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Die Berliner Firma Native Instruments hat ihrem kompaktesten DJ-Controller Traktor Kontrol S2 ein umfassendes, zweites Redesign spendiert. Neben seinen gefeierten großen Brüdern S4 und S8 soll der S2 all jene ansprechen, denen ein Zwei-Deck-System zum Auflegen reicht, die aber nicht auf hohe Qualität und eine stimmige Interaktion mit der Traktor-Software verzichten wollen. Für uns Grund genug für einen Test: Wie viel Purismus verträgt das moderne DJing?

Outboxing
Die kleinen Ausmaße sind natürlich das erste Merkmal was auffällt: Gerade mal 49 x 26 x 6 Zentimeter bemisst der Controller und stellt mit gerade mal 2360 Gramm ein Leichtgewicht dar. Doch zerbrechlich wirkt er damit nicht: Sehr robuste, hochwertige Materialen bestimmen die Oberfläche. Auch nach langer Benutzung wackelt hier nichts, weder die überdimensionalen Jogwheels, noch die Potis. Wie gewohnt ist die Traktor-Pro-3-Software auch hier mit im Preis enthalten, sowie ein Special-Offer von Sounds.com und zahlreichen Stickern.

Anschlüsse
Anschlussseitig gibt es einen Master-Output, handelsüblich als Cinch-Format, einen Anschluss für das 15-Volt-Netzteil, eine USB-C-Verbindung für Laptops sowie ein USB-Anschluss für iOS-Devices. Der Kopfhörer-Ausgang für 3,5-Milimeter-Klinkenkabel befindet sich an der Vorderseite und auch ein Eingang für Mikrofone steht bereit. Für die Stromversorgung reicht das USB-Kabel theoretisch aus, doch benutzt ihr das S2 zusammen mit einem iOS-Gerät wie dem iPad, empfehle ich, das Netzteil anzuschließen. So kann das Apple-Tool sich aufladen und einem langen Set steht nichts mehr im Wege.

Mixing
In der Mitte befindet sich die Mixer-Section: Hier findet sich wirklich alles, was man beim auflegen oft benötigt: zwei robuste Kanalfader, einen sehr leichtgängigen Crossfader, jeweils einen 3-Band-Equalizer mit Full-Kill-Funktion sowie einem Gain-Poti pro Channel. Darüber hinaus kann man selbstverständlich auch die Gesamtlautstärke, die Kopfhörerlautstärke, den Headphone-Mix sowie der Pegel der Remix-Decks einstellen. Auf diese Bread-and-Butter-Funktionen war im Test immer Verlass, nicht zuletzt durch die hohe Wertigkeit der Fader und Potis. Das wahre Highlight liegt aber genau in der Mitte der Mixer-Sektion: Jeder der zwei Kanäle besitzt nämlich noch eine Filter-Funktion mit beeindruckenden Effekten, von denen man immer vier zur Auswahl hat: Noise, Flanger, Barber Pole, Reverb, Dual Delay Dotted Delay, Crush Time Gater und Filter lassen eine starke Manipulation von Tracks zu und sind ein gutes Tool für stimmige Übergänge und dezente Eingriffe in den Spannungsbogen der Tracks. Eine weitere Funktion, die es bei den Mitbewerbern in dieser Preisklasse nicht gibt, ist die Pegelanzeige für jeden Kanal, deren visuelles Feedback in so mancher Situation während eines Gigs alles retten kann.

