Hinter dem Alias verstecken sich Matze und Johannes, zwei Kumpanen, die ihre Leidenschaft für Musik nicht nur zu ihrem Beruf gemacht haben, sondern sie sogar als Mission sehen. Als Mission, gute Laune zu verbreiten und die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Neben Veröffentlichungen auf Defected, Katermukke oder Hot Creations zählen sie zu den Kernkünstlern des Labels Mother Recordings, welches in diesem Monat mit einer dreiteiligen Compilation den Geburtstag des Duos feiert. Gute Laune versprühen die beiden nicht nur im FAZEmag Download-Mix, für den sie in diesem Monat verantwortlich zeichnen, sondern auch im Interview. Wir trafen Johannes, um zu erfahren, wie es um das Gespann steht und welche Pläne die Brüder im Geiste für dieses Jahr haben.

 

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Johannes, schön, dass du dir Zeit genommen hast. Wie begann 2018 für euch und wie ist das Jahr bisher so gelaufen?

Sehr gerne doch! 2018 ging schon gut los für uns. Wir haben den Jahreswechsel in Südafrika auf einer Wine-Farm verbracht. Ein New Years Eve, das wir so schnell nicht wieder vergessen werden, da es an dem Tag kurz nach unserem Set anfing, aus Eimern zu regnen. Wenn man in der Nähe von Kapstadt spielt, erwartet man das nicht. Aber das hielt die Menge und uns glücklicherweise nicht davon ab, weiter zu feiern. Im Anschluss waren wir einen Monat in Thailand. Das war richtig gut und gab uns durch die Basis auf Koh Phangan die Möglichkeit, neue Musik zu produzieren. Weitere Highlights in diesem Jahr waren bisher die USA, wo wir wieder auf der Miami Music Week spielen durften, und Australien, wo wir durch für uns neue Städte wie Byron Bay, Noosa und Geelong tourten.

Lass uns ganz nach hinten in eurer Zeitachse gehen. Im Jahr 2008 formiertet ihr das Projekt Twomanics, mit dem ihr euch gemeinsam in der Hip-Hop-Sphäre bewegt habt. Wie war diese Zeit für euch?

Spannend! Matze war im Erstellen von Mixtapes sehr erfahren und ich habe ja schon vorher Beats produziert. Wir haben uns zusammengetan und einfach geschaut, was dabei herauskommt. Rückblickend müssen wir sagen, dass wir in der Zeit gelernt haben, hier und da auch mal Elemente unverändert, zu laut, zu leise oder schief zu belassen, auch wenn sie erst mal „falsch“ erscheinen. „Falsch“ kann auch interessant sein.

Inwiefern hattet ihr mit eurem Projekt Erfolg? Über den Namen kann man heute nicht mehr viel in Erfahrung bringen.

Erfolg hatten wir im deutschsprachigen Raum sowie in den USA. Wobei unser „Erfolg“ sich hier auch eher auf den Rap-Underground bezieht. Hier ein Beat, da ein Beat. Und etliche Songs, die bis heute nicht das Licht der Welt erblickt haben.

Später faszinierte euch die elektronische Musik immer mehr. Was war der ausschlaggebende Punkt für euch? War es der gemeinsame Umzug nach Berlin?

Der Umzug nach Berlin geschah, weil wir beide dringend einen Tapetenwechsel brauchten. Das Timing war perfekt und wir haben uns sozusagen den letzten Seitenhieb gegeben: „Los, komm, wir machen das jetzt!“ Zuerst wegen des Studiums, doch nach und nach auch mit dem Ziel, weiter in die Materie vorzudringen. Die Faszination für elektronische Musik war immer da, wurde aber in Berlin zunehmend ernster genommen und in eigene Releases umgesetzt.

Letzten Dezember habt ihr mit „Love Stream“ einen ziemlich großen Hit gelandet. Bei Beatport ging er, um mal in das Phrasenschwein zu greifen, durch die Decke. Grundpfeiler ist ein Sample von Lumidees Track „Never Leave You“ aus dem Jahr 2003. Warum hat es euch gerade dieses Sample so angetan?

