Ein Leben im Rotlicht – die Kolumne von Marc DePulse

Der Bass muss fi**en, der Brustkorb drücken, die Brillengläser vibrieren. Ein paar Drinks zu viel und plötzlich hat man richtig Bock, es eskalieren zu lassen. Lautstärkebegrenzung? Ach was, ballern! Es soll scheppern im Gesicht! „No-no-limit“ haben schließlich zwei unlimitierte Holländer schon Anfang der 1990er-Jahre gepredigt. An der Bar versteht man längst sein eigenes Wort nicht mehr, denn die LED-Anzeige am DJ-Pult trägt blutiges rot und der Limiter hat sich aus Angst längst selbst vom Netz genommen. Und kaum wurde der DJ vom Tontechniker mit erhobenem Zeigefinger verwarnt, es heute bitte nicht zu übertreiben, steht schon der obligatorische Dancefloor-Dieter neben...

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Ein Kleiderschrank voller Klamotten – die Kolumne von Marc DePulse

    Es sind wohl die Dateien mit der häufigsten Endung auf der Festplatte von DJs: .wav oder .mp3 – ein Repertoire aus zehntausenden Tracks, mit denen man wochenlang Raves bespielen könnte, aber schon geht der Blick ins Leere und schürt die Panik, obwohl ein absolutes Überangebot vorhanden ist: „Ich habe keine Ahnung, was ich heute Nacht spielen soll!“ Ein Prozess, der auch immer wieder während eines Sets eintritt: Man hat Tonnen an Material, aber weiß schon manchmal nach einer Stunde nicht mehr, was man heute noch spielen soll. Ergo: ein Kleiderschrank voller Klamotten und nichts zum Anziehen? Keine...

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Starallüren in der Muttermilch – die Kolumne von Marc DePulse

  Kaum drei Haare am Sack, aber schon im Puff vordrängeln – ein Spruch, der mich seit frühester Jugend amüsiert, gleichsam aber viele Parallelen aus dem alltäglichen Leben kennt. Umgemünzt auf die Szene könnte man sagen: kaum drei Releases auf dem Markt und schon einen auf dicke Hose machen. Es ist das „Sorry, bitte frag meinen Manager!“ des kleinen Mannes, der noch nichts gerissen hat, sich aber längst über den Dingen schweben sieht. Völlige Selbstüberschätzung durch fehlende Erdung. Respekt und Bescheidenheit sind zwei wichtige Tugenden im Leben. Vergiss nicht, woher du gekommen bist. Denn jeder heute auch noch so...

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Der Weg nach Hause. Heute: DJ – die Kolumne von Marc DePulse

Marc DePulse – aus dem Leben eines DJs: Der Weg nach Hause Der letzte Track läuft soeben aus. Die Crowd pfeift, schreit und hüpft. Mithüpfen schwierig, Blase platzt gleich. Mit gequältem Lächeln in die Menge winken. Foto-, Autogramm- und Kinderwünsche müssen kurz warten. Zielsicheren Kampfsprint zum Herren-WC einlegen. Uuuuhhhh! Aaaaaaahhh! Breitestes Grinsen aufsetzen, Glückshormone strömen aus. Das war schön! Der Gig übrigens auch. Zurück zum Pult, Sachen zusammensuchen. Kopfhörerkabel versuchen zu entknoten. Egal, mach ich morgen. USB-Stick sicher entfernen, dabei vorher mindestens fünf Mal die richtige Verlinkung prüfen. Die Partykumpels mit den großen Augen warten schon an der Bar...

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Der Weg zum Arbeitsplatz. Heute: DJ – die Kolumne von Marc DePulse

Freitag früh halb zehn, mitten in der Nacht. Beinahe verpennt. Jetzt aber schnell. Schlüppi einpacken, Taxi bestellen und ab geht die Post. Wutbürger Klaus sitzt am Lenkrad. Klaus nervt. Kein Trinkgeld. Flughafen. Den Abo-Boy der Süddeutschen mit abfälliger Handbewegung abblitzen lassen: „Keine Zeit!“ – ein paar Meter weiter zur Weinverkostung angesprochen werden. Natürlich habe ich Zeit. Nach dem dritten Glas Riesling zum Terminal trödeln. Laufband blockieren. Rechts stehen, links gehen? Haha, gilt natürlich nicht für mich. Leckeres Tröpfchen übrigens, jetzt kommt´s auch im Schädel an. Security-Check-in. So tun als würde man jeden Tag fliegen, dabei vergessen den Gürtel abzumachen....

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Massenware Musik – die Kolumne von Marc DePulse

Es ist das große Los für kreative Menschen, wenn die Inspiration mal wieder so richtig aus einem heraussprudelt. Man möchte sich am liebsten wochenlang im Studio einschließen. Das sind zumeist Zeiten, in denen man Beziehungen und Freundschaften aufs Spiel setzt und Mutti schon zynisch fragt, ob sie ihren Sohnemann jetzt nur noch zu Weihnachten sieht. Der Prozessor schwitzt dank der 24/7-Auslastung, der Stromanbieter reibt sich freudig die Hände, während man die zweite Maus innerhalb eines Monats kaputt geklickt hat. Doch selbst wenn dich dein Umfeld auf deine unverkennbare Kellerbräune anspricht, weißt du: Meine Sonne strahlt von innen. Ein Kilo...

