nl_band_ruhe_graffiti03_bw_s5

 

Mit dem zwölften Album fanden Northern Lite, dass es an der Zeit sei, zu den Wurzeln zurückzukehren. So auch der Name des Albums, das dieser Tage erscheint. Wir haben mit Andreas Kubat von NL gesprochen.

„Wir hatten dieses Gefühl wieder. Dieses Gefühl, in den Club zu wollen. Nachts in verschwitzten Bunkern spielen, in denen der Schweiß von den Wänden tropft und der Mainstream nicht am Türsteher vorbeigekommen ist. Das haben wir musikalisch getan.“
21 Jahre gibt es Northern Lite jetzt schon. Eine Karriere mit vielen Releases und vielen Erfolgen. Allerdings lief nicht immer alles rund, wie Northern Lite zugeben: „Mit den eigenen Entscheidungen ist das so eine Sache. Es ist müßig, über jede einzelne nachzudenken, trotz allem tut man es. Klar gibt es einiges, was man cleverer hätte anstellen können, aber hey: Wir waren jung. Außerdem ist es oft schwer, zu sagen, ob etwas anderes besser gewesen wäre. Wir haben in den 21 Jahren Northern Lite viele Bands und ,Stars’, deren Entscheidungen ich als absolut richtig eingestuft hatte, kommen und wieder verschwinden sehen. Wir sind immer noch da und haben mehr Hunger auf das Spiel denn je. Auch die vermeintlich falschen Entscheidungen waren wohl Teil des Weges, der uns hierher gebracht hat.“

Das neue, zwölfte Album zelebriert wieder den Sound der 80er-Synthies in Verbindung mit Club-Attitüde.
„Irgendwie hatten wir uns am eigenen Sound etwas überhört. Dieses neue Album zu machen, frei von den normalerweise bestehenden Konventionen, ohne Gitarre und Rock-Show, das war schon ein befreiendes Gefühl. Diese Nähe zu den Dancefloors wohnt uns schon immer inne.“
Das sind die eigentlichen Wurzeln von Northern Lite. Und dazu passt das neue Album perfekt. „Es passt einfach unglaublich gut zu dem, was wir gerade fühlen. Und wenn es sich so richtig anfühlt, macht es einen sehr glücklich – selbst wenn man noch nicht weiß, wie es ,der Welt da draußen‘ gefallen wird.“ Für die Produktion haben sich Northern Lite Verstärkung geholt: Eric (Amanic) Berger aus Leipzig hat alle Songs mit ihnen zusammen entwickelt und produziert. Das hat viele neue Impulse gegeben. Wie bei dem Kern-Track des Albums „Au Revoir“.

„Im März und April dieses Jahres habe ich in Berlin in der ,Flic Flac Freak Show’ gesungen. Das war eine sehr schöne und intensive Erfahrung. Die ganze Show war mit Northern-Lite-Songs unterlegt, die Artisten haben vorher zu den Songs geprobt und so hat alles ein sehr homogenes Bild ergeben. Zu ,Au Revoir’ haben wir dann das Video mit den Flic-Flac-Freaks gemacht, die mittlerweile für uns zu einer Art Familie geworden sind. Mit dem Song verarbeite ich nicht nur diese sehr persönliche Erfahrung; diese Zeit hat mich sehr inspiriert und mein Erstaunen über diese bizarre Welt der Artisten ist mit eingeflossen.“

Über ihren Status haben Northern Lite nie viel nachgedacht, sagen sie selbst. Dabei unterschätzen sie oft, was die Band für manche Leute bedeutet. Ihre Nähe zum Club haben sie mit diesem Album endgültig zementiert.
„Ja, wir sind ein Hybrid-Act, kein reiner Techno-Act. Und ist es Tanzmusik? Fuck, yeah!“ Alle Fans dürfen sich auf die Tour freuen. Sie wird musikalisch zum Album passen. Keine Gitarren, nur Beats, elektronische Musik und Gesang. Club-Sessions eben. „Natürlich werden wir Songs wie ,My Pain’ spielen, aber zahlreiche der eher gitarrenlastigen Songs wird es nicht geben. Viele haben allerdings ein neues Gewand und passen daher trotzdem sehr gut. Für Fans interessant, denn wir haben einige ältere Tracks im Gepäck, die früher nie in unser Live-Set gepasst haben, nun aber wie geschaffen dafür sind.“ Zu den Tour-Stopps gibt es zwei grundsätzliche Herangehensweisen. „Einmal geht man natürlich in die großen Städte, wo man weiß, dass es funktionieren wird. So zum Beispiel am 6. Oktober in Berlin. Und dann gibt es Regionen, wo man sich etwas aufbauen kann. Da fährt man immer mal wieder hin und schaut, ob es mehr wird. Wenn man ein paarmal draufgezahlt hat – die Kosten einer Live-Band sind nicht zu unterschätzen –, lässt man es erst einmal und wartet, bis man wieder mutig – oder dämlich – genug ist, es erneut zu riskieren.“

BTTR-Tour 2018
06.10. – Berlin, Astra
(ausverkauft; Folgekonzert im Januar)
12.10. – München, Backstage
13.10. – Zürich, Hive
25.10. – Ludwigsburg, Scala
26.10. – Konstanz, Kula
27.10. – Altenburg, Music Hall
30.10. – Erfurt, Halle 6 Zughafen
02.11. – Wittenberg, Velvet Lutherstadt
03.11. – Dresden, Kleinvieh
10.11. – Leipzig, Spizz
15.11. – Frankfurt, Nachtleben
16.11. – Hamburg, Docks
17.11. – Rostock, Mau Club
28.12. – Jena, F-Haus

 

Aus dem FAZEmag 077/07.2018 
Text: Sven Schäfer
www.northernlite.de

Noch mehr Interviews:
The Yellowheads – Maskierter Exportschlager
Giorgia Angiuli – Talent und Stil und Talent
Dominik Eulberg – 41 Kiebitze im Nebel
 

Pappenheimer – Ein Phänomen
Paul Kalkbrenner – Schnell ist geil