Keiner war von den Ergebnissen unseres Polls in diesem Jahr überraschter, als Klaudia Gawlas selbst. Während wir schon ahnten, dass sich die Passauerin nach einem wahnwitzig erfolgreichen Jahr ganz oben in den Ranglisten wiederfinden würde, konnte sie ihr Glück bei Überbringung der frohen Botschaft kaum fassen. Platz 1 bei den Durchstartern, Platz 2 bei den DJs national und dann auch noch mit ihrer Version des Editors-Songs „Papillon“ hoch platziert. Was will man mehr? Ein Album vielleicht? Ja bitte! Und tatsächlich arbeitet Klaudia gerade an ihrem Debütlongplayer, der im Frühjahr unter dem Titel „Zeitgeist“ erscheinen wird. Jetzt aber gibt es „Papillon“ – nach zahlreichen Nachfragen endlich – auch ganz offiziell zu erwerben, nachdem das Teil schon seit einigen Jahren in ihren eigenen Sets ein wahrer Dauerbrenner ist. Wir haben die Gunst der Stunde genutzt und Klaudia vorab überreden können, den März-Download-Mix zu erstellen. Einer Bitte, der sie aus Dank an alle FAZEmag-Leser, die für sie stimmten, natürlich gerne nachkam.

Du hast in unserem diesjährigen Poll gleich dreifach abgesahnt. Zweite bei den DJs national, Erste bei den Durchstartern, dann noch mit „Papillon“ dabei. Was bedeutet dir das?
Klaudia Gawlas: Es freut mich sehr, dass mich so viele Leute bei meiner Musik unterstützen. So ein Poll kann sehr motivierend sein, es gibt mir Mut und Sicherheit in dem, was ich mache. Es ist auch schön zu sehen, dass diese Musik reift und die Energie wieder da ist. Was ich allerdings schade finde ist, dass sehr wenige Frauen in den aktuellen Polls zu finden sind. Ich hoffe das ändert sich vielleicht mal. Deshalb doppelt Danke an alle, die mir ihre Stimme gegeben haben.

Wie siehst du dich selbst? Bereits als gestandenen DJ oder noch am Anfang deiner Karriere? Kann es ein konkretes Ziel überhaupt geben? Wann hat man deinem Gefühl nach den DJ-Olymp erreicht?
Darüber mache ich mir keine großen Gedanken. Ich mache Musik, weil ich es liebe und nichts anderes auf der Welt machen möchte. Mein ganzes Leben war und ist der Musik untergeordnet. Ich denke schon, dass ich eher am Anfang stehe. Ich habe erst vor fünf Jahren angefangen zu produzieren, bei all dem was es da zu wissen gibt, wird mein Leben zu kurz sein, fürchte ich. Aber ich bin hungrig danach. Die Technik verändert sich ständig, sie entwickelt sich weiter, und da ist Stillstand nicht in Sicht. Ich bin der Meinung, dass wir wahrscheinlich erst am Anfang der elektronischen Musik stehen und noch viel nach oben offen ist. Aber der Weg ist das Ziel.

Gerade das Jahr 2012 ist für dich mehr als gut gelaufen. Was waren deine persönlichen Highlights? Was glaubst du hast den Ausschlag für das Ergebnis der Wahl gegeben?
Musikalisch gesehen war es ein sehr gutes Jahr, und es ging ab wie eine Rakete. Da gab es viele Highlights in den Clubs quer durch Deutschland, aber auch auf der NATURE ONE oder anderen großen Festivals bei uns und im Ausland. Was für den Poll letztendlich ausschlaggebend war, kann man allerdings schwer einschätzen. Natürlich ist heutzutage dank Facebook und anderen Social Networks manches einfacher und man erreicht viele Leute innerhalb weniger Stunden.
Aber dass es ein tolles Jahr geworden ist, das habe ich den Leuten unten auf dem Floor zu verdanken und denen, die hinter mir stehen.. Dieses Voting ist für mich ein sehr schöner Abschluss für das letzte Jahr.

