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Moses hat gesprochen #037, FAZEmag 064/06.2017
Ein Leben ohne Facebook …

 

… ist möglich, aber sinnlos. Das war meine Einstellung vor ein paar wenigen Monaten, ja Wochen. Seit Jahren teilte ich alle Facetten meines Privatlebens – Bilder, Zitate, Beziehungen, Storys, Positives wie Negatives. Und jede Reaktion auf diese Beiträge sorgte für ein kleines Glücksgefühl in meinem Hirn. Heute nenne ich das Sozialdiabetes.

Ich erkläre euch diesen Vergleich: Diabetes gliedert sich in zwei Typen. Typ 1 ist genetisch bedingt, der Körper kann einfach kein Insulin produzieren. Typ 2 ist angefressen: Die Zellen können keinen Zucker mehr aufnehmen. Keinen Bock mehr. War zu viel. Zuckeroverflow. Facebookoverflow: Mein Kopf konnte nicht mehr filtern, wo das reale Leben und wo das Netz-Leben anfängt bzw. aufhört. Saß ich mit Freunden am Tisch, hatte ich nonstop mein Smartphone in der Hand, um Beiträge und Reaktionen zu checken. Im Minutentakt. Eine Timeline lässt sich ja auch innerhalb von Sekunden wiederholt durchscrollen. Gibt es kein interessantes Katzenbild oder kann man sich nicht über eine Verschwörungstheorie aufregen, findet man sicher einen interessanten Artikel zum Lesen. So mutierte ich langsam, aber stetig zum Zombie.

Meine Beziehungen wurden ebenfalls beeinflusst. Es mischt sich plötzlich jeder Schmock ein und denkt, er wäre in der Lage, sich eine Meinung zu bilden. Schließlich kenne man sich ja, wenn auch nur virtuell, und das von mir Gepostete sei ja auf jeden Fall ein Spiegel meines Charakters. Ja, nein. Nein! Das Gepostete ist das, was du Schmock sehen sollst. Gefaktes Glück in einer Welt, in der auch mich alltägliche Probleme herausfordern.

Ganz besonders nervig dieser Tage ist die Flüchtlingskrise. Obwohl längst schon wieder Vergangenheit: Die Flüchtlinge sind Schuld. Und wenn nicht die, dann aber die Chemtrails! Und die Erde ist eh flach, denn YouTube sagt es uns ja. Facebook ist der Schmelztiegel der Verdummung geworden.

Mittlerweile kennen meine Freunde wieder mein Gesicht und ich weiß wieder, wie meine Umwelt aussieht. Ich bin sehr froh, diesen Schritt gemacht zu haben, obgleich ich nicht ausschließe, wieder dorthin zurückzukehren. Dann aber als geläuterter Mensch mit neuen Prioritäten.

Eines nervt aber: Bolle! Falls du das hier liest, ruf mal an – du hast noch meine Technics und ich kein Facebook mehr, um dich zu kontaktieren.

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