moses hat gesprochen
Moses hat gesprochen #025, FAZEmag 051/05.2016
Ach, Jan Leyk …

Ach, Jan Leyk. Über dich zu schreiben, ist eigentlich so ausgelutscht wie mein Schwanz vor 15 Jahren. Deine ständige Profilneurose ist so normal geworden wie mein Rückenschmerz, wenn ich morgens aus dem Bett falle. Während ich den männlich-herben Duft auflege, zwängst du dich in deine Yoga-Lederhose von irgendeinem dieser neuen, angesagten schwedischen Labels. Kleidlanges Shirt, selbstverständlich. Ich knöpfe derweil mein Hemd zu und versuche, zu erschnüffeln, welches Kind hier nun zuerst gekackt hat. Meine Karriere – sollte ich denn eine gehabt haben – ist längst vorbei, deine auf dem Höhepunkt, man könnte sagen, auf dem Mainfloor der Großraumdisko. Dein Loft sieht mehr nach Boutique aus, meine Wohnung mehr nach Klicklaminat. Du kommst aus dem Fernsehen, ich habe die Dinger nur noch für KiKA. Du ballerst jedes Wochenende durch die Dittschen der Kleinstädte und Randgebiete, ich penne um neun auf der Couch ein. Du brüllst konstant deine verschrobenen Meinungen ins Netz, ich übe das ABC.

Du hast deinen Arsch an Felix Jaehns Türklinke gerieben, ich habe laut gelacht. Ich habe meinen Spaß gehabt, du bist mittendrin. Doch was kommt jetzt noch für dich? Während der Großraum langsam stirbt, lege ich in meinem Familienvan den nächsten Gang ein. Proportional zu den schrumpfenden Karos auf meinen Hemden gehen dir die Alternativen aus. In der Szene, die nicht auf Minirock oder 1€-Partys steht, kennt man dich nur als zu lautes Opfer deines eigenen Egos. Während du musikalisch bedeutungslos bist, wische ich mal wieder den Staub von meiner Plattensammlung. Ich bin übrigens der männlich-holzig riechende Typ, der im Flieger hinter dir sitzt. Während deine Prollo-Entourage ihre Snapbacks zurechtrückt, ziehe ich mir den Kragen meines Trenchcoats ins Gesicht.

Rinjeboxt Dein Moses

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