1Ulf Alexander ist einer der besten und aufstrebendsten House-DJs aus unserer Region. PollerWiesen-Fans konnten ihn in diesem Jahr unter anderem bereits auf dem ersten PollerWiesen-Festival im Revierpark Wischlingen betanzen. Heute erscheint seine großartige Debüt-EP „Roots“ inclusive Ante Perry-Remix auf Blacksoul Music exklusiv auf Traxsource, bevor sie am 20. Juli überall erhältlich sein wird.. Wir haben dies zum Anlass genommen, ihn nach seinen Wurzeln zu befragen.

1) Heimat – in welcher Stadt bist du aufgewachsen und wann das erste Mal mit Freunden in die Disco gegangen?

Aufgewachsen bin ich im schönen Recklinghausen, irgendwo zwischen Ruhrgebiet und Münsterland. Zwangsläufig sind die ersten Berührungspunkte mit Clubs oder Diskotheken ziemlich beschränkt auf Partys in Mehrzweckhallen und die eigenen Feten in Mamas und Papas Keller. Mit fortschreitendem Alter haben wir dann die nähere Umgebung erkundet und dort Läden wie den Elephant in Bielefeld, die Casa Electronica in Bochum oder eben auch das Hotel Shanghai in Essen kennen und lieben gelernt. In dieser Zeit hat sich dann bei mir auch sowas wie Musikgeschmack entwickelt. Als Kind der Bravo-Hits und der großen Hip-Hopper war für mich elektronische Musik zunächst einmal ein Buch mit sieben Siegeln, wirklich geplatzt ist der Knoten bei mir beim ersten Besuch des Love Family Parks.

2) Familie – was hat sich deine Familie gewünscht, welchen beruflichen Weg du einschlagen sollst.

So zwischen 15 – 20 war ich ein wilder Möchtgern Hip-Hop Gangster und in dieser Zeit wären meine Eltern froh gewesen, wenn ich überhaupt irgendein Interesse an Arbeit oder Beruf gezeigt hätte. Auf Umwegen habe ich zu guter Letzt dann doch ein Studium begonnen – und sogar abgeschlossen, parallel ernsthaft mit Auflegen und Produzieren begonnen und damit auch meine Eltern versöhnt. Letztlich haben sie aber mit einer (fast) fundierten musikalischen Grundausbildung am Ende den Grundstein für alles heutige gelegt. Von der Blockflöte über Opa als Klavierlehrer bis hin zur E-Gitarre hab ich mich damals mit mehr oder weniger allem beschäftigt was Töne erzeugen kann – der neben Klassik sehr 80s lastige Musikgeschmack meiner Eltern ist sicher bis zu einem gewissen Grad dafür verantwortlich, dass ich auch in meinen techigeren, minimaleren Produktionen immer nach einem gewissen gefällig, melodischen Moment suche…

3) Musikalische Inspirationen – wann sich bei dir der Wunsch des professionellen Deejayings und Produzierens manifestiert hat und welche Musik ist dafür ausschlaggebend gewesen. Welche Künstler dienten als Inspirationsquelle?

Obwohl ich damit zunächst wenig anfangen konnte, hab ich die Entwicklung der elektronischen Musik seit Ende der Neunziger durch meinen Bruder sehr hautnah mitbekommen. Der hat eine Zeit in den USA gelebt und hat sich in Chicago mit dem elektronischen Virus infiziert – zu der Zeit waren die legendären Clubs zwar schon lange geschlossen aber es ist ja kein Geheimnis, dass es dort auch danach eine sehr lebendige Szene gab und gibt. Er hat mich mit den ersten Platten gefüttert und mit der Zeit hab ich die vielen Facetten elektronischer Musik selbst erforscht. Kleben geblieben bin ich vor allem bei Leuten wie Jamie Jones, Lee Foss, Droog – die Jungs hinter Culprit -, DJ T. und natürlich den großen Meistern wie Villalobos, Luciano – und nicht zuletzt den House-Opis wie Frankie Knuckels, Larry Levan usw. Mich inspiriert vor allem der Blick über Genre-Grenzen hinaus. House hat so viele Gesichter und mich nervt mitunter, dass sich gewissen Szenen Tag ein Tag aus dafür anscheissen, was nun credibil und angesagt ist oder nicht. Meine aktuelle EP „Roots“ auf Blacksoul ist sehr housig, bei der nächsten wird das anders und wer weiß was danach passiert.

4) Clubs – wo gibt es das beste Soundsystem, wo die beste Crowd, wo den nettesten Betriebsleiter, wo die beste Lightshow? Wie heißt der erste Club, in dem du aufgelegt hast.

Meinen ersten wirklichen Club-Gig hab ich im Heaven in Münster gespielt, der zweite war dann durch viel Glück und einige gute Bekannte direkt im Cocoon in Frankfurt – bei beiden hab ich mich offenbar nicht ganz blöd angestellt und danach fing eigentlich alles so wirklich an. Den besten Sound habe ich erst kürzlich auf der neuen d&b Anlage des Pachas auf Ibiza erfahren. Seit letztem Jahr traut sich das Pacha musikalisch wieder mehr und macht mit Solomun am Sonntag und der Insane, bei der ich seit letztem Jahr Resident bin, mit Leuten wie u.a. Guy Gerber, Martin Buttrich  und Tensnake ein tolles Programm. Die Crowd dort ist unfassbar euphorisch, vergleichbar mit einem meiner deutschen Lieblingsspots, den Pollerwiesen. Es gibt eben diese Orte an denen Du einen ganz speziellen Vibe findest. Im Letzten Jahr hab ich im Sysiphos in Berlin eine Afterhour gespielt und auch dort packt dich die Atmosphäre direkt bei Betreten des Ladens. In diesem Zuge ein großer Dank an die Crews des Pachas und der Pollerwiesen, tolle Menschen, die mit viel Liebe und Professionalität einzigartiges auf die Beine stellen. Und wenn wir schon beim Danke sagen sind – musikalisch liegen wir mal mehr mal weniger auseinander aber es gibt kaum jemanden, der mir so gut mit Rat und Tat zur Seite steht, wie der adretteste Scheitel der Republik: Phil Fuldner.

Wer Ulf das nächste Mal live und ich Action erleben möchte, kann dies hier:
18.07.14 Pacha, Ibiza (ES) w/ Guy Gerber, Green Velvet
19.07.14 Hotel Shanghai, Essen (DE)
26.07.14 Studio, Essen (DE)
27.07.14 Pollerwiesen Boot, Cologne (DE) w/ DJ Hell, Tobi Neumann
22.08.14 Pacha, Ibiza (ES) w/ John Digweed, Tensnake, Reboot
19.09.14 Pacha, Ibiza (ES) w/ John Digweed, MK, Tensnake

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