Bei Matze zu Hause in Hannover liefen den lieben langen Tag alle möglichen R-’n’-B- und Rap-Videos rauf und runter – von Dipset über Diddy, Cassy, Ryan Leslie, Nas, Jay-Z bis hin zu Fat Joe war alles dabei. Wir haben das schon sehr gefeiert und uns eines Tages auch an diesen Track erinnert, von dem es übrigens fünf verschiedene Versionen gibt. Wir haben ordentlich an der Nummer herumgedoktert, aber es hat anscheinend die richtige Version den Schnitt gemacht.

Nun erscheint im Juni ein neuer Track für die „Mother Five Years Anniversary“-Compilation, „Tick Tick Tick“. Wie ist dieser Track entstanden und warum passt er so gut auf die Jubiläums-Compilation?

„Tick Tick Tick“ ist ein typischer Mat.Joe-Track – das ist ein Grund dafür, dass er unserer Meinung nach extrem gut auf die Jubiläums-Compilation passt. Ein anderer Grund ist, dass er unsere momentane Energie sehr gut verkörpert, die wir beim Produzieren ausleben. Die Vocals haben wir in Australien aufgenommen; das war sehr spontan eigentlich, einfach nur mit einem Telefon in unserer Airbnb-Unterkunft. Von dort aus haben wir den Track dann auch gleich ausgearbeitet. Wir hatten sehr viel Spaß dabei – und natürlich hoffen wir, dass er auch gefällt!

Des Weiteren erscheint eine neue EP von euch auf Superfett, dem Sublabel von Mother Recordings. Was kann man von ihr erwarten?

Wir haben zwei energiegeladene Tracks gebaut. Beide sind recht verschieden, aber beide machen uns bisher echt Spaß und funktionieren super, wenn wir selbst auflegen. Einer ist eher flippig und der andere ein bisschen latinomäßig. Eine, wie wir finden, gute Abwechslung.

Warum eigentlich auf dem Sublabel und nicht auf dem Hauptlabel?

Superfett steht für die härteren, techigeren Tracks, während Mother klassischen House, Deep House oder auch discolastige Tracks veröffentlicht. Deshalb hat es wohl besser auf das Sublabel gepasst.

Sublabels halte ich generell für ein spannendes Thema; ein kleiner Trend, den man vor vielen Jahren noch nicht so gesehen hat. Sei es vor dem Hintergrund, Musik verschieden zu kategorisieren, oder mit dem Ziel, neue Künstler auszuprobieren – viele Perlen entdeckt man heutzutage auch bei den Schwesterlabels.

Das sehen wir genauso. Sublabels sind wie B-Seiten und es war ja schon immer so, dass die ganz besonders gut ankommen oder wahre Perlen sind. Diese Entwicklung bietet den Labels ideale Entfaltungsmöglichkeiten; sie können sich klanglich öffnen und erweitern, ohne die Assoziation zum Hauptlabel zu verlieren.

Ihr seid generell sehr stark mit dem Label Mother Recordings verbunden. Wie etablierte sich eure Partnerschaft?

Wir kennen Nhan Solo [Anm. d. Red.: Nhan Solo hat 2012 das Label Mother Recordings ins Leben gerufen] schon seit einer gefühlten Ewigkeit. Für uns ist er quasi ein langjähriger Homie. Er war der Erste, der sich damals, also 2011, unsere Demotracks angehört und diese auch veröffentlicht hat. Von daher besteht die Verbindung schon seit Tag eins des Labels und unserer Karriere – und sie ergibt für uns auch nach wie vor Sinn. Die Zusammenarbeit ist super und wir haben eine solide Plattform, auf der wir regelmäßig veröffentlichen können. Das freut uns.

Ihr habt aber auch durchsickern lassen, dass ihr in diesem Jahr noch ein eigenes Label auf die Beine stellen wollt. Wie kam es zu diesem Entschluss und wie wollt ihr euch von anderen Labels unterscheiden? Wie sieht euer Konzept aus und was darf man erwarten?

Das ist richtig. Die Entscheidung trafen wir aus dem Gedanken heraus, auf diese Weise unabhängiger Musik raushauen zu können, also ohne dabei Rücksicht auf die Meinung anderer nehmen zu müssen. Wir wollen uns nicht unbedingt von anderen Labels unterscheiden. Den Unterschied wird letztendlich die Musik in Kombination mit dem Artwork machen – und erwarten darf man erst mal nur Musik von Mat.Joe.

Würdet ihr euch generell eher als Produzenten oder als DJs bezeichnen? Welcher Part nimmt bei euch die meiste Zeit ein und welcher bereitet euch mehr Spaß?

