Das mit den Überhits ist in unserer Szene ja immer so eine Sache. Alle produzierenden Künstler streben danach. Ist er dann einmal da, gilt es nachzulegen und den Hype um die eigene Person aufrechtzuerhalten. Gelingt das nicht, kann der Erfolg eines Tracks schnell zu Fluch und Segen zugleich werden. Özgür Yelmen aka Ninetoes ist ein außerordentlich gutes Beispiel dafür, wie man sich nach einem waschechten Hit nicht auf diesen einen Titel reduzieren lässt. Nach „Finder“ im Jahr 2013, das wohl sämtliche Rekorde auf diesem Erdball zu seiner Zeit sprengte, lieferte der Schwabe nachhaltig guten Output – so unter anderem auf Imprints wie Moon Harbour, Saved, Defected oder Avotre. In diesem Jahr stehen einige namhafte Kollaborationen ins Haus sowie die Gründung eines eigenen Labels. Gründe genug, ihn endlich für den offiziellen FAZEmag Download-Mix verantwortlich zu machen. Ein Interview.

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Özgür, wie geht es dir und wo befindest du dich gerade?

Hallo! Mir geht es bestens. Ich bin gerade in Bangkok, hänge am Hotelpool ab und genieße eine frische Kokosnuss. (lacht)

Du hattest also einen eher warmen Start ins Jahr 2018?

Sehr warm und intensiv war der Start. Ich habe an Neujahr zusammen mit meinem Buddy Re.You in Ecuador im Lost Beach Club rund zwölf Stunden aufgelegt, es war der Wahnsinn!

Aktuell bist du auf Welttournee. Was hast du bislang erlebt?

Ich bin noch bis Ende Februar auf Tour und bis jetzt waren auch alle Dates unglaublich gut; ich hatte das Glück, in sehr renommierten und angesagten Clubs zu spielen, und ich hatte stets eine dankbare und motivierte Crowd vor mir. Das Verrückteste bis jetzt auf dieser Tour war definitiv, dass während des Gigs auf Bali mehr Deutsche und vor allem Schwaben bzw. Freunde von mir aus Stuttgart im Backstage waren und mit mir gefeiert haben als sonst jemand. Das war quasi eine Oldschool-Hometown-Posse-Reunion-Party auf Bali.

Lass uns über Ende 2017 sprechen: Du hast das Jahr mit einem eher ungewöhnlichen Release beendet, einem Sampler auf Second State, dem Label von Pan-Pot.

Die Jungs von Pan-Pot und ich sind in den letzten Jahren gute Freunde geworden und verstehen uns super. Ich hatte den Track „Gloomy Lakes“ schon einige Wochen fertig und spielte ihn bereits ein paar Wochen in den Clubs, als die Anfrage von Second State kam, ob ich nicht was für den Sampler „SUM3“ parat hätte. Und auf Anhieb fanden die Jungs den Track super und haben ihn gesignt. Der Track ist sehr „four to the floor“ und ein richtiger Main-Time-Banger – wie immer sehr groovy und sexy, aber dennoch technoid.

In diesem Monat erscheint eine EP von dir auf Gruuv, inklusive eines Remixes von Davide Squillace. Erzähl uns mehr über dieses Projekt und die Kollaboration!

Genau, meine „Big Boy“-EP wird am 23. Februar auf Gruuv, dem Label von Audiojack erscheinen. Das wird das erste Mal sein, dass ich mit diesem Label zusammenarbeite. Der Remix von Davide Squillace kam zustande, da auch wir in den letzten Jahren Freunde geworden sind und er mir schon 2015 versprochen hatte, einen Remix für mich zu machen; er bereut wohl bis heute, 2013 keinen Remix für „Finder“ gemacht zu haben. (lacht) Die Jungs von Kling Klong hatten ihn damals nach einem Remix gefragt, aber er musste aus zeitlichen Gründen absagen.

Das hat ihn sicherlich ein paarmal geärgert. Im März wirst du auf Moon Harbour veröffentlichen; welche Verbindung hast du zum Label und zu Matthias Tanzmann?

Ich arbeite nun bereits seit einem Jahr enger mit Moon Harbour zusammen, da ich auch als Künstler bei Times Artists, der Agentur von Matthias Tanzmann und André Quaas, verbucht werde. Matthias und auch Harvard Bass wurden ebenfalls zu guten Freunden in den letzten Jahren, sodass es einfach war, die Jungs für meine „Stand Up“-EP, die Ende März rauskommt, mit an Bord zu bekommen.

