Es ist bereits ein paar Jahre her, dass wir Lexer zum Interview baten. Das letzte Mal war es im Jahr 2015, als sein langersehntes Debütalbum „Nowhere Else“ das Licht der Welt erblickte. Knapp ein Jahr zuvor brachte sich der Leipziger Künstler das erste Mal in unsere offizielle „FAZEmag Download-Mix“-Serie ein; nun – knapp vier Jahre später – ist es das zweite Mal, dass wir seinen Sound in unserer Reihe einplanen dürfen. Viel ist in dieser Zeit passiert. Sein Sound hat sich weiterentwickelt, sein Tour-Kalender wurde voller. 2017 folgte sein zweites Album, „Against The Current“, das auch die erfolgreiche Kollaboration mit Fran enthielt. Es ist nie verkehrt, gute Bekanntschaften aufrechtzuerhalten – und so setzten wir uns erneut mit Lexer zusammen, um unter anderem zu erfahren, wie sich sein Leben durch den Erfolg in den letzten Jahren verändert hat, welche neuen Wege er eingeschlagen hat und was soziale Medien heute noch für ihn bedeuten, durch die er so an Erfolg gewann.

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Lexer, du bist bei uns schon Stammgast. 2015 haben wir dich das letzte Mal mit deinem Debüt-Album „Nowhere Else“ gefeatured. Was ist bei dir zwischenzeitlich passiert, wie waren die letzten Jahre für dich?

Puh, drei Jahre sind eine lange Zeit. Schön ist, dass ich seitdem öfter im Ausland auflegen durfte. Zum Beispiel in Santiago de Chile. Das war mein erstes Mal in Südamerika und damit definitiv ein Highlight. Ich war auch ein zweites Mal in New York. Das erste Mal war ich so geflasht von der Stadt, dass ich kaum etwas mitbekommen habe. Beim zweiten Mal bin ich drei Tage länger geblieben, um mir alles anzuschauen.

Nimmst du dir öfter die Zeit, dir abseits deiner Gigs die Städte anzuschauen, oder legst du eher den typischen Jet-Set-Lifestyle an den Tag?

Teils, teils. Natürlich gibt es Leute, die es immer genießen, sich allein eine Stadt anzuschauen. Nach Chile zum Beispiel – das war auch eines meiner Highlights – flog ich eben allein. Es war jetzt nicht so mein Ding, allein ein Auto zu mieten und die Landschaft zu erkunden, muss ich zugeben. Zwar bin ich in Chile einen Tag länger geblieben, aber das hat mir eigentlich nichts gebracht. Das war einfach nicht meins. Dann war ich vor einiger Zeit das erste Mal backpacken. Ich habe vier Wochen mit einem Rucksack die Philippinen erkundet und musste feststellen: Auf so einer Tour lernt man erst richtig, was Selbstständigkeit bedeutet. Zwischenzeitlich war ein Freund von mir mit dabei, der mir vor allem seelische Unterstützung gegeben hat. Ich war in Manila, und das war die schlimmste Stadt, in der ich jemals war. Mich überkam der Kulturschock einfach und ich dachte: Ich muss hier sofort weg. Er lehrte mich, damit umzugehen und Dinge wertzuschätzen. Seitdem hat sich meine Einstellung diesbezüglich geändert. Wenn ich beispielsweise noch mal die Option mit Chile hätte, würde ich heute anders denken und mir mehr Zeit nehmen.

Diese Tour hat dich also persönlich verändert?

Auf jeden Fall! Du kommst mit einem ganz anderen Gewissen zurück nach Deutschland und bist dankbar für alles, was wir hier als selbstverständlich ansehen, was in anderen Teilen der Welt aber nicht so ist. Leider verfliegt dieser Gedanke auch schnell wieder. Ich bin außerdem viel entspannter geworden. Banales Beispiel, aber wenn ich am Flughafen stehe und noch kein Fahrer vor Ort ist, dann bin ich in der Vergangenheit schnell unruhig geworden. Mittlerweile nehme ich viele Sachen einfach so hin, wie sie sind, und bleibe entspannt.

Inwiefern spiegelt sich das in deiner musikalischen Seite wider?

Na ja, mein Sound ist jetzt nicht ruhiger geworden dadurch. Aber im Produktionsprozess bin ich auch entspannter geworden und mache mir nicht mehr so viel Stress, muss nicht mehr ständig etwas Neues raushauen. Viele meiner Tracks sind in kürzester Zeit entstanden und ich habe mich da auch oft unter Druck gesetzt. Das ist heute anders.

Du hast für das damalige Album dein eigenes Label gegründet, Wild Animals Records, auf dem du auch dein zweites Album „Against The Current“ sowie EPs herausgebracht hast. Bisher stammen aber alle Veröffentlichungen ausnahmslos aus deiner Feder. Wie kommt das?