Du giltst als eine der sympathischsten und natürlichsten Künstlerinnen der Szene, die ganz ohne Allüren daher kommt. Ist das etwas, dass du dir bewusst bewahrt hast oder wäre etwas anderes schlicht wider deiner Natur? Was denkst du über DJs, die sich anders verhalten?
Ehrlich gesagt habe ich selbst noch nie jemanden erlebt, der irgendwie zickig war. Man hört natürlich einiges, aber jeder muss selbst wissen, wie er seine Mitmenschen behandelt. Ich bin generell ein lebensfroher Mensch und versuche, positiv durchs Leben zu gehen. Auch urteile ich nicht über Herkunft oder Status. Unter den Kollegen wird sehr respektvoll miteinander umgegangen. Wir wollen alle nur Musik machen. Es ist mir wichtig, Menschen gut zu behandeln, das wurde mir so mitgegeben. Aber wir könnten uns alle das Leben viel einfacher machen, würden ein paar Leute auch mal ihre Einstellung ändern, vor allem was Neid, Gedisse und Shitstorms angeht. Negative Energien bringen uns nicht weiter.

Wie motivierst du dich jedes Wochenende aufs Neue für deine Gigs?
Es gab einen Punkt in meinem Leben, an dem ich eine Entscheidung getroffen habe und die war, dass ich Musik machen möchte. Deshalb ist meine Motivation auch immer da. Ich mag es, mit den Leuten abzugehen und zusammen mit ihnen Spaß zu haben. Mittlerweile kenne ich auch paar Gesichter und freue mich dann umso mehr, die Leute wieder zu treffen auf einen Tanz. Dass es sich so weit entwickelt, hätte ich mir auch nie gedacht. Aber es ist meine Lebensaufgabe, mich mit der Musik zu befassen. Ich bin auch gerne unterwegs und habe manchmal richtig Fernweh. Und das Schöne ist, dass man mit dieser Musik fast auf der ganzen Welt zuhause ist.

Die Bookingagentur deines Vertrauens ist Abstract. Warum fühlst du dich gerade dort so gut aufgehoben?
Abstract ist eine der besten Agenturen in Deutschland und sehr renommiert. Da steckt viel Erfahrung hinter, und das Team macht einen guten Job. Wir verstehen uns untereinander auch gut und sind fast wie eine kleine Familie. Sie erledigen einen wichtigen Posten im Ablauf, so kann ich mich noch mehr auf die Musik konzentrieren. Ich bin Abstract sehr dankbar für das Vertrauen, das sie mir entgegen bringen, und bis jetzt hatten wir alle sehr viel Spaß – und das ist letztendlich auch wichtig.

Du hast gemeinsam mit Eric Sneo das Imprint Masters of Disaster neu aufleben lassen. Wie entstand die Idee dazu, und was plant ihr zukünftig für das Label?
Eigentlich wollte ich mein eigenes Label gründen, da ich so viele Tracks als Demo hatte und alle haben in den Clubs super funktioniert. Also war klar, die müssen raus. Eines Tages rief Eric an und fragte mich, ob ich Lust hätte, mit ihm zusammen das Masters wieder aufleben zu lassen. Das war der Startschuss. Wir wollen einfach Tracks veröffentlichen, von denen wir überzeugt sind. Unser Geschmack ist sehr ähnlich, und wir verstehen uns gut. Wenn wir Nachbarn wären, dann wären wir den ganzen Tag im Studio. Ich schätze Eric sehr, nicht nur als Musiker, sondern auch als Menschen. Da werden noch tolle Sachen kommen, die schon in den Startlöchern stehen, und ich hoffe noch viele mehr.

Wie ist die Arbeit daran unter euch aufgeteilt?
Wir hören gemeinsam die Demos an, jeder sagt, was er darüber denkt, und dann entscheiden wir, was wir damit machen. Unter der Woche wird telefoniert und alles besprochen. Viele E-Mails gehen hin und her, vom Cover bis zum Release ist immer viel zu erledigen und es vergeht einige Zeit. Wir sind ja beide auch viel unterwegs, da muss alles genau organisiert und geplant sein. Wir sind uns aber zum Glück immer sehr schnell einig, was die Entscheidungen angeht. Das macht vieles einfacher.

Du bist immer wieder auf den großen I-Motion-Events zu Gast. Welches liegt dir hier am meisten und warum? Was ist das Besondere an den großen Raves?
Das Besondere ist natürlich die Menge an Menschen und die Energie, die entsteht, wenn alles passt. Da verlaufen sich keine aus Neugier, sondern da kommen alle, die hungrig auf Beats sind und es kaum erwarten können, bis es losgeht. Das ist bei uns genauso. Ich spüre das Kribbeln schon morgens beim Frühstück. Jede Veranstaltung ist besonders, wenn sie gut organisiert ist. Und jedes Event ist anders. Vor I-Motion ziehe ich den Hut. Das ist einfach crazy, was da an Technik aufgefahren wird. Man wird als Künstler sehr geschätzt, und der Ablauf ist reibungslos. Das macht bei mir den Kopf frei, und ich kann mich auf den Sound konzentrieren. Es wäre jetzt aber ungerecht ein Event hervorzuheben. I just love them all!

