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Rund 550.000 Besucher aus aller Welt haben beim Sziget in Budapest eine Woche lang Bands und Künstler aus 63 Ländern abgefeiert. Ein internationales Kulturspektakel – und erneut auch ein klares Statement gegen die ungarische Politik.

Musikfans aus aller Welt schwenken vor den Bühnen Fahnen mit Slogans wie „No Racism“ und „Human Rights“. „Love, Revolution, Island of Freedom“ ist das diesjährige Motto des 26. Sziget-Festivals auf Budapests Donau-Halbinsel Óbuda – und es ist ein Mal mehr auch ein Statement gegen die Abschottungspolitik des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán.

Auf dem weltweit fünftgrößten Musikfestival gibt es derweil keine Ausgrenzung, sondern reichlich weltoffene Arme und Momente. Gefühlt ist dort sieben Tage lang die ganze Welt zu Gast, die auftretenden Bands und Künstler kommen aus 63 Ländern, nur knapp die Hälfte der Besucher sind Ungarn. „Die DNA des Festivals in Form von Offenheit, Liebe und Respekt wird bei jedem Auftritt und von jedem Szitizen ausgestrahlt“, sagt Festivalchef Tamás Kádár.

Hauptsächlich kommen die Besucher – rund 550.000 sollen es in diesem August sein – natürlich wegen der Musik: Headliner sind etwa Arctic Monkeys, Gorillaz, Mumford & Sons, Shawn Mendes und Kendrick Lamar.

Es ist Sonntag, das Festival läuft seit einigen Tagen und viele der Besucher reisen auch heute mit einem Fährshuttle vom Zentrum aus auf die Insel. Auf der World Stage swingen bereits Mon côté punk aus Frankreich die Besucher mit frischen Chansons in Laune. Im riesigen A38-Zelt, der zweitgrößten Bühne auf dem Gelände, sind Rhye aus Kanada zu hören. Zu Mike Mioshs sanfter Stimme, gepaart mit Trompete und Keyboard, lässt sich für den Moment wunderbar träumen.

Auf der kleineren Europe Stage raven Little Big aus Russland die Menge schnell wieder aus den Träumen. Das Duo Slaves aus Kent liefert mit britischer Schnauze und verzerrter Gitarre eine Bierbecher-fluglastige Show ab. Die Australier King Gizzard & the Lizard Wizard lassen die Flower-Power-Zeit mit ihren psychedelischen Riffs hochleben. Derweil zupfen die Bluesrock-Fans von Kaleo aus Island beim Hit „Way Down We Go“ die Luftgitarren. Mit dem Opener „Rock xNx Roll Star“ hält später Liam Gallagher im üblichen Parkeroutftit und nöliger Stimme die Schlagzahl hoch. Und zu den Melodien der Amsterdam Klezmer Band hakt sich das Publikum unter, schunkelt und stampft mit.

Am Montag geht das bunte Treiben auf der kulturellen Spielwiese weiter: Der Tag beginnt mit Techno im Colloseum und führt über die elektronischen Beats und Bläserrhythmen von Bostich + Fussible from Nortec Collective aus dem mexikanischen Tijuana bis zu den US-Altrockern Goo Goo Dolls und dem erst 20-jährigen Shawn Mendes. Der Kanadier löst mit seinem feinen Pop vor allem bei den weiblichen Fans Gefühlsausbrüche aus. Zum Surfrock von La Femme aus Biarritz tanzen die Fans im Viereck. Hamburg ist an diesem Tag mit Kettcar und Meute vertreten. Letztere lassen mit fast einem Dutzend Bläsern und einem Xylophon auf einmal Techno und bekannte Songs der Szene neu erklingen – nach kurzem Aufwärmen ist auch im Publikum die Meute los.

Glücklich und zufrieden verlassen am frühen Morgen einige Besucher mit der letzten Fähre die Insel, andere verschwinden zwischen glitzernden Lichtern irgendwo auf dem Gelände. So darf es immer weiter gehen, liebes Sziget, halte mit deinen Besuchern auch 2019 die Flaggen hoch und zeige, dass Liebe und Respekt immer die richtige Wahl sind.

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Autor: Christoph Stein
Fotos (c): Balaton Sound