Das Ding ist, dass ich das Label ja auch explizit für mich gegründet habe. Die Musik, die ich verkörpere, ist ja schon sehr eigen. Die Leute, die meine Musik mögen, wollen sie ja auch gerne haben, aber viele Labels würden meine Musik nicht bei sich veröffentlichen. Mit meinem Label bin ich da unabhängiger, klar. Aber stimmt, bisher war noch nie ein Release von einem anderen Künstler auf meinem Label vertreten, da ist noch Luft nach oben. Im Moment habe ich aber auch gar nicht die Zeit, mich um externe Releases zu kümmern. Ich müsste eigentlich nur einen Post auf Facebook setzen und die Leute auffordern, mir Demos zu schicken. Denn natürlich ist es mein Ziel, anderen auf meinem Label eine Chance zu geben, weil ich denke, dass es da draußen viele Leute mit coolen Produktionen gibt, die aber für große Labels eher uninteressant sind.

Du bist durch die sozialen Netzwerke wie SoundCloud, Facebook und Instagram bekannt geworden und agierst auch viel mit deinen Fans. Wie siehst du die aktuellen Entwicklungen, was diese Netzwerke betrifft?

Ich muss sagen, ich hatte echt das Glück, dass damals die Reichweiten kaum beschränkt wurden. Wenn du heute Produzent oder DJ werden und deine Musik publik machen willst, dann geht das eigentlich gar nicht mehr. Wie willst du deine Musik heutzutage noch publik machen, wenn du keinen erreichst? Selbst die Plays auf SoundCloud gingen zurück und mich hat das echt genervt. Zu den Zeiten meiner Album-Releases habe ich auch etwas Werbung geschaltet, aber im Endeffekt weißt du kaum, wohin das Geld überhaupt geht. Dann kam noch hinzu, dass mein Facebook-Account gehackt wurde und über meinen Account Werbung geschaltet werden sollte. Den bekam ich zum Glück zurück, aber ich sehe es auch nicht ein, jemals wieder dort zu investieren.

Die Anekdote mit dem gehackten Account erinnert mich ein wenig daran, dass vor zwei Jahren jemand unter deinem Namen in den Backstage-Bereich des SMS-Festivals geschlichen ist. Wie hast du diese Nachricht damals aufgenommen?

Das war eine verrückte Geschichte. Mein Tour-Manager und ich hatten keine Probleme bei der Akkreditierung, aber im Backstage fragte mich jemand, ob ich nicht schon am Vortag dagewesen wäre. Das war komisch. Jemand schrieb mir auch vor dem Gig auf Facebook, ob ich nicht noch Gästelistenplätze vergeben könnte, und als ich verneinte, schrieb er, dass er sowieso reinkäme. Nach dem Festival entschuldigte sich diese Person bei mir; er sagte, er hätte Mist gebaut und sich als Lexer ausgegeben, und eine Stunde später erschien sein Text auf der Festivalseite auf Facebook. Da hat er dann richtig damit geprahlt, sich aber vorher noch bei mir entschuldigt. Und dann ging das Ganze viral und ich kann dir sagen, dass ich am Anfang ziemlich genervt war. Ich habe auch darüber nachgedacht, ihn anzuzeigen. Mein Handy ist explodiert, es haben viele gefragt, auch Kollegen wie Marek Hemmann oder SuperFlu, ob das wirklich wahr wäre, und sie meinten, eine bessere Werbung gäbe es gar nicht. Unter seinem Beitrag fanden sich 10 000 Kommentare, in denen viele fragten, wer dieser Lexer eigentlich sei. Ab da dachte ich dann auch: Das ist perfekte Werbung. Die Krönung war allerdings, dass dann auch Radiosender versuchten, mich zu einem Gespräch mit der Person zu bewegen. Ich meine, das, was er gemacht hat, ist vielleicht witzig, aber auch einfach extrem respektlos. So was muss man nicht noch pushen! Das ist auch dem Festival gegenüber unfair. Stell dir mal vor, jemand würde unter deinem Namen in den Urlaub fliegen oder so. Einiges muss auch von ihm erfunden worden sein – aber ehrlich gesagt ist diese Geschichte für mich auch längst gegessen.

Kommen wir zu deinem neuen Mix, den du für uns bereitgestellt hast. Welche Tracks sind für dich die Highlights, die du unbedingt unterbringen wolltest?

Natürlich meine neuen Tracks von meiner kürzlich erschienenen EP „What If Nothing“, aber ganz besonders stechen für mich Innelea heraus. Deren krass deeper Sound gefällt mir gerade sehr gut. Düster, treibend, bisschen Synthie – das sind meine persönlichen Newcomer. Absolut!

Aus dem FAZEmag 073/03.218
Text: Janosch Gebauer

FAZEmag DJ-Set #73: Lexer – ab sofort und exklusiv bei iTunes & Apple Music
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