earplugs zu investieren, wenn einem die persönliche Gesundheit am Herzen liegt. Zudem sollte man Menschen mehr vor lauter Musik warnen, auch wenn die Gefahr eigentlich offensichtlich ist. Auch die Durchführung von Anproben in Clubs oder Festivals wäre toll und könnte das Bewusstsein wecken. Aus logistischer Sicht und aus Kostengründen ist das allerdings schwierig. In den Niederlanden gibt es aber zum Beispiel auf jedem großen Festival Filter Earplugs.
Die Leute müssen wissen, dass es ein Risiko gibt, wenn man laute Musik hört. Andererseits sollten sie aber auch wissen, dass es einen sichereren Weg gibt, um eine gute Zeit zu haben.

In wenigen Wochen wird das Amsterdam Dance Event stattfinden. Auf welchen Partys wirst du auflegen?

Am Donnerstag lege ich im Amsterdamer Hauptbahnhof auf der „Audio Obscura x Spectrum“ auf – all night long! Am Samstag folgt dann „ Awakenings x Joris Voorn & Friends“, u. a. mit Boris Brejcha und Stephan Bodzin. Dazu kommen noch zwei Events, die erst kurzfristig angekündigt werden.

Was denkst du generell über das Amsterdam Dance Event und dessen Bedeutung?

Das Amsterdam Dance Event ist meiner Meinung nach das wichtigste elektronische Event weltweit und bringt Menschen aus der ganzen Welt zusammen, um großartige Musik miteinander zu feiern und zu genießen!

Gibt es für dich in diesem Jahr noch ein bestimmtes Highlight?

Ich mache gerade meine North America Spectrum Tour, die definitiv ein Highlight ist. Ich spiele intimere Orte, als ich es heutzutage gewohnt bin und die Interaktion mit der Menge ist wirklich fantastisch.

 

 

Aus dem FAZEmag 080/10.2018
Text: Denise Kelm
Foto Joris Voorn: Jos Kottmann

 

 

 

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