Einen Monat später, im April, feiert dein absoluter Mega-Hit „Finder“ fünfjähriges Jubiläum. Wie betrachtest du nach einem halben Jahrzehnt diesen Track? Manche sehen in einem solchen Hit ja Fluch und Segen zugleich.

Haha, genau so würde ich es auch beschreiben. Wobei ich denke, dass ich noch einigermaßen gut mit dem Hit-Stempel davon gekommen bin und mich nicht auf diesen einen Song habe reduzieren lassen. Stattdessen kam kontinuierlich ordentliche Musik bei angesehenen Labels, wenn man das so selbstbewusst sagen darf. Klar kommt es immer noch vor, dass mich Promoter bzw. Clubs nur wegen dieses Tracks buchen. Aber nach meinem Set sind dann meistens alle sehr überrascht und so begeistert, dass dann sofort über ein Folge-Booking geredet und der Hit zur Nebensache wird.

Gerüchten zufolge wird das Remix-Paket einige ungeahnte Namen in sich tragen, über die du aktuell leider noch nicht sprechen darfst, korrekt?

Leider ja, aber eines ist sicher: Einigen wird die Kinnlade herunterfallen. (lacht)

Ebenfalls ein guter Freund von dir ist Emanuel Satie, wie man euren Social-Media-Aktivitäten regelmäßig entnehmen kann. Aktuell arbeitet ihr gemeinsam im Studio; was ist da geplant und wann können wir mit erstem Material rechnen?

Wir wohnen im selben Kiez, sind quasi Nachbarn, haben einen sehr ähnlichen Musik-, Gaumen- und Lifestyle-Geschmack und legen immer öfter b2b auf. Da war es nur noch eine Frage der Zeit, dass wir eine Kollaboration angehen. Der Track heißt „Injera“ und kommt hoffentlich noch vor dem Sommer raus. Haltet auf jeden Fall Ohren und Augen offen!

Du wirst auch mit der großen House-Legende Junior Sanchez arbeiten. Wie kommt es dazu und was habt ihr vor?

Ich habe Junior Sanchez in Miami vor ein paar Jahren auf der WMC kennengelernt und dort haben wir uns sofort verstanden. Er kam dann vor einiger Zeit mit der Idee um die Ecke, einen Track zusammen zu produzieren. Der Track wird „No More“ heißen und kommt wahrscheinlich im Sommer. Das Label kann ich leider noch nicht verraten.

Apropos Label: Aktuell steckst du in den Planungen für dein eigenes. Warum dieser Schritt und welche Philosophie wirst du dabei verfolgen?

Es gibt mehrere Gründe dafür, dass auch ich ein Label gründen möchte. Der wichtigste ist, dass ich dadurch nicht mehr an andere Labels gebunden bin, was Release-Dates angeht. Ich kann jederzeit einen Track oder eine EP veröffentlichen und kein A&R kann mir reinreden. (lacht) Dann kann ich junge und talentierte Künstler auf dem Label mit aufbauen und so entsteht eine kleine familiäre Posse um einen, mit der man dann schlussendlich auch Labelnächte und Partys überall veranstalten kann – jeder hat etwas davon. Eine klassische Win-win-Situation eben. Ich möchte mit meinem eigenen Label das Rad nicht neu erfinden, doch ich denke, es gibt so viel gute Musik, die noch nicht veröffentlicht wurde, die ich zum Teil seit Monaten als Promo in meinen Sets spiele und die dann hoffentlich bald über das eigene Label zu hören sein wird. Der Name des Labels steht leider noch nicht fest, da ich immer noch zwischen zwei Namen hin- und hergerissen bin. Aber dazu dann im April oder im Mai mehr!

In diesem Monat bist du für den offiziellen FAZEmag Download-Mix verantwortlich. Wie bist du bei diesem Mix vorgegangen und worauf können sich die Hörer freuen?

Auf sexy, groovy Tracks, teilweise von mir. Und natürlich auch tolle analoge Vinyl-only-House-Tracks von Künstlern, die ich zur Zeit sehr schätze, und die ich auch in meinen Sets immer mehr spiele.

Was steht in diesem Jahr außerdem auf der Agenda, abseits der Musik?

Sehr viel Sport. Ich habe mir fest vorgenommen, einige Kilos, die ich mir in den letzten fünf Jahren zugelegt habe, abzunehmen und mehr auf meine Gesundheit zu achten.

Viel Erfolg dabei! 

Aus dem FAZEmag 072/01.2018

FAZEmag DJ-Set #72: Ninetoes – ab sofort und exklusiv bei iTunes & Apple Music
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