MarcHoule

„Du kannst nicht erwarten, nach zehn Tracks schon Karriere zu machen und einen eigenen Sound gefunden zu haben. Erst einmal musst du experimentieren und so viele Stücke wie möglich produzieren, um dadurch dein Handwerk zu lernen und etwas Besonderes und Einzigartiges zu erreichen.“ So schildert Marc Houle die für ihn wichtigste Lektion als Musiker. Zehn Jahre sind seit der Veröffentlichung seiner ersten EP vergangen. „Als ich anfing, mussten wir uns wirklich anstrengen, um den Leuten mit unseren herunter gestrippten Sachen zu gefallen. Mit den Jahren wurden wir aber tatsächlich von ihnen bemerkt, und sie begannen, diesen Musikstil den verrückten Ravetracks jener Zeit vorzuziehen. Ich selbst habe nie gedacht, dass unser Sound besonders minimal war, es war eher eine besondere Detroit-Chicago-Mischung, die ich auch heute noch liebe. Mir gefiel die einfache Form von elektronischer Musik schon immer. Das war bereits so, als ich noch Sesamstraße geschaut, oder auf dem Atari oder meinen Synths gespielt habe.“

In diesem Monat erscheint mit „Cola Party“ das sechste Studioalbum von Houle. Es wird über Items & Things veröffentlicht, dem Label, das Marc mit Magda und Troy Pierce betreibt. Bis vor drei Jahren brachte man das Trio vor allem mit Richie Hawtins Minus in Verbindung. Mittlerweile geht man getrennte Wege. „Ich bin mir nicht sicher, ob sich durch die Trennung etwas für mich als Musiker verändert hat“, sagt Marc. „Ich habe die Musik immer für mich gemacht. Natürlich hat es sich geändert, wie die Leute mich hören. Jetzt können sie meine ganze Bandbreite an Klängen erleben und nicht nur die, die dafür ausgewählt waren, um Minus zu repräsentieren. Es gab eine Menge verrückter Musik auf dem Label und es war nicht so, dass Rich alles im Zaum hielt und nur düsteren Minimalkram veröffentlicht hat. Aber jetzt habe ich etwas mehr Freiheit um mich etwas weiter ausbreiten zu können.“ Brachte sein letzter Longplayer „Undercover“ seine Vorlieben für New Wave und Techno zusammen, hat der Künstler für sein neuestes Werk keinen bestimmten Sound im Sinn: „Es ist eher eine Sammlung aus Partytracks, bei der der Spaß im Vordergrund steht.“ Die Albumbetitelung darf man dann auch in die humoristische Ecke verordnen. „Der Name ist frei interpretierbar. Ich war froh, die Party mit drin zu haben, um den Leuten zu zeigen, dass diese Platte keine Reise in meine Seele ist, sondern ein spaßiges Album mit offenem Thema. Ich bin mir sicher, dass mein nächstes tiefgründiger und themenbasierter sein wird. Mit ‚Cola Party‘ wollte ich meine Herkunft reflektieren und die Art von Musik, die mich auf den Partys und in den Clubs von Detroit begeistert hat.“

Marc Houle wuchs in der Motor City mit Klängen aus dem Radio auf. „Meine Lieblingsstücke waren damals Sachen wie `Jack Your Body´ und andere verrückte Booty Tracks. Damals ging es darum, welche Gefühle die Musik bei dir erzeugt und nicht nicht so viel darum, was jemand mit einem Stück aussagen wollte. Da hörte man etwa eine seltsame Vocalline, die dir sagte, dass du tanzen und fühlen und nicht alles zu sehr analysieren sollst.“ Für den Gear-Fan Marc Houle gibt es derzeit erfreuliche Entwicklungen: „Ich mag es, wie kleine Firmen in den letzten Jahren wieder damit angefangen haben, analoges Equipment herzustellen. Es begann klein, führte aber zu einer Wiederauferstehung, die auch größere Unternehmen wie Moog, Dave Smith, Korg oder Sequential Circus motivierte, moderne Ausgaben analoger Klassiker herauszubringen. Das wächst nach wie vor und ich bin gespannt, was als nächstes kommt. Das begeistert mich viel mehr, als die neuesten iPad Apps.“ Wie viele andere auch steht Houle aber vor einem Rätsel, wenn es um die Erklärung des EDM-Hypes geht. „Ich verstehe nicht, warum sie es Electronic Dance Musik nennen müssen. Sehr viel von unserer Dance Music ist doch elektronisch. Wer weiß, wohin das alles noch führt. Doch ganz egal was daraus wird, es wird immer eine Gruppe von Menschen geben, die Chicago House und Detroit Techno lieben. Das ist die beste Musik und die durchtrennt jede ‚commercial fanny pack glow stick candy rave music loving trends‘, die es auch noch auf das Cover des Rolling Stone schaffen.“

 

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