Das ist bei uns ziemlich ausbalanciert, da wir beide sowohl das Produzieren als auch das Auflegen sehr genießen. Beide Bereiche haben immer wieder diese intensiven Momente, die einen pushen. Es hat auch parallel angefangen damals: Track basteln, Track spielen. Immer im Wechsel. Wir produzieren mittlerweile auch unterwegs und stellen fest, dass beides viel Zeit in Anspruch nimmt. Egal, ob man jetzt einen Bass mischt oder auf der Suche nach neuer Musik ist: Alles braucht seine Zeit.

Als DJs seid ihr zurzeit auch sehr viel unterwegs, du hast es anfangs erwähnt. Gerade habt ihr auch eine zweiwöchige Tour durch Brasilien hinter euch. Demnächst steht die Festivalsaison an – das bedeutet in eurem Fall: SMS, Deichbrand, Defected, viele Gigs auf Ibiza. Ist das für euch eine stressige Zeit oder ist das für euch genauso, wie Gigs in Clubs zu spielen?

Es ist schon etwas anders. Man ist ja meistens draußen oder unter riesigen gespannten Zelten. Man bekommt im Idealfall Sonne ab, spielt in den Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang hinein und trifft Kollegen und Kolleginnen mit Schlappen im Badeoutfit. Das ist schon sehr lustig. Stressig kann es werden, wenn die Akkreditierung ewig dauert, die Getränkemarken einfach nicht reichen wollen, das Shuttle zurück nicht da ist oder an der anderen Seite des Festivals abfährt. Aber all das sind Luxusproblemchen. (lacht)

Wenn ihr mal nicht auf Tour seid, wo macht ihr am liebsten Urlaub?

Ganz klar: zu Hause! Und im Winter gerne in sonnigen Gebieten wie Südafrika, Südamerika oder Asien.

Lasst uns mal abseits vom musikalischen Treiben bleiben. Wie sieht euer Leben neben der Musik aus? Welche Hobbys habt ihr, welchen Aktivitäten geht ihr nach, wie entspannt ihr euch vom Tour- und Produzentenleben? 

Matze arbeitet gerne an seiner eigenen Wohnung und ich selbst war letztens erst wandern in der Sächsischen Schweiz. Ansonsten findet man uns im Sommer beim Grillen auf dem Tempelhofer Feld, beim Schwimmen in den Seen des Berliner Umlandes oder auch in diversen Spas.

Kommen wir zu dem Mix, den ihr diesen Monat für uns zusammengestellt habt. Wie seid ihr an ihn herangegangen? Gab es ein bestimmtes Schema, nach dem ihr eure Tracklist gebastelt habt?

Oh ja, wir freuen uns sehr, für euch einen Mix abgeben zu können! Wir haben allgemein sehr darauf geachtet, dass er ausgewogen ist. Wir wollten nicht nur stumpf auf einem Level durchbrettern, sondern ein bisschen Dynamik haben, damit man ihn oft und gerne hören kann. Unser Ziel war also ein zeitloser Mix. Es sind veröffentlichte und bisher unveröffentlichte Tracks sowohl von anderen Künstlern als auch von uns dabei.

Gab es zwischen euch Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Track-Auswahl? Gab es Nummern, die der eine wollte, der andere nicht?

Wir beide haben das große Glück, einen sehr ähnlichen Musikgeschmack zu haben. Es kommt also echt selten vor, dass einer mal „Ne, das ist nicht meins“ sagt, wenn man sich was vorspielt. In diesem Fall ist die Track-Auswahl schlüssig und spiegelt auch das wider, was wir momentan geil finden und für welchen Sound wir persönlich stehen.

Was steht ansonsten noch für dieses Jahr auf dem Programm bei euch?

Neben dem Start des eigenen Labels freuen wir uns auf Electric Forrest diesen Monat, eine weitere US-Tour im Spätsommer, Shows in Städten und Ländern, in denen wir zuvor noch nicht waren, sowie weitere Releases auf den Labels, die wir lieben. Also, sehr viel – und wir freuen uns riesig drauf!

 

Aus dem FAZEmag 076/06.2018
Text: Janosch Gebauer
www.facebook.com/matjoemusic

FAZEmag DJ-Set #77: Mat.Joe – ab sofort und exklusiv bei iTunes & Apple Music
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