moses hat gesprochen
Moses hat gesprochen #027, FAZEmag 053/07.2016
Veranstalterfeedback aus der Hölle

Es ist Festivalsaison. Hochpreisige Tickets, große Line-ups und unzufriedene Gäste sowie Scheißestürme auf Facebook zieren meinen Alltag.

Neulich bekam ich einen Beschwerdebrief weitergeleitet, der mich schmunzeln ließ. Lest selbst:

„Sehr geehrte Damen und Herren,
ich war am Datum XY auf Ihrer Veranstaltung zugegen, bei der Sie elektronische Tanzmusik spielten. Unbeschreibliche Zustände haben sich auf dieser Veranstaltung zugetragen, die meine körperliche Unversehrtheit auf’s Spiel setzten. Dies veranlasst mich dazu, den Eintrittspreis aufgrund Nichterfüllung der Leistung sowie Verletzung der Fürsorgepflicht zurückzuverlangen.

Zu den Ursachen:

Insbesondere die Tatsache, dass Sie elektronische Tanzmusik unter freiem Himmel stattfinden lassen wollten, brachte mich zu dem Entschluss, Ihr Angebot wahrzunehmen. Diesbezüglich nahm ich im Vorfeld Kontakt zu Ihnen auf, um mich zu erkundigen, ob alle notwendigen Genehmigungen eingeholt und Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden sind. Ich begab mich mit meiner Begleitung zügig zum Veranstaltungsgelände und war rechtzeitig zugegen. Vor dem Einlassbereich hatte sich bereits eine Schlange von ungefähr 22 Personen gebildet. Aufgrund einer Streitigkeit unter den Gästen verzögerte sich der Einlass der Menschenmassen und es kam zu Unmutsbekundungen und einem Gerangel unter den Gästen. Die Druckbewegungen brachten mich beinahe zu Fall und wurden dann für meine Begleitung und mich so massiv, dass wir kaum noch Luft bekamen. Die Gesamtumstände waren fatal und brachten mich in eine missliche Lage. Ich war gezwungen, die Veranstaltung umgehend zu verlassen, und bitte daher um eine Rücküberweisung von 70 % der Eintrittsgelder, zusammengesetzt aus einem Bestandteil der Eintrittsgelder und einem nicht zu verachtenden Schmerzensgeldanspruch.

Sollte dies nicht zu meiner Zufriedenheit geschehen, werde ich meine Anwälte mit dem Fall beauftragen.

Mit freundlichem Gruß

Uwe Jens”

Natürlich habe ich diese Geschichte erfunden, sämtliche Namen und Details entspringen meiner Fantasie und sind lediglich angelehnt an eine Tatsache, die sich unlängst ereignete. Interessanterweise trudeln immer und immer wieder ebensolche Forderungen bei Veranstaltern ein. Ich nenne so etwas frech/dreist – schließlich wird sich an allen Ecken und Enden Mühe gegeben, um den Gästen ein grandioses Erlebnis bieten zu können. Uwe Jens darf gerne weiter Falschparker aufschreiben. Hauptsache, er hält sich zukünftig von „elektronischer Tanzmusik” fern.

Euer Moses

Mehr Moses: www.fazemag.de/category/kolumnen/moses-hat-gesprochen