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Moses hat gesprochen #036, FAZEmag 063/05.2017

Filme aus der Hölle

 

Kennst du diese Abende? Netflix, Amazon Prime oder Maxdome, Pizza und keine Hose an? Das Gute an diesen Filmpools ist ja der Fakt, dass du Filme schauen kannst, die du dir sonst nie anschauen würdest, ohne dabei wirklich spürbar Geld an einer Kinokasse zu lassen oder in eine Blu-ray zu versenken. „Because We Are Friends“ ist genau so einer. Die Zeiten der „DJ-Filme“ und Biografien sind für mich vorbei. Ich muss nicht mehr in krisselige 90er-Jahre-Videos schauen, die mir zeigen, wie hart Tanith im Planet aufgelegt hat oder dass der Tresor in der Weltbank war. Ich muss keinem Westbam mehr in seiner verpeilten Sprache zuhören, wie er über die Vergangenheit faselt, oder Paul Kalkbrenner dabei zuschauen, wie er im Irrenhaus „Techno, Titten und Trompeten“ propagiert. Aber, hey – neue Generation, neue Idole.

Unser Idol heißt Zac Efron oder besser „Cole Carter“. Euer Ernst? CC, wie ich ihn spitzbübisch nenne (gesprochen: SISI), Typ „College Quarterback“ – nur ohne Muskeln – ist die personifizierte Langeweile in heiser. So sind also diese EDM-DJs drauf! Schnarch. Der Junge, der mit einem V-Neck-Shirt geboren wurde, befindet sich in einer hochemotionalen Situation. Natürlich. Er ist ein junger Newcomer-DJ, der mir in tiefgründigen Zitaten beibringt, wie das so läuft: „128 bpm, das ist die magische Zahl!“ Verdammt. CC spielt das unbezahlte Warm-up und arbeitet so halb irgendwie als Promoter für den Club, in dem er auch auflegt. Natürlich zusammen mit seinen Freunden. Und seinen übergroßen Sony-Kopfhörern, die ihm irgendwie an den Kopf gewachsen sind.

Irgendwann lernt er James Reed kennen, den Star-DJ. Also ich meine DEN Star-DJ. Tiesto, Steve Aoki, Alesso, James Reed. Na klar. James hat Ahnung, PCP und weiß, dass man Nikotin nicht mit THC mischen darf, „… das versaut den gesamten Effekt, das Zeug musst du genießen.“ An ungefähr diesem Punkt steigt die heiße Schnalle von James in den Plot ein, Sophie – gespielt von Emily Rataijkowsky –, und die ist so heiß wie L.A. um diese Jahreszeit. Scheiße! Ab hier lohnt sich der Streifen auch, zumindest dann, wenn man den Ton ausmacht und etwas hin und her spult. Kennt ihr. Die Story ist zügig weiter erzählt: Sie hat natürlich keinen Bock mehr auf ihren arroganten Macker, CC zuckt mit seinem Collegeboy-Charme und Sophie kriegt steife Nippel. Bums, Bums, James kriegt’s raus und stellt CC zur Rede – und das kurz nachdem er ihm den lang ersehnten Gig bei einem großen Festival besorgt hat. Dazwischen und danach findet absoluter Nonsens statt: CC verkracht sich mit seinen Freunden, einer stirbt, er fängt an zu produzieren und die Musik auf einmal zu „fühlen“, tritt dann doch beim Festival auf, und zwar mit seinem eigenen Track, und wird der Star. Bang!

Wichtig hier: Immer emotional gestört gucken und jedes männliche Individuum „Bro“ nennen. Ein wenig „Fast & The Furious“ und so. Ist EDM wirklich so? Ist EDM wirklich dieses aufgeblasene Disneyland aus immer schönen Menschen in Bikinis und V-Necks, die sich jeweils an ihren Brüsten oder Muskeln satt sehen und dabei Musik geil finden, die wir vor 20 Jahren schon im Original als zu cheesy weitergespult haben? Muss ich mir zukünftig bei jedem Vocal zwei Finger an die Schläfe halten und die Augen schließen? Werdet erwachsen. Bitte. Guckt euch „Feiern“ an.

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