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„Ehrlich gesagt …“ – die Kolumne von Marc DePulse

  Lasst uns doch mal ehrlich sein. Denn offenbar sind wir das viel zu selten. Doch ist Ehrlichkeit nicht eine Tugend, die wir alle in uns tragen sollten? Ich bekomme häufig Musik von Kollegen geschickt, mit der Bitte um eine ehrliche Meinung und kriege danach auffallend oft zu hören bekommen: „Danke, dass du ehrlich bist.“ Moment mal. Danke fürs ehrlich sein? Nein, dafür nicht. Ich bin schnell für etwas zu begeistern. Genau so schnell finde ich Sachen aber auch schlecht und scheue mich nicht, sie konstruktiv zu zerreißen. Natürlich ist die persönliche Einschätzung immer zuerst subjektiv, eine Geschmacksfrage. Mag...

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Die Evolution eines Teilzeit-Ravers – die Kolumne von Marc DePulse

  Kaffeetrinken bei Oma und jeder kennt die Geschichten: „Ach Junge, früher war alles besser!“. Aber war es das wirklich? Es war halt anders. Zeiten ändern sich und Veränderungen tun gut. Meine bisherigen 15 Jahre als DJ bieten daher einen guten Anlass zu reflektieren: Bookings Früher: Man hat alles selber gemacht. Verträge gab es keine, mündliche Absprache genügte. Heute: Ohne Agentur geht nix und das ist aus Erfahrung auch besser so. Musikauswahl Früher: Die Post verfluchen, weil das Vinylpaket nicht pünktlich zum Wochenende eingetroffen ist. Dafür sich über 12Inch Limited Releases freuen wie ein kleines Kind. Musik spielen, die...

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Trendfarbe Schwarz: die Style-Akrobaten der Neuzeit – die Kolumne von Marc DePulse

Als ich letztens nach Ewigkeiten mal wieder die Charts durch gehört habe, fielen mir beinahe die Dritten in die Kaffeetasse. Es ist erstaunlich, wie viele einst gefeierte Künstler auf den Techno-Zug aufgesprungen sind. Anders gesagt: Es ist amüsant, wie viele Lemminge doch immer wieder der Masse folgen, nur um im Geschäft zu bleiben. Trends zu folgen ist ein Königreich für Pantoffelhelden. Früher so: Liebe, Wonderland, Schmuse-Musik. Heute: faster, harder, Knallbonbon. Einfach mitlaufen, wenn man keinen eigenen Stil hat. Funktioniert halt. Lässt sich auch gut verkaufen, wirkt aber leider null authentisch, so sehr man sich auch bemüht. „Wenn die Bookings...

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Tabuthema Depressionen – die Kolumne von Marc DePulse

  Januar. Der November für Fortgeschrittene. Grau, kalt, viel Dunkel, wenig Hell. Sonnenstunden minus 10. Ungemütlich ist noch ein aufgerundeter Zustand des alltäglichen Befindens. Monate wie diese sind für Wintersportler ein Traum, für Strandliebhaber das Grauen. Eine nicht gerade willkommene Jahreszeit, wenn das eigene Tun in der Schaffenskrise steckt. Die Releases floppen, die Booking-Anfragen bleiben aus, der Zuspruch sinkt, ein Lichtblick fehlt. Leere im Kopf, die Miete im Nacken. Es sind jene Phasen, aus denen man stärker heraus kommt und daran wächst, wenn man ein Kämpfer ist. Aber was, wenn einem dieses Kämpfer-Gen nicht in die Waagschale gelegt wurde?...

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Shitstorm in 3 … 2 … 1 – die Kolumne von Marc DePulse

Die Hexenjagd ist wieder eröffnet, die Sau kann durchs Dorf getrieben werden! Abermals hat ein Künstler etwas geäußert, was die Werte der Szene auf den Kopf stellt. Aufschrei, Entsetzen, Fassungslosigkeit, Ausrufezeichen!!1! Wozu sich jetzt noch die Mühe machen, um die Fakten zu ergründen, wenn die Schlagzeile allein schon jeden Grund zum Haten gibt? Noch bevor die Kaffeemaschine ihre Betriebstemperatur erreicht hat, wird der innere Ruhepuls auf Krawall gebürstet. Schnell noch das imaginäre Popcorn neben die Tastatur stellen und los geht’s: „Juhu, da ist der Nächste. Auf ihn mit Gebrüll!“ Denn man selbst ist ja schließlich sooo frei von Fehlern....

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Eine Hand bucht die andere – die Kolumne von Marc DePulse

  Gute Arbeit macht sich auf lange Sicht bezahlt, denn Qualität setzt sich bekanntlich immer durch. Das Resultat daraus ist Anerkennung und eine stetig wachsende Fanbase. Doch nichts ist für einen DJ so wertvoll wie eingehende Bookinganfragen. Es ist der Nährboden der Existenz, die ultimative Wertschätzung für das eigene Schaffen. Natürlich pusht es das Ego. Die Augen leuchten, als würde Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen und der graue, ach so verregnete Herbsttag erscheint plötzlich wie ein Strandurlaub im Hochsommer: Juhu, was für eine Ehre! Meine Kunst ist gefragt! Der Tag ist gerettet, das Dauergrinsen ersetzt 500 Solarzellen...

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