Alex Dorkian aka NOK ist Produzent, Booker bei Blue Tunes Records und dank seines breitgefächerten Soundspektrums ein international nicht nur bekannter, sondern auch sehr erfolgreicher Artist. „Thirteen Days“ heißt seine neue Single, die uns Ende September erwartet. Der Hamburger mit deutsch-iranischen Wurzeln prägt die Psytrance- und Proggy-Szene seit nunmehr 18 Jahren und begeistert seine Fans mit einem Sound, der sich nie in nur eine musikalische Schublade stecken lässt.

nok

Zuallererst: Was bedeutet NOK und wofür steht der Name?

Unter diesem Namen bin ich seit Anfang 2000 unterwegs. Damals reiste ich regelmäßig zum Auflegen nach Israel, denn mein guter Freund Maili hatte mich zu USTA Records geholt. Bei
meiner Einreise gab es immer wieder gewisse Verzögerungen – was damit zu tun hatte,
dass ich zur Hälfte Iraner bin. Es kam schon mal vor, dass ich drei Stunden am Flughafen
warten musste. Wenn ich dann endlich aus dem Terminal kam, begrüßte mich Maili gerne
mit den Worten: „Da ist ja endlich unser Nok!” „Nok“ ist Slang für Undercover-Agent – und so hatte ich einen Spitznamen, der dann zum Künstlernamen wurde. Heute steht er für progressive Tanzmusik.

Deinen Sound einem einzigen Genre zuzuordnen, fällt mir etwas schwer. Wo
würdest du ihn einordnen?

Ich konnte mich selbst nie so recht für ein bestimmtes Genre entscheiden, denn Musik ist
ja gerade durch ihre Vielseitigkeit so spannend. In den frühen 2000er-Jahren war ich zum
Beispiel sehr aktiv in der Progressive-Trance-Szene, für die meine Heimatstadt Hamburg bis
heute ein wichtiger Brennpunkt ist. „Offbeat” war damals das große Schlagwort. Trockene,
minimalistische Arrangements, in denen viel Platz für die einzelnen Sounds ist. Aber
gleichzeitig fand ich auch die schnelleren Spielarten jener Zeit superspannend. Im Jahr
2006 veröffentlichte ich unter dem Namen Galactika ein Album, das man wohl dem Bereich
Fullon zuordnen kann. Rückblickend merke ich aber, dass auch dieses Werk nicht wirklich
genretypisch war, denn es war trotz seiner sportlich-treibenden Grooves eben doch recht
aufgeräumt und klar produziert. Als aktuelles Beispiel für meine verschiedenen
musikalischen Interessen möchte ich noch Out Now erwähnen, mein Projekt mit
Stephan und Sirko, bekannt als Symphonix. Wir experimentieren mit den deepen,
psychedelischen Seiten von modernem Progressive Trance. Erfreulicherweise haben wir
damit offenbar den Nerv der Zeit getroffen. Und solo produziere ich aktuell wieder gerne
rollende Reiterbässe, die schön nach vorne gehen. So zu hören auf meiner nächsten Single,
die psychedelisch geprägt ist, aber immer noch eine progressive Seele hat. Als Ausgleich für
diese vielen verschiedenen Ansätze und Projekte empfinde ich übrigens meine
Auftragsarbeiten für Trailer und TV-Produktionen. Da habe ich eine recht klare Vorgabe und
produziere in ganz andere Richtungen: Downbeat, Ambient, Hip Hop – das ist für das
kreative Arbeiten auf jeden Fall sehr erfrischend.

Wann und wo nahm dein musikalischer Weg seinen Anfang?

In der Grundschule habe ich im Kirchenchor gesungen, später bei den Pfadfindern
Gitarre gespielt. Das Musikmachen hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Ich bin schon
früher viel gereist, auch das hat mich musikalisch geprägt. Und 1995 fing ich an, Platten
aufzulegen. Aber Ende der Neunziger stolperte ich dann über etwas komplett anderes,
Neues und extrem Spannendes: meine erste Psytrance-Party. Das war wirklich wie Liebe auf
den ersten Blick. Ich hatte das Gefühl, das gefunden zu haben, was ich musikalisch schon
lange gesucht hatte.

Wie hat deine Familie auf deine Berufswahl reagiert?

Erst mal sehr skeptisch, denn das Musikerleben – und dann auch noch in der sehr
speziellen Trance-Szene – wirkte auf sie überhaupt nicht bodenständig oder überlebensfähig. Als sie dann nach und nach sahen, dass ich Geld verdiene und mit Musik ganz gut herumkomme, haben sie ihre Meinung geändert. Meine Familie ist meine Stütze und ein wichtiger Teil meines Lebens als Musiker.

Was wäre aus dir geworden, wenn du diesen Weg nicht für dich gefunden und
gewählt hättest?

Ich kann mich nicht erinnern, jemals etwas anderes gewollt zu haben als dieses Leben
als Musiker. Das war immer genau mein Ding und als ich es mir einmal in den Kopf gesetzt
hatte, gab es keine Alternativen.

Wer oder was inspiriert dich?