Ziehst du selbst den kleinen Clubgig vor oder ist dir die große Bühne lieber?
Beides ist wichtig. Auf den großen Floors zieht man die besten Tracks, die man hat und ich versuche das Ganze schnell hochgehen zu lassen. Im Club kann man auch schöne Wellen fahren, man kann Tracks gut testen und man ist auch näher an den Leuten dran und hat auch durch Kommunikation Feedback. Trotzdem sind große Events immer noch wie Weihnachten für mich.

Du wohnst nach wie vor in Passau, während alle anderen in die großen Städte streben – Berlin z.B. Warum käme so ein Umzug für dich nicht in Frage? Warum hängt dein Herz ausgerechnet an dieser Stadt?
Ich bin eigentlich durch Zufall in Passau gelandet. Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt, und wie das so ist, wird man schnell heimisch. Ich habe hier meinen Bekannten- und Freundeskreis, und die Stadt ist wunderschön und das Umland sehr idyllisch. Es ist klein aber fein. Die Verkehrsanbindung ist hier auch gut, obwohl alle anscheinend glauben, Passau sei am Ende der Welt. Aber ich habe es nicht weit zum Flughafen, bin in zwei Minuten auf der Autobahn. Das können manche von ihrer Stadt nicht behaupten.

Für das Frühjahr ist die Veröffentlichung deines ersten Albums „Zeitgeist“ geplant. Wie weit bist du gerade damit? Und was können wir erwarten?
Das Album ist eigentlich soweit fertig. Die Tracks stehen, und wir arbeiten aktuell noch an der Grafik für das Cover. Dann kann es auch schon losgehen. Wie der Name schon sagt, spiegeln die Nummern einfach die momentane Zeit wieder. Es ist vielseitig, und ich bin zufrieden. Vielleicht wird es auch für Überraschungen sorgen. Mein Anspruch war, Musik drauf zu packen, die man im Club, im Auto oder auch daheim hören kann.

Wie kam es zu dem Titel des Albums, der ja nun schon bereits vor der Fertigstellung des Longplayers steht. Was möchtest du zum Ausdruck bringen?
Zeitgeist ist ein großer Begriff. Er fasst eine Art Denkweise zusammen und vergegenwärtigt unsere Zeit. Für mich sind das Tracks, die gut in unsere jetzige Zeit passen und sie auch symbolisieren. Ich hörte das Wort während meines USA-Aufenthaltes von einer amerikanischen Freundin. Sie sagte irgendwann plötzlich „Seitgeis“ und ich dachte „Hä?“ Bis ich dann merkte, sie meint Zeitgeist. Das war ein Moment, der mir sehr in Erinnerung geblieben ist und mich seither sehr beschäftigt. So war klar, wenn der Zeitgeist für das Album da ist, wird es auch so heißen. Ein Album ist immer ein langer Prozess, der vor allem im Kopf stattfindet.

Was steht sonst noch für das Jahr 2013 auf deinem Plan? Stehen bereits erste große, besondere Bookings fest? Gibt es Kollaborationen, die anstehen oder ähnliches?
Der Track „Papillon“ wird endlich releast. Mittlerweile ein Clubklassiker, und obwohl er so lange nicht veröffentlicht war, hat er hohe Wellen geschlagen. Es ist unglaublich, was er ausgelöst hat. Das freut mich sehr, da ich ständig danach gefragt wurde – und ab diesem Monat kann sich jeder den Track besorgen. Und ich bin dieses Jahr auf der MAYDAY in Dortmund erstmals in der großen Arena vertreten. Da war ich platt, als ich das erfahren habe. Auch entwickelt sich langsam im Ausland was, und ich bin gespannt was da noch so kommt.

Du hast für uns den aktuellen Download-Mix erstellt. Was können die Hörer hier erwarten? Ein klassisches Clubset oder eher Entspannteres für daheim und unterwegs?
Entspannt wird es sicher nicht. Das ist nicht so wirklich mein Ding. Die Leute können eher mit einem druckvollen Set rechnen, so wie sie es von mir gewohnt sind. Es wird „Seitgeis-tig“.

FAZEmag 013/03.2013

Hier geht es zum Mix: FAZEmag DJ-Set #13: Klaudia Gawlas – exklusiv bei iTunes

www.klaudiagawlas.de

Die aktuelle Single „Papillon“ könnt ihr euch bei Rdio anhören: