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Moses hat gesprochen #044, FAZEmag 01.2017
Ein Abgesang auf ein Jahr

Zweitausendsiebzehn. Eine ungerade Zahl. Klingt doof. Schmeckte bitter, war aggressiv und sauer, irgendwie hässlich und lässt mich recht ratlos zurück. Wie oft hätte ich gerne dieses eklige Jahr in den Abfluss gekippt, aber oft man kann es sich einfach nicht aussuchen. Es ist, wie es ist und es ist irgendwie noch immer gut gegangen. Wichtig ist es, aus diesem Jahr ohne langwierigen und ekligen Kater hinauszugehen. Frisch zu sein, fokussiert und bereit.

ZweitausendACHTzehn, so tonal, so wundervoll. Eine Klangfarbe, die mich diesen Jahrgang säuseln lässt. Er wird sanft im Abgang sein, leicht säuerlich im Bouquet, aber einer der besten. Ich bin mir sicher – sozusagen Urin-sicher.

Wer mich kennt, weiß um meine Facebook-Abstinenz und vor allen Dingen auch um meinen Rückzug aus der Szene im letzten Jahr. Auch wenn die Gründe dafür andere sind, war diese Entscheidung erfrischend und befreiend. Ich war ausgeklammert von schlechter Promo sowie wilden Nachrichten ohne Text und nur mit SoundCloud-Links, DJ-Polls und anderem Schwachsinn. Vor allen Dingen aber konnte ich die Bundestagswahl ohne AfD-Polemik überstehen.

Nichtsdestotrotz – here I am again. Dosiert, angenehm und immer mit einer Kopfnuss in der Tasche.

Was wünsche ich mir für 2018? Vor allen Dingen erstmal melodischeren Techno. Wir sind jetzt jahrelang schwarz herumgelaufen und wollten dunkler sein als die Ritzen eurer Mütter. Zeit, die Doc Martens einzutauschen und etwas fluffiger zu werden. Wir müssen ja nicht gleich eine Schaumparty im Berghain feiern und Knicklichter brauch ich auch nicht, aber diese aufgesetzte Endzeitstimmung braucht doch wirklich kein Mensch.

Einen Abgesang auf EDM? Ha. Ha. Hahaha. Ha. Nein, das wird nicht passieren. Arrangieren wir uns damit. Diese Reinpumperei von Geld in die Szene ist ja auch nicht ausschließlich schlecht.
Stellt euch vor, 2018 wäre nicht das zehnte Jahr in Folge das wir als „Jahr des Clubsterbens“ beschreiben würden sondern als „Auferstehen der Szene“ oder so. Ein Freiraum für Kultur, geschaffen durch Bund und Länder per Gesetz. Ich fange an zu träumen, entschuldigt bitte.

Paris Hilton könnte vielleicht im Berghain auftreten. So als Überraschungsgast. Ich würde meinen rechten Fuß verwetten, dass das niemand so richtig merken würde, man darf in den heiligen Hallen ja schließlich alles spielen und plötzlich ist es dann Kult. Ich bin eh für mehr Taylor Swift auf Ecstasy.

Stellt euch vor, SoundCloud hätte endlich eine funktionierende App und ein fröhliches Lizenzsystem. Da hat doch direkt jeder Investor die Hand in der Hose. Apropos Hosen. Ich bin für ein generelles Verbot von Bootcut-Jeans und um direkt dem nächsten Trend vorzubeugen: Schlaghosen-Verbot ebenso. Aber gut, im Hain haben sie eh alle nur Leggins an oder sind nackt.

Nichtsdestotrotz bleibt mir nur noch zu sagen: Auch Salz brennt in der Nase, ist aber wesentlich gesünder und ja: Wasser schmeckt wesentlich besser, wenn man es gegen Cola austauscht – das bringt einen aber auch früher unter die Erde.

Zeit für gute Vorsätze und deren vollkommen fehlende Umsetzung.

Herzlichst
Euer 
Moses

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