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Moses hat gesprochen #048, FAZEmag 06.2018
Deutschland und deine Trance-Musik

Was ist bloß aus dir geworden? Von Zeit zu Zeit erbarmt sich ein Veranstalter und geht das Risiko ein, klassische Trance-Acts zu einem Event zusammenzuführen, das nicht gleich eine Retro-90er-Party ist. Bei unserer EDM-geplagten Jugend finden Flächen und Gesang ja durchaus statt – solange dabei alles explodiert und nach dem Break gequietscht oder es zumindest anstrengend wird.

Neureiche Architekten, die nicht begriffen haben, das Sakkos zu Jeans längst nicht mehr frech sind, halten ihre Smartphones wie Fremdkörper vor sich, um mit ihrer viel zu jungen Freundin das nächste Selfie zu machen, während „Exploration Of Space“ den traurigen Soundtrack zu einer – zumindest in Deutschland – längst ausgestorbenen Musikrichtung mimt. Es ist zum Brechen, so steht das letzte gallische Dorf irgendwo im Dreiländereck von Benelux, Großbritannien und Australien seinen Mann und verteidigt die Cosmic Gates und Above & Beyonds dieser Welt. Früher, als der der Bonzai noch von Frankfurt bis Hamburg gehegt und gepflegt wurde, war die Welt noch eine bessere? Mitnichten, aber der Drang nach Flächen und Synths ein stärkerer?

Ist EDM die Weiterentwicklung? Brooklyn Bounce und Cosmic Gate in einem Set zu mixen, war nicht so abwegig. Hands Up war schließlich schon immer der simple Ableger, gespickt mit einfachen Drops und Breaks.

Nun, ich glaube sicher, dass hier noch Bedarf ist, schließlich sind die großen Jungs auch immer noch gut im Geschäft. Es ist einfach nur die Frage, welche Veranstalter bereit sind, zu investieren und das totgesagte wieder auferstehen zu lassen.

Die Zeit ist wieder reif!

 

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