loveparade-tunnel-3485Die Geschichte der Loveparade 2010 geht als Tragödie der weltweiten Techno-Geschichte in die Annalen ein. Was am 24. Juli als Höhepunkt des Jahres für Hundertausende Techno-Fans begann, endete in einer Katastrophe mit 21 Toten und hunderten Verletzten. Bis heute ist keine Anklage gegen die Verantwortlichen erhoben worden. Heute wurde bekannt, dass der Spiegel morgen eine Reportage veröffentlichen wird, aus der hervorgeht, dass die Duisburger Staatsanwaltschaft nun Anklage im Fall der Loveparade-Katastrophe 2010 erheben will.

Nach der Vernehmung von tausenden Zeugen und der minutiösen Studie von mehr als 100 Stunden Videos werden die Ermittler der Duisburger Staatsanwaltschaft laut ‚Spiegel‘-Angaben Anklage gegen zehn Personen erheben.

Diese zehn Angeklagten, so mutmaßt der ‚Spiegel‘, könnten Bauernopfer sein, denn Entscheider wie Ordnungsdezernent Rabe oder Lopavent-Chef Schaller gehören nicht zu den Angeklagten, da sie laut Ansicht der Ermittler ‚zu weit weg von den planerischen Fehlentscheidungen‘ gewesen sein sollen.
Hauptbeschuldigter soll der mittlerweile in Pension befindliche Baudezernent Dressler sein, der sich angeblich zuerst vehement gegen die Genehmigung der Veranstaltung ausgesprochen hat, bevor er auf Druck von Ordnungsdezernent Rabe einknickte. Dieser Rabe soll laut ‚Spiegel‘-Angaben während der gesamten Planungsphase mehrfach von Mitarbeitern und herangezogenen Experten – darunter ein Panikforscher –  vor den Gefahren der Massenveranstaltung auf dem ausgewählten Gelände gewarnt worden sein. So kam der Panikforscher, so der ‚Spiegel‘ zu dem Ergebnis, dass die Loveparade auf dem Areal des Güterbahnhofs „eher nicht“ machbar sei. Erst als Rabe nicht mehr juristisch verantwortlich war, peitschte er für den Veranstalter Lopavent die Veranstaltung durch.

Knackpunkt für die gesamte Schuldfrage ist der Zuständigskeit-Bereich. Wie der ‚Spiegel‘ berichtet, lag die Verantwortung nach ursprünglicher Planung beim Ordnungsamt, weil es sich bei dem Güterbahnhof um öffentliches Gelände handelte. Da der Veranstalter Lopavent jedoch vorhatte, den Güterbahnhof zu umzäunen, wurde aus dem öffentlichen Gelände juristisch betrachtet ein abgeschlossener Raum, eine Art Stadion, für das das Bauamt zuständig war. Dessen ehemaliger Leiter Dressler ist nun einer der Hauptbeschuldigten.

Wie bereits mehrfach berichtet, ging der größte Druck vom Veranstalter Lopavent aus, dessen Engagement bei der Loveparade von jeher darauf ausgerichtet war, größtmögliche Publicity zu erreichen. Der ‚Spiegel‘ mutmaßt, dass Lopavent die Stadt und die Auflagen ihrer Ämter als lästige Hindernisse gesehen hat, weswegen ihre Strategie so ausgesehen haben soll, die Behörden der Stadt gegeneinander auszuspielen und relevante Zahlen zu schönen bzw. zu modifizieren. Zuletzt soll ein Machtwort von Rabe dafür gesorgt haben, dass die Loveparade vom Bauamt nicht in letzter Minute abgesagt wurde. Dabei habe er laut ‚Spiegel‘  auf den „Wunsch“ von Oberbürgermeister Adolf Sauerland verwiesen, dass das Event stattzufinden habe.

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