machine soul
Das Land der 1000 Seen. Unendliche Birkenwälder, Polarkreis, Millionen von Mücken im Sommer und im Winter eine dicke Schneeschicht. Während des Kalten Krieges ein neutraler Puffer zwischen Ost und West, seit dem Mauerfall ein Drehkreuz zwischen Ost und West. In der Hauptstadt Helsinki, einer traditionellen Handelsmetropole, gedeihen seit einigen Clubkultur und elektronische Musik immer besser. In den 90er-Jahren erreichte uns finnischer Techno eher sporadisch, auch wenn Acts wie z.B. Nuspirit Helsinki, Jimi Tenor und Jori Hulkkonen international durchaus große Erfolge erzielen konnten. Diese sporadischen Zeiten sind längst passé, neben den Helden der ersten Stunde haben sich unzählige DJs, Live-Acts und Produzenten gesellt. Und diesem gesamten Treiben wird nun ein filmdokumentarisches Denkmal gesetzt. Eine Zwischenbilanz, ein überblick über den Status Quo, über die Vergangenheit und über die Zukunft. Das ist „Machine Soul“ – ein Film, der in diesem Monat seine Premiere feiert und uns einen Blick in die finnische elektronische Seele gewährt. Ein Ortstermin in Helsinki.

Der Mann, der dieses Projekt ins Leben gerufen hat, ist Tero Vuorinen. Der 35-jährige Regisseur hat schon vor zwölf Jahren während seines Studiums die Idee zu einer Dokumentation entwickelt. Vor zwei Jahren schließlich fand der das richtige Team, um „Machine Soul“ zu realisieren. In einer Bürogemeinschaft traf er auf Anttoni Palm, einem der Macher des Produktionsbüros Artlab Productions, und trug ihm seine Idee vor. Palm war begeistert, und ebenfalls von Artlab stiegen Produzent Kimmo Koskinen und Sound-Designer Jussi Liukkonen mit ins Projekt ein. „Eine Hürde galt es aber noch zu überwinden“, erklärt Vuorinen, „ohne Jori Hulkkonen und Mika Vainio (Pan Sonic, Vladislav Delay Quartet) wollte ich den Film nicht machen.“ Beide haben natürlich sofort und mit Begeisterung zugesagt, wie alle anderen Künstler auch, die als Interviewpartner für die Dokumentation dabei sind. Unter anderem sind das Jimi Tenor, Acid Kings, Randy Barracuda, Mono Junk, Lil Tony und Hannu Ikola. „Auch wenn man im Film natürlich die Riege der großen Finnen findet, die Auswahl ist schon sehr persönlich.“ Und Koskinen ergänzt: „Es war erstaunlich einfach, die Künstler für das Projekt zu überreden. Als ob alle darauf gewartet hätten, dass es endlich einer macht.“ Ähnlich äußert sich auch Hulkkonnen dazu: „In den letzten Jahren dachte ich mir, dass es Zeit würde, dass jemand so ein Projekt angeht. Die alten Zeitzeugen sind immer noch alle dabei. Ich halte es für sehr wichtig, dass sie eben selbst noch erzählen können und man nicht über sie spricht, weil sie mittlerweile eventuell verstorben sind. Ich bin sehr froh, dass es dann jemand, also Tero, angegangen ist und war natürlich auch sofort mit dabei.“

Ikola ist darüber hinaus auch für den Soundtrack zuständig, denn neben Originaltracks der Acts wollte Tero Vuorinen auch eigens für „Machine Soul“ komponierte Musik verwenden. „Er kann nicht nur rauen, straighten Techno, sondern auch Ambient mit einer sehr cinemathografischen Atmosphäre. Ich war begeistert, als ich seine Musik gehört habe und habe ihn direkt gefragt, ob er Musik für den Film produzieren möchte.“ Hannu Ikola gehört auch zu einer neuen, aufstrebenden Generation an Produzenten und ist damit auch in dieser Funktion ein wichtiger Bestandteil von „Machine Soul“, da er am anderen Ende der chronologischen Klammer sitzt. Wobei eine bestimmte Chronologie in der Dokumentation aber keine Rolle spielt, Vuorinen möchte hier nichts in einer zeitlichen Reihenfolge abarbeiten, es geht weit darüber hinaus: „Natürlich gibt es sehr viele Szenen, in denen die Leute einfach vor der Kamera sitzen und sprechen. Aber ich wollte mehr als nur eine chronologische Oral History machen, in der irgendjemand dem Publikum erzählt, wie es war, als Techno nach Finnland kam. Ich hatte auch große visuelle Ambitionen, die ich umgesetzt habe. Ich wollte eine Atmosphäre schaffen, in der das Publikum das Gefühl hat, wirklich in der Materie zu sein – das hoffe ich zumindest. Und letztlich ist es auch eine Hommage an die finnische Szene.“

Machine Soul Machine_soul_JULISTE
Premiere: 22.08.15, Club Ääniwalli, Helsinki Regie: Tero Vuorinen
Produzenten: Kimmo Koskinen & Anttoni Palm VFX/Kamera: Janne Laiho
Soundtrack: Hannu Ikola,
Sound-Designer: Jussi Liukkonen
Mit: Acid Kings, Randy Barracuda, Jori Hulkkonen,
Hannu Ikola, Mono Junk, Timo Kaukolampi, Sa-
muli Kemppi, Lil Tony, Orkidea, Jimi Tenor, Ural 13
Diktators, Mika Vainio, Sleazemaster, Rasmus
Hedlund, Kitkatone, Man Jorge, OLLi, Stiletti-Ana,
Kalifornia-Keke, Sfinx, Franck Vigroux, VJ Indigo

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www.machinesoul.org