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Eine der in den letzten Jahren wohl aufsehenerregendsten Karrieren im undergroundigen Musikzirkus hat die gebürtige Russin Nina Kraviz hingelegt. Neben Maja Jane Coles und Magit Cacoon weiß sie wie kaum ein anderer weiblicher DJ mit überraschenden, vielschichtigen Sets ihr Auditorium einzufangen und in Stimmung zu versetzen. Ihr Händchen und Gespür als echter Digger, beweist sie mit der Auswahl von immerhin 41 Tracks, die sie in 76 Minuten in einen homogenen Mix gießt. Dabei kommen rare Schätzchen aus der guten alten Technozeit in den 90ern (Label: Missile, Djax, Trope, Rising High, Peacefrog, Warp, Sähkö), als auch brandneues, teils noch unveröffentlichtes Material des eigenen Labels zum Tragen (eine hochinteressante Schau zukünftigen Materials). Der manchmal etwas kopflastige, aber dennoch fulminante Mix gliedert sich in zwei Teile mit einem experimentierfreudigem Einstieg, den Bedoin Ascent noch smooth gestaltet, dann aber mit Woody McBridge mächtig an Fahrt aufnimmt und mit dem abgefahrenen Powertrack von PTU “A Broken Clocks Right Twice A Day“ seinen vorläufigen Höhepunkt erlebt. Vielschichtig durchstreift Nina unterschiedliche Technomodi und Welten, die ihre gekonnte Auswahl und die ganz eigene Handschrift einmal mehr unterstreichen. Mit Pete Namlock und Unit Moebius geht es in den zweiten Part, der straighter den Clubgedanken eint und das Highlight der Compilation mit Drax LTD II, Claude Young, Air Liquide oder Christian Bloch darstellt. Hier powert sie die Tracks insbesondere aus der Vergangenheit mit Gespür für eine präzise und intensive Abfahrt, die niemals über das Ziel hinausschießen. Das Manko der Platte: Es sind einfach zu viele gute Titel, denen eine durchschnittliche Laufzeit von 2 Minuten einfach nicht gerecht wird (der Kürzeste dauert 5 Sekunden!). Ansonsten eine formidable Techno-Compilation mit viel historischem Wiedererfahrungs- und Stauneffekt. 9/10 Cars10.Becker