Da gibt es viel. Hier ein paar Beispiele, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: „Parijatak” von Climax Absolüte auf Step2House war mein erstes Psytrance-Vinyl, ich habe es die ersten Jahre in jedem meiner DJ-Sets gespielt. Ich habe immer noch sehr starke Emotionen, wenn ich mir diese Platte anhöre. Auch das Album „Trip To Trancesylvania” von X-Dream habe ich damals rauf und runter gehört. Und natürlich Cosma, der war wirklich ein nicht wegzudenkender Meilenstein in der Geschichte von Psytrance. Seine Musik ist zeitlos gut, er ist womöglich mein Lieblings-Künstler aus der Psytrance-Ecke. Was aktuelle Tanzmusik angeht, bin ich schwer begeistert von Davi und seinen unglaublich deepen, hypnotischen Produktionen. Nicht unbedingt deep, aber immer wieder zum Totlachen: „Stromberg“. Und wo wir gerade bei bewegten Bildern sind, die mich inspirieren: „Into The Wild“. Ergreifende Geschichte, atemberaubende Landschaftsaufnahmen und hervorragender Soundtrack. Zuletzt fällt mir noch der gute Jamie Oliver ein: „Mix everything with everything and it’s tasty.“ Ich liebe Essen und seine Mischungen sind ebenfalls immer wieder inspirierend.

Bei Blue Tunes Records, dem Label von Sirko und Stephan, bist
du mehr als nur Teamartist, du bist dort auch für sämtliche Bookings zuständig.
Wie ist es dazu gekommen?

Ich denke, ein ganz wichtiger Bestandteil der Magie und des Erfolgs von Blue Tunes ist
die Tatsache, dass es im Kern ein Freundschaftsding ist. Ich empfinde das Team durchaus als einen Teil meiner Familie. Sirko und Stephan sind langjährige Freunde, wir sind auch nach vielen Jahren der persönlichen Entwicklung noch genau auf einer Wellenlänge. Sirko hat mich vor ca. zwei Jahren gefragt, ob ich ganz offiziell bei Blue Tunes mit einsteigen möchte. Ich konzentriere mich dabei auf die Booking-Agentur, was aufgrund der vielen guten Künstler und der engen persönlichen Verbindung mit ihnen wirklich Spaß macht. Und so tut sich auch noch mal ein ganz neuer Horizont im Bereich des musikalischen Schaffens auf. Erfreulicherweise läuft dieses Projekt sehr erfolgreich.

Wie sieht es bei NOK im Studio aus, womit zauberst du?

Als DAW benutze ich schon immer Cubase. Neben diverser Software habe ich den Moog
Sub37, Virus TI Snow und den Nord Lead 2 als Klangerzeuger im Einsatz. Als Keyboard
benutze ich das Komplete Control S61 und S25. In praktisch jeder meiner Produktionen ist
ein Plugin von FabFilter, die gehören zu meinen absoluten Favoriten. Die Namen Serum und
Silent kommen mir gerade noch in den Sinn. Und aktuell bin ich auch total begeistert von
der Modular-Geschichte. Ich experimentiere viel mit dem VCV Rack und denke, dass ich
nächstes Jahr mein erstes eigenes Modularsystem aufbauen werde.

Mal im Ernst: Du produzierst selbst, bist Booker bei Blue Tunes, hast Familie und reist quer über den Globus. Wie bekommst du das alles unter einen Hut?

Das erfordert in der Tat viel Selbstdisziplin und Organisation, gerade weil ich auch ein
Kind habe. Ich stehe jeden Morgen früh auf und bespreche den Tag mit Sirko und Stephan.
Dann geht es je nach Arbeitsaufteilung erst ins Studio oder ins Office. Gerade mit der
Booking-Agentur ist es definitiv ein 24-Stunden-Job und wir telefonieren deswegen auch
schon mal um Mitternacht oder noch später. Mit Sirko und Stephan ist das aber eine sehr gute Teamarbeit, man kommt schnell voran. Wir halten uns nicht mit Kleinigkeiten auf. Das kostet zu viel Kraft und führt meist sowieso zu nichts. Wir arbeiten ergebnis- und zielorientiert. Vieles lässt sich planen, aber eben nicht alles! Glücklicherweise ist meine Familie sehr flexibel und unterstützt mich, wo es nur geht.

Verrätst du uns den schönsten Moment deiner Karriere?

Da gibt es viele. Das Release meines ersten Albums war ein wirklich tolles Gefühl. Aber
bis heute empfinde ich es als genauso intensiv, wenn ich wieder eine neue Veröffentlichung
habe. Party-Momente? Gab es sehr viele und sehr schöne, spontan fällt mir zum Beispiel
die Love & Light in Kapstadt 2013 ein. Das war eine Tagesparty, ich spielte abends das
letzte Set, bis Mitternacht. Gefühlt waren wirklich alle auf der Tanzfläche und als ich fertig war, schrien sie über eine halbe Stunde hinweg nach mehr, bis dann nach diversen Zugabe-
Tracks die Sound-Crew anfangen musste, die Anlage abzubauen. Das war großartig. Ich
freue mich sehr, dass ich dieses Jahr wieder dort spiele!

Worauf dürfen wir uns als Nächstes freuen?

Ich habe gerade meine neue Single „Thirteen Days“ fertig bekommen. Sie kommt am
24.09. auf Blue Tunes raus. Geht gut nach vorne und hat deutlich psychedelische
Einflüsse. Ansonsten arbeite ich gerade auch wieder an neuen „Out Now“-Tracks mit Sirko
und Stephan.

 

Aus dem FAZEmag 079/09.2018
Text: Jeanette Leiendecker
www.facebook.com/noksound

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