Player
Die Decks sind praktischerweise nicht gespiegelt, sondern identisch aufgebaut, was einen enormen Vorteil beim Workflow bedeuten kann. Über die zwei Decks kann man auf die Traktor-Decks 1+2 zugreifen, was für viele DJs schon reicht. Doch hier kommen die Pads, bestehend aus dem gleichen Material wie bei der Maschine, ins Spiel: Diese lassen sich entweder zum Switchen von Cue-Punkten nutzen oder zum Abfeuern von One-Shot-Samples und Loops, mithilfe der Remix-Decks in Traktor, sodass man mit diesen Controller doch alle vier Kanäle der Software nutzen kann, wenn auch nicht im ganzen Funktionsumfang. Die Pitch-Fader sind etwas klein geraten, verfügen aber eine unglaubliche Genauigkeit von einem hundertstel BPM und eine Gesamt-Range von +-20 BPM. Wenn man möchte, kann man den Sync-Knopf mit dem Pitch-Fader verknüpfen, sodass die Tempi beider abgespielter Tracks beeinflusst werden. Zum Durchsuchen der Library gibt es oberhalb des Jogwheels einen Browse-Encoder: Durch das Drücken dieses Potis gelange ich in übergeordnete Ordner meiner Bibliothek und kann sie mit dem Drehregler intuitiv durchforsten. Dabei hilft die „Like“-Funktion des S2, mit der ich per Knopfdruck meine Favoriten selektieren kann. Auch bei den Jogwheels wurde im Vergleich zum Vorgänger einiges verbessert: Das Handling der mit 14 Zentimeter Durchmesser sehr üppig ausfallenden „Plattenteller“ ist deutlich präziser, sodass Scratches, seitliches Pitchen oder die punktgenaue Steuerung des Tracks auf jeden Fall drin ist.

Einer der meistbenutzten Techniken beim DJing ist definitiv das Loopen von Tracks und das haben die Jungs von Native Instruments hier clever gelöst: Es gibt sowohl einen Loop- als auch einen Move-Poti. Die Loopfunktion wird per Druck des Loop-Poti aktiviert, sodass man nur noch drehen muss, um den Länge des Loops zu verändern – in der Praxis sehr selbsterklärend. Mit dem Move-Button kann man jedoch einen Loop in einem gewünschten Abschnitt eines Tracks setzten, der dann aktiviert wird, wenn der Track bis zu diesem Abschnitt abgespielt wird.

Eine weitere praktische Sektion finden wir beim Transport-Mode: Im Flux-Modus springt der Track nach jeder Jogwheel-Action wieder auf einen gewünschten Punkt zurück, was bei so mancher Rewind-Einlage verdammt hilfreich sein kann. Außerdem haben die Berliner ihrem kleinsten Controller noch einen Reverse-Button spendiert.

Praxis & Fazit
Nachdem die Traktor-Software installiert, per Native Access aktiviert und der S2 während des Tests im Dauerbetrieb war, wollte ich ihn ungern wieder her geben. Sein charmanter Purismus ganz nach der Devise „Reduce it to the Max“ hat mich sehr überzeugt: Auf einer eigentlich sehr kleinen Oberfläche findet sich wirklich alles, was man zum Auflegen braucht. Ehrlich gesagt ist es sogar ein bisschen mehr, denn der Zugriff auf die Remix-Decks und die Mixer-FX lassen dich deinen Sound doch ziemlich stark beeinflussen, wenn du es möchtest. Die Übersichtlichkeit der gesamten Oberfläche und die perfekte Integration mit Traktor Pro 3 macht es einfach, sofort loszulegen. Der S2 ist definitiv kein Controller, dessen Kauf man bereut. Vielleicht wird man irgendwann, wenn man seine DJ-Skills um mehrere Decks und Effekte erweitern möchte, zu seinen großen Brüdern S4 oder S8 greifen oder ihn mit einem Tool wie dem Traktor Kontrol F1 oder X1 kombinieren. Somit richtet sich das Gerät an Anfänger und fortgeschrittene Puristen, die sich auf das wesentliche des Auflegens konzentrieren wollen, ohne zu stark in die Tracks einzugreifen.

Da man aufgrund der iOS-Device-Integration sehr mobil ist, sind Einsatzorte wie Club, Bar, Firmenevent, spontane „Umsonst & Draußen“-Events oder Jamsessions mit einem vollem Laptop-Akku kein Problem für den S2 Mk3.

www.native-instruments.com/de

 

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